Was bleibt, ist ein schaler Nachgeschmack

      Was bleibt, ist ein schaler Nachgeschmack

      Meine erste richtige Spielbeziehung ist vorbei ohne richtiges Ende. Ghosting nennt man denke ich, was mir passiert ist.

      Es war wirklich gut und schön. Es ist auch nichts vorgefallen. Dass es keine Liebe und für die Ewigkeit ist, war von vornherein klar. Und trotzdem.

      Wir haben uns das letzte Mal Anfang März getroffen. Bei ihm hat sich persönlich viel verändert, konnte ich verstehen. Danach hat er sich nicht mehr (wie sonst) gemeldet. Anfang April habe ich ihm zum Geburtstag gratuliert. Und dann auch die Frage gestellt, ob er mich nicht mehr sehen möchte. Das sollte er mir dann doch bitte sagen. Er hat es abgestritten und Pläne für das nächste Treffen gemacht. Danach kam - nichts. Einmal habe ich noch geschrieben. Seither wieder nichts mehr. Er ist aber regelmäßig online, schreibt auch in einem gemeinsamen Forum.

      Was bleibt, ist ein schaler Nachgeschmack. Ich habe es ihm einfach gemacht, er hätte es nett beenden können und die guten Erinnerungen (ich bin ihm wirklich dankbar, was er mir alles gezeigt und gegeben hat) wären geblieben.

      Er hatte auch immer hohe Ansprüche an sich. Die er auch erfüllt hat. Nur, gehört dann nicht auch dazu, es auf positive Weise zu beenden und nicht ohne ein Wort den Kontakt einfach abzubrechen?

      Nun meine Frage, soll ich ihm noch einmal schreiben, wie ungut es sich für mich angefühlt hat? Oder ihn genauso ignorieren?
      Those who don´t jump will never fly.
      Das Ignorieren wird nicht reichen, befürchte ich, um deine verletzte Seele zu heilen.
      Ob du ihm deine Meinung nochmal sagen/schreiben solltest oder nicht, kann ich nicht beantworten.
      Bewirken wirst du damit für seine Zukunft höchstwahrscheinlich nichts.
      Sicher empfehlen kann ich dir jedoch, Abstand zu suchen, wo immer du ihm begegnen könntest, mindestens 4 Wochen lang, eher sogar länger.

      Meine Spielbeziehungsaffaire wurde von mir und im Guten beendet und ich brauchte trotzdem den Abstand.
      Vielleicht hilft dir, was ich damals verschriftlich habe in meinem Blog.

      Alles Gute für dich :blumen:
      Auch wenn es widersprüchlich klingt:
      Ihr Ego muss stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können.
      Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.

      - John Bradshaw, Das Kind in uns -
      Für mich hört es sich so an, als fehlte dir der Schlussstrich.
      Also wäre es vielleicht für dich gut, ihn einfach selber zu ziehen.
      Und womöglich nimmt er ja was mit für die nächste Beziehung.
      Also ja, schreibe ihm, dass es schön war, dass du es gut gefunden hättest, gemeinsam zu einem Abschluss zu kommen.
      Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein
      Friedrich Nietzsche

      bluehorse69 schrieb:

      Was bleibt, ist ein schaler Nachgeschmack. Ich habe es ihm einfach gemacht, er hätte es nett beenden können und die guten Erinnerungen (ich bin ihm wirklich dankbar, was er mir alles gezeigt und gegeben hat) wären geblieben.

      Er hatte auch immer hohe Ansprüche an sich. Die er auch erfüllt hat. Nur, gehört dann nicht auch dazu, es auf positive Weise zu beenden und nicht ohne ein Wort den Kontakt einfach abzubrechen?
      Das ist leider etwas, was ich aus eigener Erfahrung sehr gut nachvollziehen kann. Es wäre schön, wenn die Menschen sich nicht einfach still und heimlich davonmachen. Ich habe das auch schon erlebt.
      Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn ein Mensch für sich zu dem Schluss kommt, dass es nicht passt oder dass es gerade zur Zeit nicht passt. Dann habe ich gehofft, dass mein Gegenüber ehrlich ist und es mir sagt. Ich habe sogar mal auf WA geschrieben: schick mir einfach ein schwarzes Herz oder ein rotes X oder was auch immer. Nur dass ich weiß woran ich bin. Nichts kam. Stille.

