Verlernt devot zu sein

      Verlernt devot zu sein

      Ich glaube ich habe verlernt devot zu sein. Nach einer langen Beziehung, in welcher BDSM zu Anfang eine sehr große Rolle spielte, schlief es bei uns ein und jetzt wo ich solo bin, sehne ich mich nach diesen alten Gefühlen, habe aber irgendwie verlernt devot zu sein. Was soll ich tun?

      Diese Frage erhielt ich im Rahmen der Fragemöglichkeit auf der Hauptseite: gentledom.de/bdsm-und-beziehun…erfect/sub-wurde-verletzt

      Ich habe zwar eine Antwort, kann mir aber gut vorstellen, dass es hier Mitglieder gibt, die das selbst kennen und daher weitaus qualifizierter sind zu antworten.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff
      Bei verlernt muss ich immer daran denken, dass fast alles was man verlernt (zu haben glaubt) auch wieder erlernbar ist :)

      Verlerntes kann man lernen
      Verschüttetes kann man freilegen
      Verlorenes kann man wiederfinden
      Vergilbtes kann man mit neuem Leben füllen
      Und selbst was zerstört wurde, kann wieder neu aufgebaut werden.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff
      Der Begriff "verlernen" impliziert ja, dass ich vorher etwas erlernt habe.
      Also z. B. Fahrad fahren oder eine Fremdsprache sprechen. Nutzt man diese Fähigkeit eine Zeitlang nicht, ist man zwar erst etwas unsicher, aber verlernt hat man sie nicht.

      Ist denn deine Devotion aus deiner Sicht etwas Erlerntes? Oder ist es nicht so, dass sie ein Teil deiner Persönlichkeit ist und ihr gerade kein Raum gegeben wird, sich zu entfalten?
      Ich bin ich. Manchmal auch wir.
      Ich denke, dass wir uns alle beim verlernt einig sind :)

      Jedoch kann man dann ja zum nächsten Schritt kommen, was sind die Tipps zum entstauben der eingeschlummerten Neigung?
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff
      Ich denke nicht, dass Sie verlernt hat, Devot zu sein.

      Devot ist man, oder man ist es nicht. Es fehlt vielleicht gerade am passenden Gegenüber.

      Ich bringe mal ein Beispiel, um es zu verdeutlichen.

      Du möchtest was essen, hast aber keinen Appetit. Nichts von dem, was Dir angeboten wird, sagt Dir zu. Also isst Du nichts.
      Hast Du dadurch verlernt, zu essen? Ich denke mal nicht.
      Wird Dir etwas angeboten, was DIR zusagt, kannst Du auch wieder essen.

      Und so ist es mit deiner Devotion. Du hast sie nicht verlernt, aber dein Appetit wird, dank fehlendem Gegenüber, nicht geweckt.

      Ich hoffe, ich habe mich Verständlich ausgedrückt.
      Optimismus ist die Fähigkeit, die Sonne hinter den Wolken zu ahnen. ( Madeleine Robinson)
      Ich denke auch, dass man es nicht verlernt
      was da ist da

      aber für mich gehört um meine Devotion zu Leben halt auch ein passender Gegenpart dazu

      Ich hatte vor vielen vielen Jahren mal gedacht ich brauche keinen Sex, aber ich hatte auch keinen Parnter mit dem ich gemeinsam Sex hätte haben können

      ist ähnlich wie mit Essen, irgendwann hat man keinen Hunger mehr wenn keine Nahrung kommt.

      aber dann fängst du wieder mit kleinen Portionen an, hmmmmm und dann schmeckt es auch wieder und der Appetit kommt auch wieder

      ich hatte nach meiner Trennung von meinem Ehemann ( keine BDSM Beziehung ) eine Depression , ich konnte einfach nichts essen , ja und irgendwann war nur kein Hungergefühl da sondern auch kein Appetit

      habe ich verlertn zu essen, neee heute esse ich wieder sehr gerne , dass schon seit Jahren

      aber ich denke auch , der Geist schüzt sich, der Körper auch, ich kann etwas nicht bekommen also ist es eine art Selbstschutz nicht ständig daran zu denken, weil man sonst kaputt geht

      Gentledom schrieb:

      Jedoch kann man dann ja zum nächsten Schritt kommen, was sind die Tipps zum entstauben der eingeschlummerten Neigung?
      schwierig, denn wenn ich nicht weiss in welchen situationen sich die Fragestellerin denn devot fühlt , was sie eben genau dazu braucht kann ich keinen Rat geben

      würde ich mich devot fühlen für mich alleine täglich zu Knien, neee mit Sicherheit nicht , ich würde mir ganz schlich dämlich vorkommen

