Formen feat. Persönlichkeit herauskitzeln

      Formen feat. Persönlichkeit herauskitzeln

      Ich habe diese Aussage in einem Blog gelesen und bin auf eure Meinungen gespannt. Einfach frei drauf los diskutieren. Was haltet ihr von dieser Aussage:

      „Ein Dom formt also nicht seine Sub, er extrahiert die wahre Persönlichkeit, er befördert das beste heraus“

      Ich persönlich finde, die Aussage passt nicht ganz in mein Bild. Klar steht das Herauskitzeln der Persönlichkeit im Vordergrund, aber jeder Dom formt doch auch seine Sub, wie er sie haben möchte und Sub lässt sich bis zu einem gewissen Punkt formen, weil sie gefallen möchte und es ihr gefällt.
      Meiner Meinung münden zwei Flüsse in einen See und werden so zu einem Ganzen. Das ist für mich D/S!
      Die Aussage kann ich positiv und negativ lesen, je nachdem, wie ich das möchte ^^

      Unter Formen kann ich das Herauskitzeln und Fördern schon vorhandener Eigenschaften, Stärken und Talente verstehen, das finde ich positiv.
      Es ist für beide ein Gewinn, für mich, weil ich mich dadurch positiv weiterentwickeln kann und für Dom, weil er es schafft, meine Stärken zu erkennen und zu fördern.

      Formen kann ich aber auch als Erziehung deuten, in diesem Falle wäre es für mich persönlich negativ besetzt.
      Ich bin froh, wenn ich so angenommen werde, wie ich bin und nicht zu einem Menschen umerzogen werde, den jemand in mir sehen möchte.
      In meinen Augen wäre das für beide ein Verlust, für Dom, weil er nicht in der Lage ist, mein Grundwesen zu schätzen und für mich, weil ich mich verbiegen würde, ohne es wirklich für meine eigene Entwicklung zu wollen.

      Wenn ich mir das jetzt so durchlese, habe ich Assoziationen von Materialien.
      Das erste sieht vor meinem inneren Auge nach Ton aus, der weich ist und geformt wird, aus dem etwas Schönes entsteht.
      Das zweite sehe ich als Metall, welches mit einem hässlichen Kreischen und mit Gewalt verbogen wird und Gefahr läuft, dabei zu zerbrechen.
      Auch wenn es widersprüchlich klingt:
      Ihr Ego muss stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können.
      Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.

      - John Bradshaw, Das Kind in uns -
      Ich glaube sinnig ist immer beides....die Mischung macht es...

      Wesensmerkmale sollte der DOM erkennen und wie wir wissen kann man einen Menschen nicht verbiegen.
      Eine Veränderung muss aus der freien Entscheidung kommen, ansonsten ist es nur eine "feindliche Übernbahe oder ein Tuen für.." und hat auch auf Dauer keinen Bestand, wenn die Kontroll-Instanz wegfällt, daher...

      zunächst erstmal nach dem Potential schauen und es stärken und es in Bahnen lenken, so wie der Herr es beliebt.

      Zuckerbrot und Peitsche:
      Der Mensch verarbeitet positiven Zuspruch extrem gut und Erziehungsmethoden kann man ja koppeln an, das was der andere so begehrt ( Konditionieren) .

      Ich hab immer wieder das Probleme mit dem Begriff "Peitsche als Bestrafung".
      Wann ist oder wird sie zur Strafe oder ist sie nur Genuss?
      Und wenn sie mich aus der Comfortzone bringt,ist sie dann wirklich schon Bestrafung?

      Da ich dahin tendiere nicht zu be- werten.. nehm ich alles erst mal als von der männlichen Dominanz so gegeben, hinzunehmen an.
      ....
      Wo es in der Tat schwierig und haarig wird, wenn, das Gegenüber versucht, aus mir ein "Püppchen" zu machen..
      mir Normen vorgibt, die für mich nicht zu erreichen sind,also ich an seinen Träumen und Wünschen, Vorstellungen in der Wirklichkeit scheitere,mir die Zähne ausbeisse und Frustration bis zum bitteren Ende schiebe
      weil Mutter Natur das für mich so nicht vorgesehen hat...

