"Ich hole Sub da ab, wo sie gerade steht"

      "Ich hole Sub da ab, wo sie gerade steht"

      Den Satz aus dem Titel habe ich vor Jahren mal von einem Dom gelesen und komischerweise ist er mir vorhin wieder eingefallen.

      Bevor ich meine Gedanken dazu niederschreibe, würde ich gern von euch wissen:
      - Wie interpretiert ihr den Satz?
      - Welche Gefühle löst er in euch aus?
      - Gibt es Doms, die es genauso machen? Mögt ihr etwas dazu berichten?
      - Gibt es Subs, die das schon bewusst erlebt haben und wie waren eure Erfahrungen dazu?

      Ich freue mich auf euren Input. :)
      Malesubs und Femdoms sind natürlich auch herzlich eingeladen, zu antworten.
      Auch wenn es widersprüchlich klingt:
      Ihr Ego muss stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können.
      Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.

      - John Bradshaw, Das Kind in uns -
      Mein erster spontaner Gedanke war: schön wäre es, wenn es mal einer täte!
      Leider erlebe ich es oft, dass Doms noch bevor ich sie treffe, mich derart mit Vorstellungen und Forderungen überschütten, dass mir die Lust auf ein reales Treffen vergeht.
      Abgeholt werden wo ich stehe, klingt für mich nach, angenommen werden wie ich bin und einen gemeinsamen Weg einschlagen. Ich habe vieles noch nicht gemacht und da sollte ein Dom dann auch in der Lage sein mich schrittweise heran zu führen.
      Als blutjunge Anfängerin hab ich das so erlebt:
      Da war von meiner Seite kein Wissen über BDSM-
      da war keine Wissen über Haltung und Dienen, über jap. KNOTEN, seiza und kunza... Keines über Schmerzkopplung mit der Lust und Ertragen, da war noch keine Liebe im Herzen.
      Da war nur ein unbeschriebenes, weisses Blatt und diese Faszination, die von diesem Mann ausging und meine Neu - Gier.

      Es mag verkitscht klingen:
      ER hat mich Schritt für Schritt herangeführt, an das was er für IHN richtig, wichtig war und erfür erregend und anregend hielt.

      Er formte mich (Wachs in seinen Händen) und reflektierte immer wieder mit mir darüber, was das mit mir macht (körperlich, geistig, emotional)
      und ob ich gehen oder bleiben möchte?
      Ich hatte jederzeit, die Möglichkeit meine Koffer zu packen!
      Die Freiheit zu entscheiden, die ich mit dem Einzug in sein Haus abgetreten hatte, gab er mir immer wieder zurück.Ganz bewusst.
      Ich hab es während dieser Auszeit - dieser gemeinsamen Entdeckungsreise nie gewollt, ihm den Rücken zu kehren.

      Als ich dann musste, weil er starb, hinterließ er jahrelang eine grosse Leere, obwohl er auch mich darauf vorbereitet hatte.
      Über Jahre hielt ich ihn für mein Lebensglück und das mir sicher nicht ein zweites Mal zu stehen würde.
      Ich hab mich geirrt.
      Allerdings sind die Bedingungen anders für mich als sub und für den DOM (nachfolgend) geworden ,
      weil auch ein Fundament da ist, ein Schliff schon vorhanden ist und über die Jahre sind Erfahrungen des Lebens dazu gekommen.
      Mein Wesen als Mensch & sub ist wesentlich komplexer und auch anspruchsvoller an DEN, der mich durch die Gezeiten führen will.

      Aber es gibt männliche Dominanz, die diesen Raum ausfüllen kann. Mann muss es eben auch wagen.
      @Kalimaa
      Da kann ich dir nur zustimmen.

      Viele holen mich schon beim „Online-Kennenlernen“ nicht ab. Ihre Vorstellungen von der „perfekten Sub“, die mich über den Haufen rennen und das liegt nicht daran, dass ich kein Selbstbewusstsein habe, sondern dass ich einen Schritt zurück mache, weil ich dann das Gefühl habe, er möchte seine Vorstellung von Sub hier und jetzt und nicht daran arbeiten müssen.

