Outing im Bekanntenkreis

      Wäre es vielleicht für euch eine Alternative, mit deinen Geschwistern anzufangen?
      Würden sie es deiner Einschätzung nach verstehen und akzeptieren?
      Würden sie sich blöde Bemerkungen deinem Mann gegenüber verkneifen können?
      Würden sie schweigen können, wenn sie auf eure Freunde treffen?
      Auch wenn es widersprüchlich klingt:
      Ihr Ego muss stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können.
      Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.

      - John Bradshaw, Das Kind in uns -
      @Isegrim_w_devot, bei meinen Geschwistern bin ich sehr zuversichtlich, dass sie es sich zumindest anhören würden und sich blöde Bemerkungen nicht verkneifen müssten, weil sie ihnen gar nicht erst auf der Zunge liegen. Ein Geschwister ist zudem selber nicht heteronormativ. Kontakt zwischen ihnen und anderen Freunden von meinem Mann und mir besteht entfernungsbedingt nicht. Von daher auch kein großes Risiko, dass solche Infomationen da hinübergetragen werden, außer durch wirklich unvorhersehbaren Zufall. Und das halte ich dann wiederum aufgrund der eingefleischten Diskretion meiner Familie für unwahrscheinlich, das dann die Sprache auf so etwas kommt.

      Meine Kernfamilie / Elterrn + Geschwister sind da irgendwie eigentümlich. Trotz ganz viel "stiff upper lip" und möglichst fast gar nicht über so etwas reden, alles mit sich selber ausmachen, ist die Grundtoleranz, Menschen so anzunehmen, wie sie sind, eigentlich da und sogar hoch ausgeprägt. Auch bei meinen knapp 80jährigen Eltern. Ich vermute aus verstreuten Bemerkungen und früheren Beobachtungen, dass auch sie sich in bestimmten Bereichen herumgequält haben mit dem Thema Sexualität. So nach dem Motto, eigentlich kennen das in dieser Famiie fast alle irgendwie, aber keiner sagt was, oder fast nichts. Weil man darüber halt nicht spricht.

      Und @DerekReign, abgesehen davon, dass ich mich aus egoistischen Gründen irgendwie befreit fühlen würde, wenn zumindest meine engsten Realkontakte Bestimmtes von mir wissen dürften, geht es mir auch ein bisschen darum, dass diese quälende Sprachlosigkeit insgesamt weniger wird. Es funktioniert aber nicht, sich Offenheit nur zu wünschen, wenn man nicht bereit ist, sie auch zu geben.

      Sich seiner Neigungen erst innerhalb einer Partnerschaft voll bewusst zu werden, kann aber halt auch echt doof sein. Für mich fühlt es sich gerade manchmal so an, als ob mein Mann den Daumen darüber heben oder senken kann, dass ich mich überhaupt im RL diesbezüglich jemandem anvertrauen darf, abgesehen vom GD-Stammtisch. Wäre ich doch damals schon soweit gewesen, als wir uns kennengelernt haben, hätte, hätte, Fahrradkette...
      Ich bin da etwas zwiegespalten, gerade weil es nicht nur um dich alleine geht....

      Mir kommt gerade ein anderer Gedanke: Möchtest du das gerne erzählen, weil du z.B. ein äußeres Zeichen sichtbar tragen möchtest? Als Sub würde mir da mein Halsband einfallen, vielleicht hast du etwas ähnlich Symbolhaftes?

      Was würde sich denn durch dein Outing ändern? Dass du allen anderen intime Details aus deinem Sexualleben erzählen kannst/darfst? Möchten die das überhaupt hören? Austausch über Erfahrungen?
      (Ich persönlich möchte so etwas nicht unbedingt hören, für mich ist mein Sexualleben nur etwas, was meinen Partner und mich angeht, obwohl ich ja auch "dazu" gehöre und mich hier im Forum austausche...)