      Ich kann meine Devotion für mich alleine auch nicht in meinen alltag einbauen, ich fühle mich weder auf der arbeit devot , noch wenn ich bei Edeka an der Fleischtheke stehe

      villeicht hilft es Geschichten zu lesen um das eigene Kopfkino wieder anzuregen eben einfach wieder versuchen den Appetit zu wecken

      und dann evntl bewusst einen Partner suchen und wenn es erst einmal eine lockere Spielbezihung ist
      Ich bin da bei meinen Vorrednern und Vorrednerinnen... man verlernt die Neigung nicht, aber sie kann sicher ruhen. Damit die Neigung wieder erwachen kann, bedarf es meiner Meinung nach zweier Faktoren:

      1. es wieder „wollen“
      2. jemanden finden, der passt und die Neugier erweckt, wieder auf die Reise gehen zu wollen.

      Ein ganz wesentlicher Punkt ist, dass wir nicht alle gleich auf unsere Gegenüber reagieren. Nicht jeder devote Mensch ist jedem gegenüber devot. Ebenso ist nicht jeder Dom gegenüber jedem dominant (naja: Ausnahmen und Regeln ;))...

      Entscheidend ist das Zusammenspiel- die Chemie zueinander. Dann spielt es meiner Ansicht nach ganz schnell keine Rolle mehr, ob man was verlernt haben könnte oder nicht... dann ist man schnell wieder innerhalb seiner Neigung.

      Gentledom schrieb:

      Jedoch kann man dann ja zum nächsten Schritt kommen, was sind die Tipps zum entstauben der eingeschlummerten Neigung?
      Die Neigung schlummert ja meist, wenn gerade kein Platz oder Partner für das Ausleben selbiger ist.

      Entstauben kann man das meiner Meinung nach nur selber zum einen indem man sich wieder mehr mit seinen Gefühlen und Wünschen auseinander setzt zum anderen indem man vielleicht in einer Kommunikation mit dem passenden Gegenüber (ob nun schriftlich oder in einem Treffen) schaut, wie man auf Dominanz reagiert.
      The fool doth think he is wise, but the wise man knows himself to be a fool.

      William Shakespeare - As You Like It

      Gentledom schrieb:

      Ich denke, dass wir uns alle beim verlernt einig sind :)

      Jedoch kann man dann ja zum nächsten Schritt kommen, was sind die Tipps zum entstauben der eingeschlummerten Neigung?
      Also Tipps sind gefragt:
      Also ich kann das persönlich nicht selber aktivieren. Ich brauch einen Gegenpart. Aktion/Reaktion/Interaktion.

      Vorgängig wäre mein Tipp:
      Besinne dich doch mal auf die Zeit, als dein BDSM noch gut lief. Bei welchen „Aktionen“ fühltest du dich besonders deiner Devotion bewusst und bestätigt/aufgehoben/erregt?

      Dann wenn das Pendant gefunden ist, knüpft gemeinsam da an.

      Des Weiteren können Geschichten auch das Kopfkino und weiteres ankurbeln. Gibts hier jede Menge und auch sonst im WWW. Wo findest du dich wieder? Was möchtest du ev. genau so erleben? Noch besser; schreib doch selber eine Geschichte, wie du es dir vorstellst back to the Sub-Flow - muss ja nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sein. Mit dem Schreiben kehrt man oft sein Inneres nach aussen, was tief geschlummert hat^^

      Mehr fällt mir nicht ein.
      Ich denke das ausleben der Neigung ist momentan als Singel nicht so möglich wie man es will , die Devotion auszudrücken etwas eingerostet - nicht verlernt .
      Man kann sein Bewusstsein dafür trainieren , achte auf dein Verhalten mit anderen Menschen, wie gehst du mit ihnen um ? Hast du dabei nicht nur gute Manieren sondern auch das Bedürfnis es ihnen recht zu machen ? Sie zuvorkommend zu behandeln , dich zurückzunehmen ? Das sind schon alltägliche kleine Schritte um Devotion auch ohne ein Gegenüber zu leben und zu trainieren . Sei ein bisschen flirty .
      Evtl hilft dir auch Literatur -
      Einschlägige Romane , die dir einige Szenen eindrücklich schildern , es gibt hier Listen über BDSM Literatur , die Geschichten hier im Forum.
      Helden die als Vorbilder dienen können .
      Auch das Buch „Die Kunst der weiblichen Unterwerfung „ kann hilfreich sein in altes Verhalten zurück zu finden .
      Bei einer einschlägigen Neigung , ist auch meist das Gegenüber erst der wichtigste Indikator, die Devotion erneut zu wecken . Der richtige Gegenpol aktiviert auch bei mir erst die Devotion .
      Wir leben alle unter dem selben Himmel , aber nicht mit dem gleichen Horizont
      Hm, hier scheinen ja alle davon überzeugt zu sein, dass man seine Devotion nicht verlernt und sie jederzeit wieder geweckt werden kann.