      „Sub abholen, wo sie gerade steht“ heisst für mich, ihre Erfahrungen und Vorstellungen abholen, sich Gedanken machen, ob es mit seinen Vorstellungen kompatibel ist und sie dann step-by-step da hin führen, wo er sie haben möchte. Ja „Sub abholen“ heisst für mich, dass Dom ev. erst zurückstecken muss, bevor er sich in seinen ganzen Vorstellungen entfalten kann.
      Leider gibt es im großen Teich wohl viele Fische, dessen das nicht bewusst ist, die ihre festen Vorstellungen haben, wie Sub zu sein hat und davon wird nicht abgewichen. Ist sie dann nicht so, wird sie direkt aussortiert ja entsorgt, so könnte man es bezeichnen.
      Aber... Es gibt sie, selten aber es kommt vor, diese Exemplare mit Geduld, die wissen, dass nichts von jetzt auf gleich geht, das alles ein stetiger Lernprozess ist, für beide Seiten. Ja das er auch Verantwortung trägt und sich dessen auch bewusst darüber ist. Das zurück stecken kein Zeichen von Schwäche ist, sondern auch ein Schritt nach vorn bedeuten kann. Das Vertrauen für eine Beziehung elementar wichtig ist und sich diese nicht über Nacht entfalten wird.
      Warum die meisten das anders sehen, weiß der Henker, wahrscheinlich nehmen sie zum Öffnen der Haustür auch immer die Brechstange, statt den Schlüssel und tauschen dann ständig die Tür aus. :pardon:
      Ich schulde meinen Träumen noch ein Leben! Du auch?
      Muss man nicht jeden Menschen da abholen wo er steht um irgendeinen Art von Beziehung einzugehen!?

      Alles andere wäre doch nur ein ONS oder Quickie.

      Alles muss sich entwickeln, klar sollten beide schon in die gleiche Richtung schauen sonst passt es einfach nicht.
      Das von einander lernen und zusammen wachsen ist doch das spannende, neues entdecken und sich vielleicht in manchen Punkten neu entdecken.
      Aber einseitige Brechstange ist für mich Sinnfrei.
      Aus Dom Sicht habe ich nichts davon Sub von vorn herein gleich zu überfordern. Ich möchte mein Gegenüber erst einmal kennen lernen und nicht sofort mit der Tür ins Haus fallen. Das würde höchstens dazu führen das er/sie gleich wieder die Flucht ergreift, oder noch schlimmer, anfängt, sich für mich zu verbiegen zu Lasten der Psyche dieser Person.
      Auch ist es ein Unterschied ob ich einen erfahrenen Sub vor mir habe, oder eben einen ohne jede Erfahrung. Einer ohne Erfahrung ist aufgeregt, unsicher und vielleicht sogar noch unsicher was sie in welchem Umfang überhaupt möchte. Da würde ich sehr langsam anfangen und ohne eine bestimmte Vorstellung von dem was unbedingt sein MUSS, mich auf das konzentrieren was im Augenblick wirklich IST. Ich muss so jemandem keine Idealvorstellung meiner sexuellen Vorstellungen überstülpen.
      So etwas wächst und entwickelt sich von alleine wenn es erst mal rollt.

      Als Sub erlebe ich das in letzter Zeit hier durch das Forum manchmal, dass einige Doms schon arg viel zu schnell zum Punkt kommen.
      Vielleicht aber auch nur, weil sie ungeduldig sind und ja wissen das ich jetzt nicht soooo unerfahren bin. Meist hilft dann ein kleiner Dämpfer meinerseits.
      Ich weiß nicht, wie sie sich einer Person gegenüber benehmen würden, die eben keine Erfahrung hat. das kann ich mangels Erfahrungswerte nicht beurteilen.
      Die Doms denen ich bisher begegnete waren aber tatsächlich sehr zurückhaltend und interessierten sich hauptsächlich zuerst für meine Person, bevor der Sex als Thema überhaupt interessant wurde.