      Ich kenne deine Familie/Freunde/Bekannten nicht, wäre aber sehr vorsichtig damit, so etwas leichtfertig zu erzählen. Manchmal landen Dinge dort, wo man sie nicht haben möchte und wo sie auch nicht gut aufgehoben sind. Ich denke da an eine entfernte Bekannte, die sich vor ein paar Jahren als lesbisch geoutet hat und dann sehr kurzfristig, angeblich "betriebsbedingt", ihre Kündigung auf dem Schreibtisch fand... :S
      Mir ist noch nicht ganz klar geworden weshalb Du Dich outen willst. Also ja, anscheinend muss es raus, aber weshalb genau?

      Ich verstehe es noch eher, wenn zum Beispiel Menschen polyamor leben oder wenn der Freundeskreis ausschliesslich aus Menschen aus dem BDSM-Umfeld besteht und Partys, Messen etc. die Freizeit zu einem grossen Teil bestimmen. Irgendwann kommt man da allenfalls in Erklärungsnot. Ebenso wenn jemand striktes TPE lebt, auch da gibt es - aus der Sicht anderer - komische Verhaltensweisen, die man allenfalls besser mal anspricht um die Sorgen des Gegenübers abzufangen.

      Aber bei euch geht es ja erstmal "nur" darum, dass ihr euch im Schlafzimmer ausprobiert. Wenn in einer Runde das Thema auf BDSM kommt schmunzle ich entweder innerlich, werfe ein, dass jeder doch jeder seinen Kink ausleben soll, wenn er niemandem damit schadet oder sage auch mal, dass das doch interessant klingt. Je nach Runde und Umgang mit dem Thema.

      Ist es deine keine Möglichkeit auf Stammtische zu gehen und dort darüber zu sprechen. Zumindest mal als Anfang.
      Besondere Menschen erkennst Du darin, dass sie Dich berühren ohne die Hände zu benutzen
      @Leia @Sassa um das Tragen von Szene-Symbolen in der Öffentlichkeit geht es mir nicht. Auch nicht darum, Einzelheiten aus unserem Eheleben preiszugeben.

      Eher darum, dass ich mir nahestehenden Personen ein paar Sätze dazu sagen können möchte, wie viel sich bei mir in den letzten 2 Jahren innerlich bewegt und neu sortiert hat. Obwohl nach außen hin alles ziemlich gleich aussieht. Ich würde das mit etwas Vorüberlegung wohl auf 5 Sätze oder so runterbrechen können als eine Art "Destillat" und mehr Infos gäbe es dann nur auf Anfrage, falls derjenige mehr wissen will. Wenn ich über alles das, was sich in mir bewegt hat und bewegt, kein Sterbenswörtchen zu niemandem sagen kann, dann bekomme ich allmählich das Gefühl, dass mir niemand mehr wirklich nahesteht oder überhaupt nahestehen kann. Und damit geht es mir gerade nicht besonders gut.

      Edit, ich lebe wie gesagt in einer monogamen Ehe. Eine "Parallelexistenz" innerhalb der Szene hab ich also nicht, das beschränkt sich auf Forum und bald hoffentlich zum 2. Mal Stammtisch.
      In meinem Fall war es so, das ich durch die Trennung zu meiner Ex, mich einen Teil meiner Familie anvertraut habe. Ich kam bei manchen Themen einfach ins stolpern und irgendwann musste es raus.
      Keine Details oder ähnliches, auch nicht, was dazu von wem gesagt wurde, sondern nur, das es ein Bestandteil der Beziehung war und das ich eben so bin.
      Sie nahmen es alle sehr gelassen auf und zugegeben tat es mir gut, mit diesem "Versteckspeil" reinen Tisch zu machen. Auch wenn nicht jeder aus meiner Familie damit etwas anfangen kann, so sind sie sehr tolerant.
      Bei Freunden/Bekannten würde ich dies nicht tun. Und wenn es da mal ansatzweise Thema ist, dann ist das eben so. Eventuell sag ich dann auch etwas dazu.