      "Eine Trommel, deren Schläge in der Stille verhallen“ so hat es Doris Lessing mal ausgedrückt.

      Es ist schmerzlich, aber ich an Deiner Stelle würde ihn mir aus dem Kopf schlagen. Verbuche es als Erfahrung, mach einen Haken dran und such Dir was Neues. Schau in der Com, ob Du wen findest, der Dich interessiert und schreib ihn an. Du hast nichts zu verlieren. Vielleicht vereinbarst Du gleich zu Anfang solch ein Zeichen, auf dass Ihr Euch einigt. Dann ist das schon mal angesprochen und ein Ghosting am Ende als Tabu definiert. Das ist zwar keine Garantie, aber wenn es thematisiert wurde, dann kann Deine neue Spielbeziehung sich darauf einstellen und vielleicht die eigene Scham oder Feigheit überwinden.
      Ein Mensch sieht ein - und das ist wichtig: Nichts ist ganz falsch und nichts ganz richtig.
      – Eugen Roth –
      Mein Rat:
      Wenn du für dich einen Abschluss benötigst und es dir danach besser geht, dann ja, schreib ihm. Sag ihm, wie du dich fühlst und gefühlt hast und was du dir eigentlich gewünscht hast, so als Abschluss und an Verhalten seinerseits.

      Was er damit oder daraus macht ist dann seine Sache, aber du solltest in erster Linie das tun, was du jetzt benötigst und nicht darüber nachdenken, was er dann denkt oder fühlt oder dergleichen. Denn ihm war es scheinbar auch egal, was er dir damit antut.

      Würde ich mir gleich einen neuen Kontakt suchen?
      Nein, weil man meistens etwas Abstand benötigt, um die eine (Spiel-)Beziehung zu verarbeiten, seine Gefühle und Gedanken zu ordnen und wieder ganz zu sich selbst zu finden. Erst wenn das wieder alles vorhanden ist, ist man offen und bereit für eine neue (Spiel-)Beziehung. :)
      Für dich tut es mir leid! :blumen:

      Ich denke auch, du solltet schreiben.
      Schreib ihm, von deinen Gefühlen, das diese Verbindung nicht auf ewig angelegt war.
      Schreibe nicht ohne Groll,aber sage ihm auch,daß dir ein vernünftiger Schluss fehlt.
      Ich würde den Brief eine Woche liegen lassen.In dieser Zeit überlegen, ob du ihn an ihn abschickst, wenn nicht, beende das,indem du den Brief verbrennst.
      Ist gut für die Seele, das aufgeschrieben zu haben!
      Das Leben ist kein Ponyhof. Aber geritten wird trotzdem !
      @1ND13 Danke für deinen Text. Ich habe ihn mir schon aus dem Kopf geschlagen. Es hat sich ja abgezeichnet und ich habe es auch gemerkt/angesprochen. Und es gibt einen neuen Mann. Wir haben über das Thema gesprochen und er hat gefragt, was ich machen würde, wenn er sich doch wieder bei mir melden würde. Mir wurde da bewusst, dass ich inzwischen nicht mehr springen würde, wenn er pfeift. Aber dass eben dieser schale Nachgeschmack da ist, der die ganzen schönen und positiven Erinnerungen an ihn überdeckt. Ich habe ihm von Anfang an sehr viel Macht über mich gegeben. Und nun bin ich eben nicht sicher, ob ein erneuter Kontakt die Wunden nicht wieder aufreißt...
      Those who don´t jump will never fly.

      bluehorse69 schrieb:

      Nun meine Frage, soll ich ihm noch einmal schreiben, wie ungut es sich für mich angefühlt hat? Oder ihn genauso ignorieren?
      Du musst das tun, was sich für Dich richtig anfühlt!

      bluehorse69 schrieb:

      Und nun bin ich eben nicht sicher, ob ein erneuter Kontakt die Wunden nicht wieder aufreißt...
      genau das sollte ja nicht sein....was hilft Dir also damit das nicht passiert?!

      Du könntest ja auch erst mal eine Mail schreiben...und Dir dann überlegen ob und wann Du sie eventuell abschickst....oder wieder löscht....oder einfach nur aufbewahrst.....


