Die Sache mit den nassen Seilen...

      Die Sache mit den nassen Seilen...

      Hey :blumen:

      Mich erreichte gestern eine Nachricht , aus der eine kleine Diskussion entstand, weil ich mir :old: nicht verkneifen konnte.

      Ausgangspunkt war diese Nachricht :

      "Nasse, warme Seile schmiegen sich geiler an den Körper und sind ja ausgedehnter wegen der Flüssigkeit.
      Je trockener sie wieder werden, desto enger ziehen sie sich dann aber auch wieder und das wirst du spüren"

      Und fand, ich greife dies hier mal auf um ein super wichtiges Thema anzusprechen, auch wenn es genau den umgekehrten Fall Thematisiert.

      Die Seile aus Jute und Hanf, welche im Shibari verwendet werden, verhalten sich nämlich komplett entgegengesetzt zu der Intention des Verfassers.
      Die Fasern quillen auf, werden dicker und dafür kürzer.
      Die Erfahrungswerte in unseren Workshops lagen bei ca 8-30 Prozent, je nach Vorbehandlung, Materialstärke usw.


      Wenn also ein doppelt gelegtes 8 Meter Seil, beim Extremfall 120 cm einbüßt, dann kann das zu großen Problemen führen.
      Selbst wenn wir jetzt davon ausgehen, daß ein straff gefesselter Takate-Kote "nur" 60cm an Länge verliert, kann das für zB einen Rippenbruch schon ausreichend sein.

      Heißt, Hanf und Juteseile sollten niemals! trocken gefesselt und dann nass werden, wenn sie nicht passend imprägniert sind, denn das führt sehr wahrscheinlich zu Körperlichen Schäden und ist grob fahrlässig.
      Wenn ihr outdoor fesselt und es plötzlich Platzregen gibt, gibt es meist nur den schnellen Griff zur Schere.

      Falls man mit Hanf oder jute denn unbedingt nass fesseln möchte (zB für Fotos) , sollten Sie aufjedenfall ordentlich durchgewässert sein, bevor man anfängt zu fesseln, sodass sie schon den kürzesten Punkt erreicht haben.

      Beim Thema Sisalseil gibt es im Netz verschiedene Infos. Manche Seiten sagen, es zieht sich ebenfalls zusammen, andere sagen, es dehnt sich bei Feuchtigkeit aus.
      Ich habe damit keine Erfahrungswerte.

      Mit Baumwolle und Synthetischen Seilen sollen solche Sachen möglich sein, wobei ich Synthetische Seile prinzipiell für Bondage ungeeignet finde, da Sie zu Verbrennungen führen können.

      Falls es wirklich Seile gibt wie von dem Rigger aus der Comm oben beschrieben, welche sich beim Trocknen zusammen ziehen, ist es in meinen Augen dennoch ein schlecht zu kalkulierendes Risiko, wenn vielleicht auch nicht ganz so groß wie bei Hanf und Juteseilen, die plötzlich nass werden.

      Ich kann die Tage gerne mal jeweils nen Meter Seil von meinen unterschiedlichen ausgdienten Hanfseilen ins Wasser werfen und schauen was passiert, vielleicht mag da ja auch der ein oder andere aus experimentellen Gründen mitmachen und sagen, wieviel an Länge sie verlieren (oder ggf bei anderen Materialien sogar gewinnen ?( ).

      Nichts desto trotz, wer etwas in diesem Bereich mit Seilen macht - sollte wissen wie sich sein Material verhält und es im Zweifel lieber lassen. (sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung)
      Denn wir alle hängen ja irgendwie an unseren Nerven und Knochen. :blumen:

      Dem darf natürlich gerne etwas hinzugefügt oder berichtigt werden.
      Es sind einfach nur die Dinge, die uns in den Workshops immer wieder nahe gelegt wurden. ;)
      Und den Unfällen, die man im Laufe der Zeit so mitbekommen hat.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von NilaRope ()

      NilaRope schrieb:

      Mit Baumwolle und Synthetischen Seilen sollen solche Sachen möglich sein, wobei ich Synthetische Seile prinzipiell für Bondage ungeeignet finde, da Sie zu Verbrennungen führen können.
      Danke @NilaRope definitiv ein sehr wichtiger Punkt, da gerade die Grenze zwischen ich finde die Enge gut bis zu ich komme mit der Traumaschere nicht mehr unter das Seil fließend sein kann!

      Der Punkt mit der Verbrennungsgefahr ist gerade auch bei synthetischen Seilen aufeinander z.B. Flaschenzug etc. nicht außer acht zu lassen, da gerade Dynema zwar sehr leicht und belastbar ist nur eben auch einen geringen Schmelzpunkt besitzt.

      Take Care
      Dass Naturfasern sich bei Nässe zusammenziehen, ist meines Wissens auch der wesentliche Grund, warum auf See Naturfasertauwerk fast vollständig von synthetischem Tauwerk abgelöst wurde. Ebenso beim klettern.

      @‚NilaRope‘ dieser Beitrag ist super wichtig.