      @Eisn ich kann Dir nur empfehlen, wenn du da wirklich Bedarf hast dies für Dich offiziell zu machen, dann nur im engsten Kreis. Eben bei Menschen, denen Du auch zu 100% vertrauen kannst.
      Am Ende muss dies aber jede_r für sich selbst entscheiden.
      Was genau ist Dir wichtig, nach außen zu tragen? Also welche "Bereiche", Themen o.ä.? Die/ eine neue Tiefe in der Beziehung? Konkrete Praktiken? Ganz anderes?
      "Until I next see you, Safe Home will you go." (an der Wand eines irischen Pubs gelesen)
      "Merkwürdig, wie wir die anderen beurteilen und nicht merken, wie elend unsere Geringschätzung ist - [...]" Carlos Ruiz Zafón: "Der Schatten des Windes"
      "Nur eins beglückt zu jeder Frist: Schaffen, wofür man geschaffen ist." Paul Johann Ludwig von Heyse
      "Wann immer etwas nicht von mir ist, ist es an mir, dafür Sorge zu tragen, dass ich den Urheber nenne." Louise, 2022 :D
      @Eisn
      Ich kenne alle deine Punkte.
      Dieses man ist innerlich ein neuer Mensch, man hat gefühlt den kompletten Bezug zu seinen nächsten Menschen verloren.
      Man muss gefühlt die ganze Zeit masking betreiben um rein zu passen etc.
      Genauso wie das: wenn niemand darüber spricht bleibt das ganze ein Tabuthema, es bleibt etwas unnormales...

      Ich habe mich geoutet (als BDSMler und als /queer), für mich und meinen Freundeskreis war es das richtige. Es hat den Raum für Gespräche eröffnet, den nicht nur ich gebraucht habe.
      Zudem können mich Freunde so besser covern und ich kann mich bei Problemen an sie wenden. Ich habe also das Privileg auf meine sozialen Stützen zurückgreifen zu können und bin nicht auf Fremde aus dem Internet angewiesen.

      Ich würde unbedingt versuchen einen Kompromiss mit meinem Partner zu schließen. Man kann nicht sein ganzes Leben nur auf seinen Partner ausrichten, man braucht auch weitere Bezugspersonen, die einen kennen. Jedenfalls ist das meine Sicht auf die Dinge.
      Vielleicht sucht ihr jemanden, der eher Bezug zu dir hat und wenig Kontakt zu anderen, die ihr kennt. Wenn dein Partner sich dann mit diesem Outing wohl fühlt könnt ihr weitermachen.
      Wahr sind nur die Erinnerungen, die wir mit uns tragen; die Träume, die wir spinnen, und die Sehnsüchte, die uns treiben.

      Die Feuerzangenbowle; Heinrich Spoerl

      Leia schrieb:

      @zweihundertzwei
      Mit meinen Jährchen auf dem Buckel muss ich leider sagen, dass es (so gut wie) keinen Menschen gibt, dem man 100%ig vertrauen kann und gerade solche pikanten Dinge eignen sich hervorragend dazu, einem später gewaltig auf die Füße zu fallen und da werden aus den engsten Freunden dann ratzfatz die ärgsten Feinde, die dann gefährliche Munition haben.... X/
      Das ist doch blos ein Problem, weil man als BDSMler eben mit Diskriminierung rechenen muss.

      Jetzt eine kleine Provokante Frage, die niemand als Aufforderung zu irgendwas verstehen muss:

      Würde sich das vlt ändern, wenn wir alle offener wären, wenn wir mehr darüber sprechen würden, wenn wir als gute Beispiele durch die Welt gehen würden, dass das ganze nichts schlimmes ist?
      Weil viele Vorurteile kommen doch daher, dass die Menschen zu wenig Berührungspunkte mit Betroffenen haben.
      Wahr sind nur die Erinnerungen, die wir mit uns tragen; die Träume, die wir spinnen, und die Sehnsüchte, die uns treiben.

      Die Feuerzangenbowle; Heinrich Spoerl
      @Leia
      Da gebe ich dir vollkommen Recht. Deswegen sagte ich ja auch, das ich es Freunden und/oder Bekannten nicht erzählen würde.
      Im familiären Kreis (Eltern und Geschwister) ist es bei uns nicht so, das solche Sachen als Munition verwendet werden. Zudem hab ich es in meinem Fall, eher oberflächlich belassen, aus Diskretion zu meiner Ex (auch wenn sowieso niemand mit Ihr Kontakt hat oder da eine Verbindung besteht).
      Es waren für mich einfach nur "Stolpersteine" bei manchen Themen. Somit ein Outing für mich selbst bei meiner Family.
      Danke an euch alle :blumen: ich werde das alles sacken lassen und überdenken.