      LG
      Mica
      "Behalte sie. Sie ist wertvoll. 2 Monate. Schau aus dem Fenster."
      Mein Traum von dir.
      Inspiriert durch so Threads wie zB “Augenhöhe“ oder “'Sollte der/die Dom älter und erfahrener sein als der / die Sub“ , kam mir sofort die Frage - holt Sub mich da ab, wo ich gerade stehe - in den Sinn.
      Ich kann eine erfahrene Sub, die vielleicht schon lange TPE ausgelebt hat, oder wenn ich es auf Shibari erweitern darf, ein Bunny, welches schon Suspension erleben durfte, bestimmt nicht dort abholen, wo sie gerade stehen.
      Ich fände es also ganz schön, auf einen geduldigen Menschen zu treffen, der sich gut in den anderen hineinfühlen kann, der einem entgegenkommt, um dann gemeinsam einen Weg zu finden und zu gehen.
      Gleich vorweg: Ich finde es schade, dass dieses Thema gleich nach der Ausgangsfrage wieder einmal damit beginnt, wie böse und schlecht die Doms doch nicht sind.

      Ich habe letztens in einer Online-Talkrunde einer Sexualtherapeutin gehört: Man zieht an, was man ausstrahlt.
      Vielleicht sollten wir einfach mehr positive Energie ausstrahlen, als ständig nur zu betonen, wie böse, wie dumm und wie egoistisch die Doms sind?
      Ich kenne nämlich ganz schön viele Subs, die so manchem Dom in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil.

      Ansonsten: Wer meint, schon beim Kennenlernen zu viel Druck auszuüben und Forderungen zu stellen - der kann das gerne tun, allerdings bei jemandem, zu dem er besser passt, als zu mir. :yes:
      Vielleicht bin ich aber auch einfach nur zu alt, um mich über solche Dinge aufzuregen? :gruebel:

      Isegrim_w_devot schrieb:

      Bevor ich meine Gedanken dazu niederschreibe, würde ich gern von euch wissen:
      - Wie interpretiert ihr den Satz?
      - Welche Gefühle löst er in euch aus?
      - Gibt es Doms, die es genauso machen? Mögt ihr etwas dazu berichten?
      - Gibt es Subs, die das schon bewusst erlebt haben und wie waren eure Erfahrungen dazu?
      Ich mag den Satz nicht wirklich, was vielleicht daran liegt, dass man ihn schon genauso oft liest wie: "Alles kann, nichts muss". Oder vielleicht daran, dass eine Partnerschaft/Beziehung (auch im BDSM-Bereich) für mich nur dann funktionieren kann, wenn beide Rücksicht aufeinander nehmen. Sollten beide Partner Erfahrung haben, wird auch diese Erfahrung nie deckungsgleich sein. Mal wird der dominante Part Erfahrung mit Teilbereichen haben, die der devote Part noch nicht hat und umgekehrt. Und selbst wenn beide Partner in gleichen Teilbereichen Erfahrung haben, kann diese ganz anders sein und ausgefallen sein, als wenn sie diesen Bereich miteinander erkunden. Verschiedene Partner - gleiche Erfahrungen aber unterschiedliche Ergebnisse.

      Die Lösung für mich ist ein Kennenlernen, ohne Stress, ohne Druck, mit entsprechender Kommunikation und dann ein gemeinsames Ausprobieren.

      Wir sagen immer, dass jede Beziehung anders ist. So sehe ich das auch mit den Erfahrungen - sie sind immer anders und können selbst mit dem gleichen Partner an einem Tag so und am nächsten ganz anders ausfallen.