      Direkten Kontakt mit ihm würde ich allerdings nicht suchen..........irgendeinen klaren Abschluß um für Neues offen zu sein.
      An den Kreuzungen des Lebens stehen leider keine Wegweiser.

      bluehorse69 schrieb:

      Ich habe ihm geschrieben. Seine Antwort war ... ausweichend. Genau das hatte ich befürchtet. Es war wieder kein kompletter Schlussstrich. Und das macht es mir echt schwer.
      Mach es Dir doch leicht, zieh Du den Schlussstrich denn, wenn ich es richtig verstanden habe gibt es ja auch schon jemand Neues in Deinem Leben.
      Schweigsamkeit ist der Text, der meistens falsch gelesen wird.

      Willy Meurer
      Vielleicht liegt es an dir, den Schlussstrich zu ziehen, @bluehorse69.
      Ich verstehe, dass das durchaus schwierig und schmerzhaft sein kann, vor allem wenn es schöne gemeinsame Erinnerungen gibt. Aber die Frage ist, wie lange du es aushältst, so in der Schwebe zu hängen. Und manchmal bedeutet ein "vielleicht" im Grunde ein "nein".

      Nachtrag: @Hera war schneller mit der Antwort. ;)
      "Unsere Sehnsüchte sind unsere Möglichkeiten. "
      Robert Browning
      @Primrose Objektiv gesehen hast du völlig recht. Es wäre die richtige Entscheidung, dass ich den Schlussstrich ziehe. Subjektiv gesehen hat er aber immer noch die Macht über mich.
      Ich werde jetzt erst weiter machen, ohne ihn. Mir ist nur wieder bewusst geworden, ein Wort von ihm würde immer noch genügen.
      Vielleicht schafft es ja der neue Mann, mich aus dieser Abhängigkeit zu holen.
      Those who don´t jump will never fly.
      Was bist du dir selbst wert?
      In der Warteschleife zu bleiben, bis er wieder Lust auf dich hätte, weil sich nichts Besseres findet gerade?
      Oder hocherhobenen Hauptes zu sagen "Mit mir nicht!" und ihm (und dir) zu zeigen, dass du die Stärkere (mental und charakterlich) von euch beiden bist?
      Was würdest du einer Freundin raten, wenn sie dir die Situation schildern würde?

      Mal angenommen, er würde wieder ankommen und du sagst "nein", hättest du eher das Gefühl, etwas verpasst zu haben
      oder eher das Gefühl von Stolz, weil niemand das Recht hat, so mit dir umzuspringen?
      Spiel die Möglichkeit mal durch gedanklich.
      Auch wenn es widersprüchlich klingt:
      Ihr Ego muss stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können.
      Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.

      - John Bradshaw, Das Kind in uns -

      bluehorse69 schrieb:

      Vielleicht schafft es ja der neue Mann, mich aus dieser Abhängigkeit zu holen.
      Bitte nicht falsch verstehen aber ich denke das ist der falsche Ansatz. Rausholen solltest Du Dich nur selbst sonst begibst Du Dich von einer Abhängigkeit in die andere. Vo außen betrachtet ist das natürlich immer leichter gesagt als getan aber das für Dich zu beenden, sei es auch noch soviel Eigenarbeit bist Du Dir wert.

      Diese Hinhaltetaktik, ohne Dir ein klares Wort zu gönnen empfinde ich weder als fair noch als verantwortungsvoll. Aber natürlich bequem aus seiner Perspektive.

      Kopf hoch!
      Schweigsamkeit ist der Text, der meistens falsch gelesen wird.

      Willy Meurer
      Danke für eure Ratschläge. Ich habe eine Nacht darüber geschlafen. Und ja, es ist ein "Nein" , mit einer kleinen Hintertüre. Dessen bin ich mir bewusst.

      Ich werde mich auch nicht mehr bei ihm melden. Sollte er es tun (was ich nicht ausschließen kann), entscheide ich neu. Einen distanzieren Umgang schaffe ich aber.

      Ich weiß schon, was ich mir wert bin. Stecke aber gerade in einer Phase des spätpubertierenden Nachholens. Mir geht es nur um Erfahrungen, eine Beziehung suche ich derzeit nicht. Die habe ich schon. Das werden hier viele nicht verstehen. Deswegen werde ich erst einmal keinen Schlussstrich ziehen. Ihm aber auch nicht nachlaufen.
      Those who don´t jump will never fly.