      Danke an @Hera für das Wort "Lebensidentität", an @DerekReign für die deutlichen und etwas harschen Worte, an Dich @zweihundertzwei für das Teilen Deiner Erfahrungen. Spätestens falls mein Mann und ich uns eines Tages doch noch trennen, würde ich auch an diesem Punkt stehen. Einen vollständigen Schweigepakt über das Ende der Beziehung hinweg könnte ich nicht hinnehmen. Und es tut wirklich gut und macht Hoffnung, von Erfahrungen zu lesen, dass es sehr wohl Angehörige und Freunde gibt, die ein Outing neutral oder sogar wohlwollend aufgenommen haben.

      Ganz besonderen Dank an Dich @Katara für das hier:

      Katara schrieb:

      Ich würde unbedingt versuchen einen Kompromiss mit meinem Partner zu schließen. Man kann nicht sein ganzes Leben nur auf seinen Partner ausrichten, man braucht auch weitere Bezugspersonen, die einen kennen. Jedenfalls ist das meine Sicht auf die Dinge.
      Vielleicht sucht ihr jemanden, der eher Bezug zu dir hat und wenig Kontakt zu anderen, die ihr kennt. Wenn dein Partner sich dann mit diesem Outing wohl fühlt könnt ihr weitermachen.
      ich denke, darauf werde ich versuchen einvernehmlich hinzuarbeiten. Es hat gerade gut getan, insofern gesehen zu werden, dass es auch eine Rolle spielt, wo ich denn bei der ganzen Sache bleibe.

      Bin dann für heute mal afk, schönen Abend noch.

      LG Eisn
      Vielleicht etwas „aus der Reihe“ hier: Es fiele mir mehr als schwer, würde mir mein Partner versuchen oder mich bitten, meinen wichtigsten Familienmitgliedern, Freundinnen und Vertrauten, bestimmte Dinge von mir und meinem Leben (meinen Freuden und Herausforderungen) NICHT zu erzählen, weil ER sich dann in Bedrängnis fühlen würde.
      Anscheinend sind er und ich uns bisher da einfach grundsätzlich im Groben einig wo unsere Grenzen liegen (vor Arbeitgebern, Kindern)? Für mich ist die offene und nicht von Dritten begrenzte Kommunikation mit meinen vertrauten Lieben sehr wichtig. Ich hätte sonst auch das Gefühl, die Kommunikation wäre behindert, wenn ich immer überlegen müsste, was ich jetzt erzählen „dürfte“ und was nicht. Und ich hätte auch das Empfinden, mich nicht mehr frei und nah öffnen und als ich zeigen zu können.
      Selbstverständlich vertraue ich den Menschen und bin oft nur im Zweiergespräch bei sehr privaten Themen. Gerade mit Freundinnen brauche ich den Austausch zum Thema Liebesbeziehung, Lebenspartnerschaft und Sex. Ja, es ist mit dem BDSM-Hintergrund ohnehin nicht ganz einfach, mich ihnen zu erklären. Aber noch schlimmer und schwieriger wäre es, wenn ich bestimmte Themen und Sachverhalte auslassen müsste, weil mein Partner nicht wöllte, dass ich darüber spreche (wenn ich selber nicht will, ist das etwas anderes).
      Ich vertraue meinen Freundinnen, dass sie meinen Partner nicht in Verlegenheit bringen oder bloß zu stellen, wenn sie und er aufeinandertreffen. Auch wenn sie bestimmte sehr private Dinge wissen. Das sind Themen, die nur zwischen ihnen und mir besprochen werden. Das ist irgendwie selbstverständlich, dass man nichts davon in die Welt hinaus verteilt/brüllt.
      Und mein Partner betont immer wieder, dass es ihm wichtig ist, dass ich Menschen habe, mit denen ich mich (auch über das BDSM) austauschen und besprechen kann.
      Ich würde es als „man verbietet mir den Mund“ empfinden, wenn ich das Bedürfnis habe meinen Vertrauten etwas zu erzählen, aber mein Partner möchte da ein Veto einlegen.
      Wenn das aber für andere Paare so okay ist und gut funktioniert, dann prima. Ich brauche den nahen und intimen, freundschaftlich-vertrauten Austausch auch noch mit anderen Menschen.
      E`s d (Liza)
      Du wirkst zwar schon zufrieden mit deinen Rückmeldungen, aber ich wollte vorhin gerne etwas schreiben, da hatte ich nur keine Zeit. Inzwischen ist der Aspekt schon kommentiert worden, ich ergänze meine Erfahrungen dazu.
      Ich bin vor meinem engen nicht-BDSMler Freundeskreis geoutet. Für mich ist es wichtig und wertvoll, diesen Aspekt meines Lebens mit nahestehenden Menschen teilen zu können. Menschen mit den ich das nicht teile, kennen einfach viel von meinem Leben nicht und damit mich nicht gut. Gleichzeitig finde ich es wichtig, dass man nach Möglichkeit allen Bedürfnissen gerecht wird.