      NilaRope schrieb:

      "Nasse, warme Seile schmiegen sich geiler an den Körper und sind ja ausgedehnter wegen der Flüssigkeit.
      Je trockener sie wieder werden, desto enger ziehen sie sich dann aber auch wieder und das wirst du spüren"
      Das finde ich extrem unverantwortlich. Selbst wenn seine Aussage stimmen würde (was sie nicht tut) Ein wesentlicher Punkt, warum Bunny mir vertrauen kann, ist dass ich weiß was ich tue. Würde ich die Seilverkürzung nutzen, um meine Fesselung zu verdichten, dann bestünde die Gefahr, dass Bunny Schäden durch mein Handeln davon tragen könnte. und dabei sind Drucklähmungen, die Wochen oder auch Monate anhalten können noch das geringere Übel. Mein Spanischleher war mal wegen einer Drucklähmung für ein halbe Jahr Krankgeschrieben -> Fallhand. Ich habe mich erst Jahrzehnet später gefragt, wie er die sich wohl zugezogen hat. :icon_lol:

      NilaRope schrieb:

      Wenn also ein doppelt gelegtes 8 Meter Seil, beim Extremfall 120 cm einbüßt, dann kann das zu großen Problemen führen.
      Selbst wenn wir jetzt davon ausgehen, daß ein straff gefesselter Takate-Kote "nur" 60cm an Länge verliert, kann das für zB einen Rippenbruch schon ausreichend sein.
      Ein „Rigger", der so etwas nutzen wollte wäre für mich schon disqualifiziert. Das Zitat belegt lediglich, dass sich da jemand als Rigger ausgibt, der imo. nichts davon versteht.

      Nach meiner Erfahrung gilt auch für Baumwollseile, dass sie im nassen Zustand kürzer werden, jedoch nicht im gleichen Maße wie Hanf oder Jute. Und bitte nie Baumwolle für Suspension benutzen denn Baumwolle dehnt sich.

      Wer draußen fesseln will und die Gefahr besteht, dass die Seile nass werden und auf Nummer sicher gehen will, dem empfehle ich Polyhanf. Fühlt sich ähnlich an wie echter Hanf, ist aber wasserabweisend und schrumpft nicht. Verletzungsgefahr durch das Seilmaterial besteht meines Wissens nicht.
      *** Orthographie und Grammatik sind abhängig von Tageszeit, Autokorrektur, Koffeinlevel, geistiger Verwirrtheit, dem Sonnenwind, Sternschnuppen, der Mondphase und Gravitationsfluktuationen. Interpunktion wird mit dem Interpunktionsstreuer gleichmäßig über das Geschreibsel verteilt. *** :pardon:

      "Time is the school in which we learn, time is the fire in which we burn.“

      - Delmore Schwartz -

      1ND13 schrieb:

      auf Nummer sicher gehen will, dem empfehle ich Polyhanf. Fühlt sich ähnlich an wie echter Hanf, ist aber wasserabweisend und schrumpft nicht. Verletzungsgefahr durch das Seilmaterial besteht meines Wissens nicht.


      Ich wollte vor einiegen Jahren mal wissen was der Unterschied ist zwischen Polyhanf und Hanf ...
      Mein ehemaliger Rigger wollte es mir demonstrieren, indem er beide Seile mit Schwung durch seine Finger zog.
      Mit dem Ergebnis das er vom Polyhanf (also die Seile die man auch standardmäßig im Baumarkt kriegt und teilweise sogar nur "Hanfseil" heißen) , so dolle Verbrennungen zwischen den Fingern hatte, dass der Fesselabend fast deswegen ausgefallen wäre. - Er war übrigends selbst etwas erschrocken 8| ;)

      Also, ja, kann man machen, fürs fesseln im nassen, wenns denn so sein soll auch eine Option (lieber das Risiko eines Seilbrands, als das Risiko schwerwiegender Schäden), das es Verbrennungen verursachen kann, dessen sollte man sich aber bewusst sein ^^

      Heißt soviel wie... Vorsichtig abfesseln, nicht schnell durch enge Stellen ziehen, usw. ^^

      Im übrigen, ob etwas aus polyhanf ist, erkennt man daran das es schmilzt wenn man ein Feuerzeug dran hält.
      Also auch nichts anderes als synthetik :pardon:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von NilaRope ()

      NilaRope schrieb:

      "Nasse, warme Seile schmiegen sich geiler an den Körper und sind ja ausgedehnter wegen der Flüssigkeit.
      Je trockener sie wieder werden, desto enger ziehen sie sich dann aber auch wieder und das wirst du spüren"

      Evtl verwechselt er da was und meinte Lederriemen... Bei den Indianern war es wohl eine Foltermethode nasse Lederriemen zu nehmen, eng um den Körper zu wickeln und die Person dann an einem schönen sonnigen und heißen Platz abzulegen... die Lederriemen ziehen sich nämlich dann wirklich zusammen.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff
      gut das wir hier genügend fähige Menschen haben, die ihr Fachwissen vernünftig teilen & auf solche Mythen aufmerksam machen.
      Ich selbst mag Bondage und kann damit umgehen, aber zu behaupten ich wäre ein Rigger :fie: Da bin ich Meilen weit entfernt.
      Aus selbigem Grund lasse ich auch ganz gepflegt mein halbwissen bei mir und verunsichere nicht noch mehr Menschen damit.

      Mfg Talon
      :dance: