Weltfrauentag und BDSM

      Weltfrauentag und BDSM

      Heute ist der Weltfrauentag und das ist doch ein guter Zeitpunkt sich mal mit dem Thema BDSM und Emanzipation zu beschäftigen.

      Vorgaben zu dem Thema will ich nicht machen, es ist einfach spannend zu sehen, was andere zu der Verknüpfung von BDSM und Emanzipation denken.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff
      Emanzipation (jedenfalls ein Teil davon) ist das, was ich innerhalb meiner BDSM-Beziehung nicht haben möchte: Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Gleichwertig: Ja. Gleichberechtigt: Nein. Sonst würde eine D/s-Beziehung auch nicht funktionieren. Ich gehe hier jetzt von Mann = Dom und Frau = Sub aus, weil es so auf mich zutrifft. Mir sagt da eher zu, was man im Mai 1955 in der Zeitschrift 'Housekeeping Monthly' zu lesen bekam (bei Interesse Google fragen - da findet man das Dokument) - und das ist ganz weit weg von Emanzipation. ^^
      Liebe ist nicht alles, aber ohne Liebe ist alles nichts.

      Zofe schrieb:

      Emanzipation (jedenfalls ein Teil davon) ist das, was ich in 'meinem' BDSM nicht haben möchte: Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Gleichwertig: Ja. Gleichberechtigt: Nein.
      dafür hast Du Dich frei entscheiden können.....eben so frei wie ein Mann auch....und es ist Dir nicht ( als Frau) von vorneherein so aufdiktiert worden.........und das würde ich dann emanzipiert nennen.

      :blumen:
      An den Kreuzungen des Lebens stehen leider keine Wegweiser.
      Für mich steht BDSM für Emanzipation, nicht das Geschlecht, die soziale Rolle, das Alter oder die wirtschaftlichen Verhältnisse entscheiden darüber in welcher Rolle wir uns befinden, sondern allein unsere ureigene Veranlagung. Dennoch legt im BDSM nicht der "starke" Part den Rahmen fest, sondern der "schwache" Part gestaltet diesen mit seinen Tabus und wird zudem noch durch ein Safeword zu jederzeit geschützt. Somit kommt BDSM schon sehr nah an das heran, was bei der Emanzipation als Idealvorstellung angesehen wird.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff
      Emanzipation.

      Ganz wichtig ist doch erst einmal die Mechanismen zu verstehen, wie Frauen in verschiedenen Gesellschaftsformen und Modellen überhaupt unterdrückt werden können.
      Ganz klar spielt die Sexualität da eine überaus entscheidende Rolle.
      Seit dem die Menschheit die Höhlen verlassen hat und anfing zu siedeln und Landwirtschaft zu betreiben, sind die Frauen in den Häusern verschwunden und Sexualität wurde zu einer geheimen, sehr privaten Sache erklärt.
      Das war noch keine Unterdrückung an sich, aber im Laufe der Geschichte und mit passenden religiösen Texten und passenden Gesetzen, wurde sie dazu gemacht. Daraus folgte das Patriarchat.
      Mann musste auf einmal seine Erblinie durchsetzen uns dafür war ihm jedes, absolut jedes Mittel recht.

      Wir kennen das ja alle. Die sündige Frau als böse Ketzerin die die armen Männer verführt.
      Deshalb war es nötig eine Frau möglichst unaufgeklärt und unwissend zu lassen, damit sie gar nicht erst auf dumme Gedanken kommt. Am besten ist es einfach, wenn eine Frau sich in der ersten Hälfte ihres Lebens fragt, was sie da zwischen den Beinen hat und sich in der zweiten Hälfte davon, darüber wundert das da Babys raus kommen.
      Dann macht sie am wenigsten Ärger!

      Die Philosophie im Boudoir oder Die lasterhaften Lehrmeister von deSade war zum Beispiel ein Versuch, den Frauen ihre Selbstbestimmtheit zurück zu geben.
      Auf der ersten Seite steht, jedes Mädchen sollte dieses Buch lesen!
      Und da kann ich mich nur anschließen, denn deSade erklärt darin den Aufbau und die Funktion der Genitalien, wie man sich selbst befriedigt (als Mädchen!), was die Monatsblutung ist, wie Frau schwanger wird, Verhütung, und sogar, das es Möglichkeiten gibt ab zu treiben.
      Das war eine Revolution in der Literatur, die meines Erachtens nicht genug gewürdigt wurde. Es wirft auch ein ganz anderes Licht auf deSade, der Gesellschaftskritiker, Atheist und Freigeist war, in einer Welt die ihn leider nicht verstanden hat.

      Weibliche Sexualität wurde genormt. Geh als Jungfrau in die Ehe, leg dich hin, mach die Beine breit und gebäre gefälligst viele Söhne!

      BDSM ist das genaue Gegenteil. Es ist verspielt, Phantasievoll, vielschichtig und reißt die Frau aus diesem öden Dasein heraus. Es wird über Sexualität geredet, mit einander Kommuniziert und die Wünsche und Sehnsüchte der Partner werden berücksichtigt und ausgelebt und nicht unter den Teppich gekehrt weil es nicht zur Norm passt.
      BDSM ist ein Weg, sich aus zu drücken und sich gegenseitig so zu akzeptieren wie man ist.
      Das ist eine wunderbare Sache
      :D
      "Behalte sie. Sie ist wertvoll. 2 Monate. Schau aus dem Fenster."
      Mein Traum von dir.
      Ich bin Subbie und ich bin eine emanzipierte Frau :pardon: Kann sein, dass ich morgens gefesselt bin und gehauen werde, aber wenn ich mittags einem Kunden ne Rechnung schreibe, gibbet keine 20% Frauenrabatt :D

      Ich kann auf einer Party zum Abgreifen bereitgestellt werden und alle langen zu, aber wenn ich von der Party mit dem Bus nach Hause fahre, darf mir da trotzdem keiner an den Arsch fassen :yes: :pardon:

      Ich denke, der Eingangspost geht schon ein bisserl darauf hinaus, dass es da draußen satt und genug Leuts gibt, die einen Widerspruch zwischen einem BDSM-"Lifestyle" und selbststimmten Frauen sehen (wollen). Gibts aber nicht :P
      Du, Du und Du - mitkommen, unanständige Sachen machen!! ::drool::
      BDSM und Emanzipation hängen für mich eng miteinander zusammen. Die Emanzipation ermöglicht es mir als Frau, mein Leben und meine Sexualität selbstbestimmt und frei zu leben. Die Emanzipation macht einvernehmliches BDSM aus meiner Sicht erst möglich. Nur wenn ich wirklich gleichberechtigt und frei bin, kann ich mich aus eigenem Willen bewusst dafür entscheiden, diese Rechte und Freiheit in einem von mir selbst gewählten Umfang und Kontext auch wieder abzugeben.

      BDSM ist dabei die Form, die ich wähle, um meine Sexualität selbstbestimmt auszuleben.

      BDSM bedeutet für mich maximale Freiheit: die Freiheit, meine Beziehungsform selbst zu wählen, die mich wirklich erfüllt; die Freiheit, meine Sexualität so auszudrücken, wie ich sie erlebe und befriedigend empfinde; die Freiheit so zu sein, wie ich wirklich bin.

      Ich mache von meinem Recht als freie und gleichberechtigte Frau Gebrauch und wähle, mich als submissiver Part einer einvernehmlichen Beziehung meinem Partner in einem selbstgewählten Rahmen zu unterwerfen.

      Ich wähle meinen Gebieter. Ich wähle den, der mich beherrscht- von dem ich mich beherrschen lasse. Ich wähle, unfrei sein zu dürfen- weil ich es will. In dem Wissen, jederzeit von meinem ureigensten Recht Gebrauch machen und diese selbstgewählte Unfreiheit wieder beenden zu können.

      BDSM ermöglicht mir die ultimative Freiheit, nicht frei sein zu müssen. Allzu oft lautet der feministische Imperativ für die moderne, gleichberechtigte Frau: Sei stark! Sei selbstbestimmt! Sei autark! Und um Gottes Willen, ordne dich niemandem unter, schon gar keinem Mann!
      BDSM entbindet mich von diesem Zwang, schafft mir in diesem Primat der Freiheit und Gleichberechtigung um jeden Preis eine Oase, in der ich ich sein, meine Bedürfnisse ernst nehmen kann. Paradoxerweise bietet mir die Unterwerfung eine innere Freiheit, wie es die Gleichberechtigung alleine nicht kann.

      BDSM ermöglicht es mir, Qualitäten wie Hingabe und Loslassen zu erleben, mich fallen lassen, Kontrolle abgeben, mich anvertrauen und schwach sein zu dürfen in einem sicheren Rahmen, der durch die Emanzipation und die dadurch gesicherten Rechte geschützt ist.