      Und da fängt meine eigentliche Überlegung an:
      Outing gibt es nicht ganz oder gar nicht, sondern in vielen Abstufungen. Ich habe vollstes Verständnis, dass intime Fantasien Freundesfreunde nichts angehen und dein Partner das nicht wünscht. Obwohl ich sehr offen mit BDSM umgehe, wissen meine Freunde nur grob, was mein Partner mit mir treibt. Sie erfahren nicht die pikanten Details oder seine Kinks und Fetische.

      Bei dir könnte das sein (mal unbekannterweise ins Blaue geschrieben):
      Ich mache BDSM (und das bewegt mich). Oder
      Ich dominiere gerne andere Menschen in erotischem Kontext (und lerne dabei viel über mich selbst). Oder
      Ich gehe gerne auf Fetischpartys (und genieße die Atmosphäre dort).

      Gut möglich, dass dann die Rückfrage kommt: "Machst du das mit deinem Partner?". Vielleicht ist ein Outing für deinen Partner auf so eine allgemeine Weise ohne Details okay? Wo genau die Grenzen liegen ist (wie bei allem anderen was wir wo treiben) ganz individuell und sollte ebenso detailliert besprochen werden.

      Eisn schrieb:

      Jetzt frage ich mich, ist das zumutbar? Darf ich das verlangen, dass mein Mann mich im Bekanntenkreis zu meiner Neigung stehen lässt?
      Oder geht das nicht? Und ich muss weiter schweigen, jetzt aus Rücksichtnahme auf ihn?

      Dass ich nicht einfach drauflos quake, ohne dass er darüber vorher grundsätzlich Bescheid weiß, ist natürlich klar...

      Wie seht ihr das?
      Ich verstehe dich da sehr gut, es tut einfach gut, sich nicht verstecken zu müssen.

      Bei mir wissen meine Beste Freundin und ihr Mann bescheid. Und es tut gut bei den beiden einfach einen Ort zu haben, an dem ich zum einen voll und ganz ich sein kann und zum anderen auch alles was mir auf dem Herzen liegt lassen kann.

      Ich würde dir auch empfehlen, mit deinem Mann zu sprechen. Ihr könnte ja vielleicht schauen, ob ihr gemeinsam erstmal nur 1-2 Menschen des Vertrauens einweihen könntet. Und wer weiß, vielleicht merkt er ja auch, daß es gut tut einfach immer frei reden zu können und Stück für Stück erweitert sich die Sache.

      Die Reise, die ich angetreten bin hat mich jedenfalls verändert, dass wird auch von meinem näheren Umfeld wahrgenommen. Positiv. Und wenn es Fragen gibt, gehe ich damit mittlerweile offener um, aber nur mit groben Informationen. Allerdings bin ich da auch reingewachsen und jedem mein Privatleben im Detail auf die Nase binden würde ich auch nicht.

      Innerhalb einer Partnerschaft würde ich allerdings nichts tun, was dem Partner unangenehm wäre.
      Am Ende sind wir alle gleich...

      KarmaLost schrieb:

      Das Outing der eigenen Sexualität wird heutzutage ja durch starke Öffnung der Gesellschaft und Förderung in Medien als tapfer und positiv empfunden. [...] Ich habe einige Male (eigentlich ungewollt und automatisch) Sprüche gebracht, z.b. " dass es wohl meine sadistische Ader sein muss", als ich z.B. die Arbeit eines Kollegen überprüfen sollte und ich sehr gründlich war. [...] Im Nachinein dachte ich, dass es unangebracht oder sogar als "creepy" empfunden worden war.
      Das hat nichts mit Outing zu tun. Das ist vom Gegenüber unerbetene und unerwünschte Sexualisierung eines Bereiches (Arbeitsplatz), wo es absolut nichts verloren hat. Gerade nicht, wenn Du dort Autorität über andere hast. Würde ich komplett vermeiden, aus Rücksicht. Tapfer ist es, sich dort zu outen, wo man selbst am kürzeren Hebel sitzt, um sich eine Stimme zu verschaffen. Ja, unangebracht und creepy. Aber hast Du ja selbst gemerkt, alles gut, einfach nicht mehr machen.

      Eisn schrieb:

      [...] Ich habe die Sprachlosigkeit über meine Art von Sexualität, das endlose Schweigen, das Ausweichen, wann immer das Thema irgendwo mal auf den Tisch kommt, wenn irgendwelche Sprüche fallen, so unendlich satt. Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich fühle mich innerlich bereit. [...] Wie seht ihr das?
      Total schöner Beitrag aus dem Herzen. Big hug. Du hast schon viele klasse Antworten erhalten. Ich möchte nur zwei Gedanken beisteuern:

      - Vielleicht unterschätzt Du, wieviel es Dir bringt, gegenüber unverständigen Leuten geoutet zu sein. Es ist vermutlich nicht so, dass in Deinem Bekanntenkreis, die blöde Sprüche bringen, noch zehn andere als U-Boote darauf warten, dass sich eine:r outet, um dann mitzuziehen. Vermutlich wird anschließend über Dich, nicht mit Dir gerredet. Ja, es ist gut, zu sich selbst zu stehen (das tust Du ja innerlich), aber man muss sich auch überlegen, welche Kämpfe man führen will. Vielleicht hättest Du viel mehr davon, unter kinky Leute zu gehen, zu Parties, zu Stammtischen, und dort das Verständnis und die Gemeinschaft zu finden, die Du ersehnst. Vielleicht hat Dein Mann auch nichts dagegen, das wäre ja nicht die Öffnung Eurer Beziehung. (Ich meine sogar, dass es Dein gutes Recht ist, Deine Freizeit in der Gesellschaft zu verbringen, die Dir gefällt. Wenn man vor "seinen" Freunden über das Thema nicht reden darf - okay, dann eben mit anderen.)

      - Ich schließe mich der Mehrheitsmeinung an, dass ein "Zwangsouting" Deines Mannes ein No Go wäre. Ich würde sogar noch so weit mitgehen, dass man ihn gesellschaftlich nicht kompromittieren sollte, falls in seiner Peer Group die Neigung seiner Frau ein Problem für ihn werden könnte. Aber solange es nur um Dich geht: Wäre es das überhaupt? Könntest Du nicht einfach nur VON DIR sprechen? Und falls die Frage kommt: "Und Dein Mann ist dann ...?" Vielleicht sagen: "Für ihn ist das kein Thema." Punkt. Soll er für sich selbst sprechen oder eben auch nicht. Vielleicht wäre das ein Weg. Es gibt Euch ja nicht nur als Paar, es gibt auch die beiden Individuen. Aber das erfordert dann von den Umstehenden ein bisschen Denkarbeit und gemunkelt und getuschelt wird immer.
      Es wurde viel gesagt, noch eine Kleinigkeit von mir dazu:
      Es gibt ein paar wirklich enge Freundinnen, die wissen über meine Neigung Bescheid, weil sie mich covern seit ich in der Szene unterwegs bin oder weil es zu Gesprächen über meine Partnerschaftssuche kam und ich irgendwann erklären wollte, warum das bei mir so schwer ist und warum ich nicht unbedingt den netten Nachbarn in Erwägung ziehe zum Daten.

      Aber das heißt nicht, dass diese Freundinnen die Neigung verstehen oder nachvollziehen können was das innerlich mit einem macht. Sie teilen die Neigung nicht und tun sich schwer mit dem was über Oberflächlichkeit hinaus geht. Es ist etwas sehr intimes und solche Informationen möchte man nicht von jedem haben.

      Das Tragen von Korsetts und Corsagen zu besprechen ist schon teilweise bisschen grenzwertig.
      Und da spreche ich nicht von Lack und Leder.
      Aber diese Freundin mit der ich darüber gesprochen habe, hat versprochen, wenn ich mir endlich welche besorge, hilft sie mir beim Anprobieren trotz ihres Unverständnisses.

      Ein bisschen verflechten geht, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt und Menschen die Kommentare von sich geben über die Neigung die zeigen, dass sie freundlich formuliert, völlig überfordert sind, können damit nicht unbedingt aufhören, nur weil sie mit jemandem befreundet sind mit dieser Neigung.
      Ich rede ab und zu unfreiwillig gegen die Kommentare meines besten Freundes zu der Thematik an. Ist ehrlich gesagt ziemlich unangenehm, obwohl er einfach nur überfordert ist, das emotional zu verstehen und keinen wirklich ekelhaften Kommentare von sich gibt.


      Bei den Gesprächen mit meinen Freundinnen merke ich oft, wie sehr mir meine engste Szenefreundin fehlt. Es war einfach so ganz anders, sich mit ihr zu besprechen. Also wenn du eh auf Stammtische gehst, versuche vielleicht lieber Freundinnen in der Szene zu finden zum Austausch. Auch das ist kein einfaches Unterfangen und braucht Zeit.

      Und noch etwas zum Eingangspost: ich hatte so einen Arbeitskollegen, eigentlich Vorgesetzten während meiner Werkstudentenzeit, der auch noch eine weitere Kollegin als sadistisch dominant geoutet hat gegenüber einer weiteren Praktikantin an der er interessiert war.
      Und sie hat es mir anvertraut. Es brauchte allerdings aufgrund seiner Kommentare diese Informationen meiner Freundin für mich nicht. Und ich bin nicht ganz glücklich damit gewesen und habe sehr darauf geachtet, ihn nichts merken zu lassen in Bezug auf mich.
      Weil ich in diesem Umfeld nicht geoutet werden wollte- nicht weil die Leute merkwürdig waren, es war sogar ein recht diverses Umfeld in der Hinsicht, aber das war mein Arbeitsplatz. Und da möchte ich eben nicht ständig zweideutige Kommentare in die Richtung hören, erst recht nicht von jemandem, der sich nicht beherrschen kann. Und munter seine Kollegen unfreiwillig outet.
      Worauf man selbst steht klar kann man sagen, wenn man zu der Person in entsprechender Beziehung steh.
      Worauf der Partner steht und was man macht ist schon etwas sensibler und betrifft ihn eben auch..


      Nicht zu vergessen, dass es bei BDSM um was geht und nicht um mit wem.

      Mit wem man fest zusammen ist sollte man frei sagen können. Oder zumindest sollte m.E. jeder in einer Gesellschaft leben in der das kein Problem mehr ist.
      Was bzgl. der Sexualität passiert zwischen den Partnern will hingegen nicht jeder wissen, aus gutem Grund. Oder der Partner will nicht, dass es jeder weiß.

      Allgemein darüber sprechen woraus man steht ist auch etwas anderes als was man mit einem konkreten Partner tut.

      Etwas Rücksicht je nach Umfeld des Partners ist nicht verkehrt.
      Im eigenen engsten Kreis ist es etwas anderes.
      Bekannte sind nur Bekannte, da muss die Sexualität nicht Thema sein.
      @Eisn

      Noch ein Gedanke von mir:
      Ich weiß nicht genau, welche Spielart des BDSM du bevorzugst (oder ich habe es überlesen, dann sorry!), aber solche Dinge wie Dominanz, Unterwerfung, gar noch in Verbindung mit (körperlicher) Gewalt können von Nichteingeweihten schnell mal missverstanden werden und fatale "wohlmeinende" Folgen haben...

      Die Frage, ob die Gesellschaft reif ist für solche Outings, finde ich interessant, denke da gerade an die LGBTQIA+-Bewegung. Vielleicht wäre das einen neuen Thread wert?