      Das ist ein Punkt, an dem ich als sub auch wenig "drehen" kann für den EINEN und im gleichen Atemzug steigt so das Gefühl von "nicht angenommen sein" in mir hoch.
      Da kniiierscht es dann gewaltig...und da regt sich dann mein innerer Widerstand (Rebellion) und hinterfragt auch das TUN der Führung.
      ...
      Eine vermeintliche Schwäche kann auch zur Stärke werden.
      Ich habe eine diagnostizierte Ich - Schwäche, die mit vielen defizitären Gesichtern daher kam.
      Das Arbeiten an meinem Ego, Selbstwertgefühl, Selbstliebe, Zeigefreudigkeit usw. innerhalb von Bdsm- lästigen Beziehungsstrukturen hat mich im gesamten Wesen viel stärker gemacht.
      Ob ich heute noch eine eindeutige Diagnose in diesem Bereich bekommen würde, würde ich deutlich in Frage stellen...
      Ich sehe da schon deutliche Unterschiede:

      formen ...und fördern...heißt auch unterstützen und Dinge ins laufen bringen......den Focus mehr auf die gesamte Person legen ...in die Breite gehen...auch im Alltag.



      GreenBlueEyes schrieb:

      , er extrahiert die wahre Persönlichkeit,
      hier würde für mich der Focus auf einen kleineren Bereich liegen.......Dom holt etwas hervor was dann von ganz alleine Einfluß und Auswirkungen auf den Alltag und die Umgebung von Sub hat.
      Hier werden dann Dinge nicht so bewusst gesteuert...in eine Richtung gesteuert.
      An den Kreuzungen des Lebens stehen leider keine Wegweiser.
      Aus meiner Dom Sicht heraus ist das recht einfach zu beantworten.
      Es kommt auf die Persönlichkeit meines Subs an. Wenn er ein sehr introvertierter Mensch ist, sehr schüchtern und das vielleicht sogar selbst als störend empfindet, was durchaus schon vor gekommen ist, möchte ich natürlich seine sozialen Kompetenzen entwickeln. Es ist dann für den Sub leichter damit klar zu kommen, denn ich will es so von ihm.

      Ich hatte zumindest einen Sub, der extrem darunter litt, frech und ausfällig zu sein und damit die Menschen in seinem Umfeld zu vergraulen. So einer braucht schon Erziehung im klassischen Sinne. Klare Regeln und Konsequenzen halfen ihm dabei Freunde zu finden und positiver auf Menschen zu zugehen. Auch hier stand mein übergeordneter Wille entlastend im Vordergrund. Er hat sich keine Gedanken mehr darüber gemacht, sondern mir gehorcht.
      "Behalte sie. Sie ist wertvoll. 2 Monate. Schau aus dem Fenster."
      Mein Traum von dir.
      Ich würde diesem sehr interessanten Thema auch gerne noch etwas hinzufügen.

      Ich denke die Aussage, bzw. das Gleichnis ist nicht wirklich stimmig, wenn man sich auf die Begriffe "Formen" und "Extrahieren" bezieht.

      Die Persönlichkeit ist ein komplexes Kontrukt, was sich (meines Wissens) nicht wirklich umformen lässt, jenseits der frühen Kindheit. Vielmehr wird auf dem, was bereits da ist, immer weiter aufgebaut. "Extrahieren der wahren Persönlichkeit" bedeutet für mich in dem Sinne, das Aufbauen von etwas, was sich gut und relativ problemlos im aktuellen Kontrukt anbringen lässt. Das "Formen" hingegen, ist das Aufbauen von etwas, was sich nicht einfach und oft nur mit Schwierigkeiten, anhand des aktuellen Kontruktes, anbringen lässt.

      Jemand der aus einer hierarchischen Familiensituation kommt, hat es vermutlich relativ leicht, sich seinem Dom auf verschiedenste Weise unterzuordnen. Der gleichen nicht-masochistischen Person, den Lustschmerz schmackhaft zu machen, ist hingegen eher eine Herausforderung, auf die sich am Ende beide, über einen längeren Zeitraum, einlassen müssten.

      Beides hat seine Vorzüge. "Extrahiren" mag einen therapeutischen Effekt haben, wenn man sich im Alltag sonst immer verstellen muss. Während "Formen" ermöglicht, seine persönlichen Schwächen zu bearbeiten und ggf. sogar zu überwinden.