      Jeder Hardcore-Feministin, die BDSM immer noch als Unterdrückung und Teufelszeug begreift, möchte ich sagen: hört auf, mir vorschreiben zu wollen, wie ich zu leben, zu fühlen und Lust zu erleben habe. Das ist meins! Ihr konterkariert eure eigene Idee der Selbstbestimmung der Frau, indem ihr vorgebt, besser zu wissen und entscheiden zu können, was gut und richtig für die einzelne Frau ist als die Frau selbst. Ich weiß selbst am besten, was mich geil macht und erfüllt.

      Ich werde nicht unterdrückt. Ich unterwerfe mich einer selbstgewählten Autorität.
      Ich werde auch nicht sexuell ausgebeutet, sondern lebe eine selbstbestimmte Sexualität.
      Und ganz sicher unterwerfe ich mich nicht, weil ich Frau bin und mich als diese als minderwertig, unfähig oder schwach begreife. Ich empfinde mich als ebenbürtige Partnerin und verzichte meinem Partner- und nur diesem- gegenüber bewusst auf meine Gleichberechtigung, weil es mir in höchstem Maße Lust und innere Zufriedenheit verschafft.

      Ich möchte die Emanzipation der Frau um nichts in der Welt missen- und BDSM auch nicht.
      "Unsere Sehnsüchte sind unsere Möglichkeiten. "
      Robert Browning
      Für mich ist es auch die größte Errungenschaft der Emanzipation, dass ich in vielerlei Hinsicht eine Wahl habe. Und dass ich genau die sein darf, die ich sein will. Alle Zwänge, denen ich gern unterliegen möchte, habe ich mir sozusagen selbst geschaffen.

      Um es mal milde auszudrücken, ich hasse die langweiligen Tätigkeiten im Haushalt. Dank meiner guten Berufsausbildung steht es mir mehr oder weniger frei, geschäftig im Business-Kostüm ins Büro zu stöckeln, "das bisschen Haushalt" nach dem Pareto-Prinzip nebenbei zu erledigen (oder liegen zu lassen), und im Hintergrund sogar noch meinen tatkräftigen Herrn zu wissen. Der kann mir zwar restlos alles anschaffen, aber wir haben unser Leben so eingerichtet, dass die Spülmaschine sein, und der Herd mein ist 8)

      Meine Unterwerfung habe ich auch selbst gewählt, bin außer meinem Mann niemanden darüber eine Rechenschaft schuldig, und wir FÜHLEN uns auch tatsächlich frei, dass ich mich in die Entrechtung begebe.

      Was für mich auch ein sehr zentraler Punkt ist: durch Bildung habe ich ganz persönlich die Möglichkeit bekommen, meinen Traum zu leben. Keine Selbstverständlichkeit in der fränkischen Provinz, mit traditionellem Elternhaus und einem sehr begrenzten Horizont in der Kindheit. Aber ich habe viel gelesen, hatte Zugang zu moderner Kommunikation, und mehrere Frauen in meiner Umgebung, die mutig, schlau und kreativ waren.
      Dass ich mich als erwachsene Frau wieder in meinem Heimatdorf niedergelassen habe, fühlt sich für mich auch nach Freiheit an. Mein Mann und ich haben das so gewollt, wir hatten auch jede andere denkbare Wahl. Aber ich konnte mich frei entscheiden, wieder in die Geborgenheit von Familie, Nachbarschaft und tief reichenden Wurzeln zurückzukehren.

      Positiv bemerken möchte ich auch, dass ich schon so vielen tollen Männern begegnet bin, die aufgeschlossen und locker die weibliche Emanzipation unterstützen :blumen:
      .... und dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!

      aus dem 1. Petrusbrief - unser Trauspruch, und so wahr.... <3
      Der erste internationale Frauentag fand am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt.
      Die politische Forderung war das aktive und passive Wahlrecht für Frauen.
      Gleichberechtigung, Wahlrecht und Emanzipation waren und sind zentrale Themen.

      Der "Kampf" der Rechte von Frauen war immer abhängig vom Zeitgeist.
      Ich war in den 80iger Jahren sehr aktiv im Sinne von Feminismus und Gleichberechtigung.
      Die sexuelle Befreiung war zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr Hauptthema.

      Von daher bringe ich den heutigen Tag gar nicht zwingend mit BDSM in Verbindung.

      Die Wortherkunft "Emanzipation" bezieht sich ja nicht auf Frauen. Heutzutage wird dieser Begriff sehr rollen- bzw. gesellschaftsspezifisch benutzt.

      Wenn ich mich davon löse, habe ich als Synonym zum Wort "Emanzipation" das Wort "Befreiung".
      Und das gilt doch dann für Männer und Frauen, oder? Ich befreie mich von gewissen Normen und lebe meine Neigung aus.
      Ich bin ich. Manchmal auch wir.