      Bei einem Partner ohne Erfahrung sollte es normal sein, dass man nicht gleich bei 100 einsteigt - obwohl ich hier ja so manches mal lese, dass gerade die Subs die treibende Kraft sind und nach dem Motto: schneller, höher, weiter - mehr! - handeln wollen. Die Beiträge hier im Forum decken sich also nicht wirklich mit den Erfahrungen, die nun hier geschildert werden. :gruebel:

      Meine allererste BDSM-Beziehung war aber dann wohl so, wie es hier heißt: dort abgeholt, wo ich stand. Tatsächlich bei null.

      Und auch ansonsten hatte ich nie Beziehungen, die gleich in den Vollen einstiegen, auch wenn wir beide Erfahrung in so manchen Bereichen hatten. Könnte ich mir auch gar nicht vorstellen. Man muss sich erst kennen lernen, die Reaktion des anderen erst zu deuten lernen. Irgendwie ist der Stand beider Parts beim Eingehen einer neuen Beziehung eher im niedrigen Bereich anzusehen - das zumindest ist mein Empfinden.

      Oder startet jemand gleich wieder bei TPE, nur weil er bereits Erfahrung damit hat? :gruebel:

      GreenBlueEyes schrieb:

      „Sub abholen, wo sie gerade steht“ heisst für mich, ihre Erfahrungen und Vorstellungen abholen, sich Gedanken machen, ob es mit seinen Vorstellungen kompatibel ist und sie dann step-by-step da hin führen, wo er sie haben möchte. Ja „Sub abholen“ heisst für mich, dass Dom ev. erst zurückstecken muss, bevor er sich in seinen ganzen Vorstellungen entfalten kann.
      Sehe ich anders. Wenn eine Beziehung funktionieren soll, müssen sich beide Gedanken machen, ob man kompatibel ist. Beide müssen zurückstecken und sich überlegen, ob man mit der ein oder anderen kleinen 'Macke' des anderen Leben kann. Jeder Teil einer Beziehung sollte eine Vorstellung haben, wie der andere zu sein hat und jeder für sich muss entscheiden, ob man sich auf einen gemeinsamen Weg begibt, da man das gleiche Ziel vor Augen hat.
      Abholen wo man steht, klar, jedoch bringt es nichts, wenn der eine dann links und der andere rechts abbiegt.

      Isegrim_w_devot schrieb:

      - Wie interpretiert ihr den Satz?
      - Welche Gefühle löst er in euch aus?


      - Gibt es Subs, die das schon bewusst erlebt haben und wie waren eure Erfahrungen dazu?
      Ich nehme Sub so an wie sie/er ist...mit all ihren/seinem positiven wie negativen Erfahrungen......

      Das ich mich dann wirklich angenommen fühle....und zwar mir all meinen Macken und Kanten.

      Letztendlich bildet das für mich die Grundlage einer Beziehung.........
      An den Kreuzungen des Lebens stehen leider keine Wegweiser.
      "Sub da abholen, wo sie gerade steht" hat bei mir als erstes einen Gedanken auf meine ADHS ausgelöst. Diese kann im d/s-Alltag manchmal sehr lustig sein, manchmal aber auch eine grosse Herausforderung und dass damit richtig umgegangen wird und sie als das akzeptiert wird, was sie ist (ein Defizit, eine Beeinträchtigung, was ich beim besten Willen nicht steuern kann), bedeutet mir unendlich viel.

      Dann habe ich eure Beiträge gelesen und erst dadurch kam ich noch auf die ganz andere Sicht auf den Satz des verschiedenen Erfahrungs-und Erwartungsniveau. Dazu will ich aber gar nicht mehr zu viel schreiben, weil schon so viel dazu geschrieben wurde und ich nur Wiederholungen bringen könnte (=

      Aber ja, ich persönlich hatte ihn auf Situationen ausgelöst durch ADHS bezogen und wie damit umgegangen wird (sehr gut, um das nochmal betont zu haben) (=

      phoibe schrieb:

      Gleich vorweg: Ich finde es schade, dass dieses Thema gleich nach der Ausgangsfrage wieder einmal damit beginnt, wie böse und schlecht die Doms doch nicht sind.
      So unterschiedlich kann die Interpretation der Beiträge sein...ich lese das nicht heraus :pardon:
      Dennoch präzisiere ich gerne noch dahingehend, dass ich nicht nur Doms als (über-)fordernd erlebe, sondern sehr viele Menschen. Es ist generell mein Gefühl, unsere Gesellschaft lässt sich wenig Zeit und der Druck nimmt zu und zwar in vielen Bereichen. Aber die Frage war zum Thema Sub abholen durch Dom.
      Da kann ich nach langer Zeit auch mal wieder antworten.

      Diesen Satz interpretiere ich für MICH so, dass es nicht nur um das Kennenlernen geht.

      Sicher sollte man JEDEN Menschen erstmal so annehmen, wie er ist.

      Sub abholen, wo sie gerade ist geht für mich noch weiter. Dass muss mMn bei JEDEM Treffen gelten. Egal ob man sich gerade erst kennenlernt, oder schon lange zusammen ist.
      Warum?
      Weil jeder Mensch jeden Tag in einer anderen Verfassung ist. Mal geht psychisch mehr oder weniger als beim letzten aufeinandertreffen, ebenso ist es körperlich.
      Beispiel:
      Sub äußert heute, sie hat richtig Lust auf z.b. Schläge. Nach wenigen Minuten macht aber der Körper nicht mit. Als Dom muss ich Sie da jetzt abholen. Auf BEIDES eingehen. Körper UND Psyche.
      Das ist für mich ein Beispiel dafür, Sub da abzuholen, wo Sie gerade ist.

      Und das kann man auf das ganze Leben runterbrechen.

      Nur meine Meinung.
      Optimismus ist die Fähigkeit, die Sonne hinter den Wolken zu ahnen. ( Madeleine Robinson)

      Isegrim_w_devot schrieb:

      "Ich hole Sub da ab, wo sie gerade steht"

      Ich würde gern von euch wissen:
      • Wie interpretiert ihr den Satz?
      • Welche Gefühle löst er in euch aus?


      Ich bin ja jetzt noch neu in dieser Community und gleichzeitig auch neu in Sachen BDSM. Ich bin jetzt 38 Jahre alt, bin mir sicher Sub zu sein, habe aber noch keinerlei reale Erfahrung. Alles findet bei mir aktuell nur im Kopf statt. Und auch wenn es Dinge gibt die ich mir aktuell nicht bei mir vorstellen kann (z.B. auspeitschen mit solcher Härte das es sichtbare Striemen hinterlässt) so kann ich aber gleichzeitig auch nichts zu 100% ausschließen, weil mir hier einfach die Erfahrung fehlt und auch noch eine große Hemmschwelle vorhanden ist.

      Wenn ich also den Satz "Ich hole Sub da ab, wo sie gerade steht" lese, was löst das in meinem Kopf aus? Was fühle ich? Wie interpretiere ich ihn?

      Ich bin, durch meine bisherige Lebenserfahrung mit Menschen, zu einer sehr unsicheren Persönlichkeit geworden. Ich brauche lange um zu vertrauen. Aber wenn ich dann erst einmal vertraue, dann habe ich auch kein Problem damit dieses voll in die Hände meines Gegenübers zu legen.

      In die Hände eines Dom Mannes der sich sagt: "Lieber lerne ich über 1 Jahr hinweg eine unerfahrene Sub kennen bei der ich das Gefühl habe dass es von der Ausrichtung, dem Charakter und den Hobbies her fast perfekt passen könnte und trainiere sie dann Hand in Hand und Stück für Stück über die nächsten 2-3 Jahre und sehe dann 20, 30, 40 oder 50 Jahren wundervollen Dom-Sub-Jahren entgegen anstatt dass ich 10, 20 oder mehr Jahre damit verbringe direkt nach der perfekten Sub zu suchen und sie im schlimmsten Fall aber nie finde."

      Ich habe also 0 Erfahrung, bin recht unsicher, weiß noch gar nicht wohin der Zug fahren wird. Sollte ich dann also irgendwann an dem Punkt ankommen wo ich sage: "Jetzt ist der Zeitpunkt wo ich die Phantasie in die Realität übertragen möchte. Jetzt ist der Zeitpunkt wo ich einen Mann kennenlernen möchte der meine Phantasie Wirklichkeit werden lässt." Wäre es wirklich schön auf jemanden zu treffen der Neulingen gegenüber absolut offen ist und bereit ist sie in die Welt des BDSM und des Dom-Sub-Universums einzuführen. Allein der Gedanke löst bei mir schon ein Gefühl des wohlbefindens, Erleichterung und einer gewissen Sicherheit aus denn es nimmt mir ein Stück der Arbeit ab und eben auch viele Unsicherheiten.

      Nimm meine unsichere Hand in deine starke und führe mich in deine Welt.
      Male mir ein Bild deiner Phantasien am Horizont auf dass ich es in Ruhe aus sicherer Entfernung betrachten kann.
      Lass mich deine Welt sehen, berühren, riechen und schmecken.
      Spiele mir ein Kopfkino über deine Phantasien zwischen uns.
      Flüstere mir deine Gedanken ins Ohr ohne mich zu berühren.
      Lege meinen Körper in Bänder aus weichster Seide und umgarne mein Herz in Ketten aus Stahl.
      Gehe den Weg gemeinsam mit mir so dass ich an seinem Ende, wo Erde und Horizont miteinander verschmelzen, blind und bewegungslos vor dir liege und ganz dein bin.

      Natürlich muss auch ich dann investieren. Ich muss gewillt sein zu lernen. Gewillt zuzuhören und das gesagte zu speichern und natürlich gewillt es dann, zumindest wenn das vorgeschlagene auf meine Zustimmung trifft, auszuleben. Ich muss mitmachen. Ich muss Signale geben und, sobald ich die ersten Schritte gemacht habe, mich auch mehr selbst einbringen, Rückmeldung geben und Vorschläge machen. Ich kann und will nicht die gesamte Verantwortung dieser Reise auf den Dom abschieben als sei er meine persönliche Putzfrau. Aber gerade am Anfang, wo es mehr Fragen als Antworten und so viele Möglichkeiten gibt, Begriffe und Praktiken von denen man vielleicht auch noch nie gehört hat, wäre es schön wenn der Dom mich eben genau da abholt wo ich gerade stehe, nicht versucht mit der Tür ins Haus zu fallen sondern auf Augenhöhe den Weg gemeinsam zu gehen. Auch wenn es bedeutet das Dom am Anfang evtl. noch nicht voll auf seine Kosten kommt.
      Ich schließe mich da vom Gedankengang Kalimaa an - grundsätzlich bedarf es eines gegenseitigen Abholens.

      Ich hatte tatsächlich bisher das Glück nicht überfordert worden zu sein, es war immer ein gemeinsames Rantasten und so habe ich mich dann im Sinne der Ausgangsfrage abgeholt gefühlt.

      Anschreiben mit einem Forderungskatalog habe ich bisher auch nicht bekommen - die würden bei mir auch unbeantwortet gelöscht werden, wäre für mich keine Basis für einen gemeinsamen Weg.
      The fool doth think he is wise, but the wise man knows himself to be a fool.

      William Shakespeare - As You Like It
      @Novita
      Da gebe ich dir durchaus recht. Auch Sub holt den Dom ab und man schaut wie man sich ergänzt/zusammenfügt :)

      Nur wenn eben alles passt, ich aber als jemand mit weniger Erfahrung gewisse Grenzen habe, die dem Dom in seiner Erfahrung keine Grenzen sind, er es aber, weil sonst alles stimmt gerne mit mir versucht, dann holt er mich ab, in dem er vorerst zurücksteckt.
      Was durchaus nicht so abwegig ist, efahrener Dom, weniger erfahrene Sub :)