      Kurzgesagt: Die Aussage ist nicht korrekt. Sowohl das herauskitzeln der Persönlichkeit als auch das Formen sind möglich. Zumindest meiner Meinung nach.

      GreenBlueEyes schrieb:

      Ich habe diese Aussage in einem Blog gelesen und bin auf eure Meinungen gespannt. Einfach frei drauf los diskutieren. Was haltet ihr von dieser Aussage:

      „Ein Dom formt also nicht seine Sub, er extrahiert die wahre Persönlichkeit, er befördert das beste heraus“
      Im Idealfall, denke ich, passiert eine Mischung aus beidem, wobei es auch auf das Verständnis von "Formen" ankommt.

      Entweder setzt man "formen" gleich mit "in eine vorgegebene Form pressen". Das ist ein Verständnis, das mir negativ aufstößt und dem ich eher nicht zustimmen möchte.

      Oder man meint "formen" heißt "wie Lehm oder Ton formen". Diese Bedeutung klingt für mich natürlicher und auf diese Weise kann ich zustimmen, mich formen zu lassen.

      Beim "Extrahieren der wahren Persönlickeit" ist es bei mir persönlich so, dass das bei uns geklappt hat. Mein Herr spricht meine devote Seite großartig an, bei ihm kann ich einfach Ich sein ohne Schutzmauern und meine "wahre Persönlichkeit" zeigen.

      Dieses "Extrahieren" ist also nur möglich, wenn eine Person im Alltag eine andere Version von sich selbst zeigt (aus welchen Gründen auch immer, ein Beispiel wäre Selbstschutz).
      Carpe et diem et noctem.
      @parvula_serva
      Ich weiss, dass für dies eigentlich der Like-Knopf gedacht ist.
      Aber ich muss sagen, dass ist sehr schön ausgedrückt und auf den Punkt gebracht.

      Vorallem im Bezug auf das Formen. Formen ist für mich nicht negativ behaftet, das andere ist für mich in eine Form pressen, wo man hinten und vorne keinen Platz hat.

      Aber die Differenzierung ist wichtig. Danke :)
      Ja, da stellt sich mir die großeFrage...

      @Sorin wusste von seiner Neigung als Dom bevor er mit mir in die Beziehung ging. Ich wusste das ich unglücklich war und seit dem ersten Hallo war dieser Mensch für mich perfekt.

      Ich frage mich gerade und habe dies schon öfter auch zu ihm gesagt, ob er sich seine Sub denn so gezogen hat, oder ob dies schon immer in mir steckte.
      Ich habe früher meine Puppen und Barbies gefesselt und sie mussten sich ausliefern (an selbstgebastelte Pranger gestellt, oder ans Kreuz gebunden) ich habe diesen Puppen meistens Schmerz zugefügt, oder eben sexuelle Erniedrigung.

      ICH war dieser ausführende PART.

      Jetzt ist es seitdem ich mit @Sorin zusammen bin so das ich zuerst als absolutes No-Go festgelegt hatte ihm untergeordnet zu sein und irgendwas was ich nicht möchte machen zu müssen.
      Gesagt getan er verlangte dies niemals von mir.
      Er hat mit Bestätigung und Lob gearbeiten um mir ein paar negative, für mich schädliche Verhaltensmuster zu durchbrechen, aber von dieser ominösen Dom~Sache im Alltag kam sonst nichts.
      Im Bett, war schon immer klar wer das Sagen hat und war auch von beiden auch so gewollt.

      Seit wir dann über diese BDSM Geschichte gestolpert sind, habe ich mich erst in Richtung Bottom und jetzt seit einem Jahr auch immer öfter Alltag zur Sub entwickelt. Ich mag diesen Part und habe mich schon oft gefragt, wie das eigentlich passieren konnte...

      Seine Aussage ist, das dieser ganze Teil der Beziehung von mir ausging und er sich einfach darüber freut ohne groß zu hinterfragen.
      Er habe dies nie fokussiert - hat er auch nicht- es ist einfach so gewachsen.
      - ~ * The only straight thing about me * ~ -
      - ~ * is my jacket * ~ -
      :thumbsup:
      Ich denke auch, dass es eine Mischung aus beidem ist..
      Dom formt Sub nach seinen Vorstellungen und kitzelt im besten Falle die Persönlichkeitsmerkmale von Sub heraus.