      Ich würde das gern von einem anderen Punkt aus betrachten, einfach, weil ich doch auch Menschen kenne, die submissiv waren (und nein, diese haben das nicht gespielt, nur um dem Einwand gleich entgegenzuwirken) und nun glücklich und zufrieden in einer ganz normalen Partnerschaft leben und keinerlei Bedürfnis mehr nach BDSM haben.

      So abwegig finde ich das auch gar nicht - alle sagen immer: Man kann seine Neigung nicht unterdrücken.
      Nein, aber es gibt auch genügend Menschen, die von Dom zu Sub und von Sub zu Dom geswitcht sind, warum ist es dann nicht möglich, dass man von Sub zu "normal" switcht?

      Bei der Fragestellerin wird es sich wohl eher nicht um diesen Umstand halten, weil sie selbst schreibt, dass sie sich nach diesen Gefühlen sehnt.
      Mein Gefühl ist an das eines Gegenparts gebunden - ist er für mich nicht dominant, fühle ich mich auch nicht devot.
      Vielleicht hat die Fragestellerin bisher einfach Männer kennen gelernt, die in ihr dieses Gefühl nicht wachrufen konnten?

      phoibe schrieb:




      So abwegig finde ich das auch gar nicht - alle sagen immer: Man kann seine Neigung nicht unterdrücken.
      Nein, aber es gibt auch genügend Menschen, die von Dom zu Sub und von Sub zu Dom geswitcht sind, warum ist es dann nicht möglich, dass man von Sub zu "normal" switcht?

      Bei der Fragestellerin wird es sich wohl eher nicht um diesen Umstand halten, weil sie selbst schreibt, dass sie sich nach diesen Gefühlen sehnt.
      Mein Gefühl ist an das eines Gegenparts gebunden - ist er für mich nicht dominant, fühle ich mich auch nicht devot.
      Vielleicht hat die Fragestellerin bisher einfach Männer kennen gelernt, die in ihr dieses Gefühl nicht wachrufen konnten?
      Das sehe ich ganz genauso ,
      es passt eben nicht immer für jeden .
      Bei mir könnte auch nicht ein x- Beliebiger herumdominieren , im "schlechtesten" Fall kippt die Stimmung ins Gegenteil .
      :pardon:
      Die Fragestellerin sagt, dass es in der Beziehung eingeschlafen ist und sie nun, da sie solo ist, es vermisst, es aber verlernt hätte. Ich kann es mir schon gut vorstellen, dass etwas, was in den Hintergrund rückt ( warum auch immer) schwierig wird wieder zu aktivieren. Vor allem, weil sie jetzt single ist. Ich würde mich an ihrer Stelle fragen, was genau mir denn jetzt fehlt, was ich mit Devotheit benenne. Vielleicht ist es auch gar nicht Devotheit an sich, sondern der Effekt , den diese erzeugt hat in der Beziehung ( auch geborgen und beschützt zu fühlen). Oder vielleicht hat sie sich auch einfach weiter entwickelt in ihrem Ds und kann es nicht reflektieren, weil ihr dazu der Gegenpart fehlt, der es sichtbar macht. Aber das ist alles sehr spekulativ. Wenn ich das alleine mit mir klären müsste, würde ich aufschreiben, was mir fehlt und was ich meine in meiner alten Neigung zu finden. Und dann überlegen, was mich aktuell hindert und auch uberlegen, warum es überhaupt so weit gekommen ist. Und vielleicht kleine Schritte machen. Erstmal nur eine Sache wieder aufleben lassen.
      Damit auch ich es gesagt habe: Verlernt hat es die Fragestellerin sicher nicht. ;)

      Mein erster Tipp: Weniger denken. Zugegeben aber davon beeinflusst, wie ich bin. Ich neigte früher dazu, alles haarklein analysieren zu wollen. Aber ohne einen spiegelnden Dom als Gegenüber stelle ich mir das für die Fragestellerin sehr schwierig und auch nicht zwingend zielfühend vor.

      Denn Gefühle lassen sich nciht vom Kopf so einfach auf Knopfdruck aktivieren. Auch wenn man sich, wie die Fragestellerin, noch so sehr nach ihnen sehnt. Daher wäre mein Tipp, sich erstmal so locker wie es unter Corona-Bedingungen möglich ist, mit dieser Sehnsucht auseinanderzusetzen. Etwas drüber lesen, in Foren reinschauen, vielleicht ein bisschen mitschreiben. Aber gerade NICHT mit der Maßgabe "Los, Gefühle, kommt schon wieder!" Sprich: Dem Unerearteten Raum geben. Dann können überraschende Dinge passieren. :)