      Alles andere gehört für mich zu, wie man generell eine Beziehung eingeht, in welcher Form auch immer^^
      "abholen" suggeriert mir irgendwie, dass der anderen weiter ist und ein festes Ziel hat. Für mich persönlich passt das überhaupt nicht zu einer zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich bin jetzt schon mehrere Male von dem Satz abgeschreckt worden.
      Mehr Erfahrungen oder "weiter" sein ... andere Erfahrungen trifft es wohl besser. Und jede neue, frische zwischenmenschliche Beziehung bringt neue dazu, genauso wie Ziele. Kann es funktionieren, wenn von Anfang an das Ziel feststeht? Sollte so etwas nicht zusammen neu definiert werden? Gibt es dann so etwas wie "abholen" ?
      Geduld und Entgegenkommen, Kompromisse und Kommunikation ist immer die Basis, ob im BDSM oder auch außerhalb.
      Ganz im Ernst: bei mir als (relativ frische) Sub stößt der Satz übel auf und lässt mich zwischendrin immer wieder zweifeln - an mir - ob ich als Sub überhaupt geeignet bin... bin ich die, die er haben will? Kann ich so werden? NEIN! Ich will das mitbestimmen ... und jetzt frage ich mich ernsthaft: bin ich wirklich zu frisch, zu unerfahren oder ungeeignet? Darf ich als Sub so fordernd sein?

      ...kp...
      Frag nicht, wenn du nicht sicher die Antwort wissen willst.

      Liv1011011 schrieb:

      Kann es funktionieren, wenn von Anfang an das Ziel feststeht? Sollte so etwas nicht zusammen neu definiert werden? Gibt es dann so etwas wie "abholen" ?
      Ich denke das ist dann vielleicht wieder eine der beliebten Definitionsfragen. Wenn ich jemanden abhole dann doch meist um etwas gemeinsam zu erleben oder zu unternehmen oder was auch immer. So sehe ich das im Zusammenhang mit der Ausgangsfrage auch, deshalb schrieb ich ja sich gegenseitig abholen.

      Steht für mich also nicht im Gegensatz zu Deinem "ich will mitbestimmen" - wohin eine Reise in einer Beziehung geht (gilt für mich für alle zwischenmenschlichen Beziehungen) bestimmen doch immer beide Akteure. Sonst läuft man doch aneinander vorbei statt miteinander zu gehen.
      The fool doth think he is wise, but the wise man knows himself to be a fool.

      William Shakespeare - As You Like It

      Liv1011011 schrieb:

      "abholen" suggeriert mir irgendwie, dass der anderen weiter ist und ein festes Ziel hat. Für mich persönlich passt das überhaupt nicht zu einer zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich bin jetzt schon mehrere Male von dem Satz abgeschreckt worden.
      Vielleicht kann man es sich auch ein bisschen wie eine Lehrer-Schüler-Beziehung vorstellen, vielleicht fällt das manch einem einfacher? Ein Lehrer ist ja auch automatisch immer weiter und trotzdem scheuen wir uns nicht z.B. unsere Kinder in die Schule zu schicken, einen Lehrer einzustellen um Nachhilfe zu geben oder eben uns selbst einem Lehrer, z.B. einem Fahrlehrer, anzuvertrauen. Lehrer holen uns auch dort ab wo wir gerade stehen und bauen darauf auf. Sie frischen Wissen auf welches wir schon haben, bauen es aus wo Lücken sind und bringen uns ganz neue Sachen bei.

      Natürlich ist dann Sex nochmal etwas anderes. Aber ich denke ganz unähnlich ist es nicht. Die Sub ist unter Umständen sehr unerfahren, so unerfahren wie ein Kind an seinem ersten Schultag. Man kann sich schon einmal in das Thema einlesen. Wie vor einer Fahrprüfung. Aber gewisse Dinge wird man erst erfahren wenn man sie real ausprobieren kann. Und ich denke hier ist es schön wenn sich der Dom auch so ein wenig wie ein Lehrer sieht der gewillt ist die Sub an die Hand zu nehmen und in die Materie einzuführen, zu lehren, zu erklären und gemeinsam mit ihr auszuprobieren?