      Das kann aber eben erst geschehen, wenn Konsens herrscht... mMn
      D.h. der Kennenlernprozess läuft bereits und man hat festgestellt dass es passt. Nicht nur menschlich sondern auch neigungs-technisch. Und dann beginnt doch das miteinander, eine Entwicklung auf beiden Seiten....
      Optimismus heißt rückwärts sumsi mit po :yes: :saint:
      Ich denke diese Aussage des Formens bezieht sich in erster Linie auf die Entwicklung der Devotion . Sie ist ein Persönlichkeitsmerkmal , unterschiedlich ausgeprägt aber vorhanden . Dom versucht diese Devotion für Sub erlebbar zu machen . Devotion als Teil der Persönlichkeit zu erfassen , zu leben , zu erleben was ein Ausleben an Vorteile bringt , es zu akzeptieren .
      Wenn beide diese Kompatibilität von Dominanz und Submission als gemeinsam lebbar erkannt haben , kann Dom diese Persönlichkeitsstruktur nach beiderseitigen Bedürfnissen formen . So angepasst erleben beide eine WinWin Situation .
      Sub kommt bei sich an , lebt und akzeptiert unter Doms Anleitung ihre Submissivität und Doms Dominanz passt dazu . Dom bekommt eine Sub die sich in ihrer Submissivität ganz nach ihm und seinen Bedürfnissen ausrichtet . Damit sie weiß welches seine Bedürfnisse sind gibt er vor was sie tun soll , damit formt er ihr Verhalten ganz nach seiner Art - ein anderer Dom würde ihre Devotion evtl anders formen , wenn er andere Bedürfnisse hätte .
      Wir leben alle unter dem selben Himmel , aber nicht mit dem gleichen Horizont
      . . . da ich oft in meinem Leben die Eigenheit habe ziemlich unstrukturiert zu sein (zumindest, was mich selber und mein Leben angeht *seufz*) war es für mich eine Erhellung und Erleichterung zu erkennen, das so eine Struktur rund um ein 'Machtgefälle', wie auch immer das aufgebaut sein mag, die beste Umgebung für meine Entwicklung ist. Es hat aber auch ein wenig gedauert, bis ich gelernt und erkannt hatte, welche immense Freude und Befriedigung der dominate Teil daran hat, wenn er aus seiner 'überlegenen' Warte sieht, wie sein Besitz wächst und gedeiht, wenn es folgsam ist und hingebungsvoll...

      PS & als Nachwort zum EP

      Formen wäre für mich wohl eher implizierend, das etwas ein wenig widerwillig ist, es geht nach meiner Meinung eher darum, etwas freizulegen und zu beleuchten, was schon immer da war und wachsten möchte.
      Be blessed and unstoppable!

      Laurana schrieb:

      Formen wäre für mich wohl eher implizierend, das etwas ein wenig widerwillig ist, es geht nach meiner Meinung eher darum, etwas freizulegen und zu beleuchten, was schon immer da war und wachsten möchte.
      Wenn es immer schon da war, sprich: für Sub auch erkennbar war, und Dom es einfach nur zum Blühen und Gedeihen bringt, ist das sicher die angenehmste From.
      Aber vielleicht erkennt der Dom ja auch etwas und will es herauskitzeln, was Sub so noch gar nicht weiss oder bei sich noch gar nicht entdeckt hat oder sich zurtrauen würde. Und dann kann es durchaus auch mal sein, dass Dom erstmal einen gewissen Widerwillen, eine Schwelle überwinden muss. Erst am Ende weiss man ob es gelungen ist. Und genau an dem Punkt sollte Sub auch mal auf die Urteilskraft der dominanten Seite vertrauen und die Kontrolle abgeben. Das ist, finde ich zumindest, dann die spannendste Stelle in der Entwicklung.
      Etwas gegen den ausdrücklichen Widerstand von Sub durchzusetzen, etwa nur, weil Dom es kann, ist dagegen vollkommener Mist. Es wäre höchst unklug sein Subbi kaputt zu machen.
      Eine Sub kann himmlisch lachen, göttlich verwöhnen und Paradiese schenken dem, den sie liebt :saint: