Outing in offener Beziehung

      Outing in offener Beziehung

      Mich beschäftigt aktuell ein Thema, das ich leider mit keinem Menschen besprechen kann..
      Da ich die Kultur hier sehr schätze, möchte ich mich euch hier gerne öffnen. :coffee:

      Seit einem Jahr führe ich mit meinem Mann eine offene Ehe - entstanden aus Lust nach neuen Eindrücken nach 20 Jahren Ehe. Funktioniert ganz ok. Wir wissen ziemlich viel voneinander aber eben keine Details, was von meiner Seite aus völlig ok ist..
      Nun habe ich seit 3/4 Jahr eine Affäre die ich wirklich sehr gerne mag. Seit ca. 5 Monaten haben sich nun immer mehr bdsm-Momente dazu gesellt und ich liebe es einfach :love:
      Und hier kommt mein Problem ans Tageslicht... ein paar mal musste ich mich bzw. die Spuren einige Tage nach unseren Sessions verstecken, denn dann müsste ich meinem Mann erklären, dass ich ja auf die kranken Spielchen abfahre.. denn das hat er erst kürzlich mal wieder fallen lassen als eine Frau sich im Fernsehen hat schlagen lassen.
      Ich habe Angst davor verurteilt, verabscheut, schlichtweg nicht verstanden zu werden!
      Verzichten darauf möchte ich keinesfalls! Nicht mal verschont werden - was ohnehin oft der Fall ist, damit die Spuren nicht so arg ausfallen...
      Mit meinem Mann kann ich über alles reden aber ich kann ihm nicht sagen, dass ich DIESE Seite an mir entdeckt habe :/
      Was soll icv nur tun? ;(
      Im Grunde bleiben Dir folgende Alternativen:

      • Ihr spielt so, dass möglichst keine Spuren entstehen. Das ist durchaus möglich, gibt hier im Forums auch mindestens einen Thread, in dem Tipps ausgetauscht werden, wie möglichst keine Spuren entstehen. Problem: Du möchtest diese Spuren ja eigentlich haben.
      • Du lässt Dir andere, mehr oder weniger plausible Ausreden für die Spuren einfallen. Problem: er Word es Dir irgendwann nicht glauben und dann ins Gespräch zu kommen wird immer schwieriger.
      • Du sagst ihm klar, woher die Spuren stammen. Das Du genau das genießt, und das aus Deiner Sicht genau das Vergnügen ist, das Du aus der geöffneten Ehe ziehst. Und das es keine „kranken Spielchen“ sind, nein, dass Du Dich vielmehr sehr gesund und lebendig dabei fühlst.
      Zwischen den Zeilen meine ich jedoch wahrzunehmen, dass Du selber noch mit Deiner Neigung haderst und Dich selber ein Stück als „krank“ wahrnimmst. Die vermeintliche Meinung Deines Mannes verunsichert Dich dabei zudem.
      Dieses Gefühl ist nichts ungewöhnliches, die meisten von uns mussten wohl durch diese Phase des „inneren Outings“ durch. Deshalb noch einmal ganz deutlich: Du bist nicht allein. Du bist nicht „krank“. Und Du musst Dich nicht schämen. Und genau so kannst Du es Deinem Mann versuchen zu erklären.
      Ich liebe diese Spuren und wie sie entstehen.. also scheidet die erste Alternative schon mal aus.

      Die zweite kann ich sicher zeitlang anwenden... nur wie du auch sagst, ist diese Alternative zeitlich sehr begrenzt..

      Die dritte ist die vernünftigere aber ich traue mich einfach nicht :/

      Meine Neigung habe ich allerdings schon gut verarbeitet bzw. Ich mag sie ja auch und ich möchte sie ausleben aber nicht mit meinem Mann. Wenn ich es aber weiterhin verheimliche, frisst es mich innerlich auf... oh man.. das ist so schwer ;(
      Kann ich gut nachvollziehen. Mein Mann weiß zwar von meiner Neigung. Er kann aber überhaupt nicht verstehen, was ich daran finde. Ich schaue auch, dass er keine Spuren sieht. Vor allem seit er es doch einmal gesehen und echt entsetzt reagiert hat.

      Kannst du ihm nicht allgemein erzählen, was dir Spaß macht, ohne Einzelheiten? Es ist sicher besser, wenn du ihm sagst, dass du das gerne und freiwillig machst. Bevor er sich sonst etwas denkt, sollte er Spuren sehen. Er muss es ja nicht verstehen, aber auch sehen, dass es für dich keine "kranken Spielchen" sind, sondern dir gefallen und dir gut tun.
      Those who don´t jump will never fly.
      Hallo May, ich kann verstehen, dass du unter diesen Umständen Angst davor hast, deine Neigung gegenüber deinem Mann zu offenbaren, gerade im Hinblick auf seine abwertende Reaktion auf die Szene im Fernsehen.
      Die Frage ist aber, gibt es für dich wirkliche Alternativen, als das Thema anzusprechen? Du schreibst, du willst auf keinen Fall auf das Ausleben deiner Neigung verzichten. Du schreibst auch, es langfristig zu verheimlichen, frisst dich auf. Beides finde ich sehr nachvollziehbar.
      Aus meiner Sicht bleibt dann nur, zu dir und deinen Bedürfnissen zu stehen. Ich glaube dir, dass es sich sehr schwer anfühlt.

      Was wäre aus deiner Sicht das Schlimmste, was passieren könnte, wenn du dich deinem Mann gegenüber offenbarst? Und für wie wahrscheinlich hältst du es, dass der schlimmste Fall eintritt? Wie könntest du damit umgehen? Kannst du das Risiko eingehen?
      Könnte es auch sein, dass ein Outing deinerseits positiver von deinem Mann aufgenommen wird, als du momentan befürchtest? Wie wahrscheinlich ist das?
      Vielleicht ist seine erste spontane Reaktion abwehrend, damit musst du vermutlich rechnen. Könnte es sein, dass er nach dem ersten "Schock", wenn etwas Zeit vergangen ist, doch bereit ist, sich etwas wertfreier und offener mit dem Thema auseinanderzusetzen?

      Noch ein Gedankenanstoß: könnte seine bisherige abwertende Reaktion auch daher rühren, dass er sich noch nie wirklich mit dem Thema auseinander gesetzt hat, er dadurch möglicherweise ein verzerrtes, negativ geprägtes Bild von BDSM hat und wie selbstverständlich voraussetzt, dass du das genauso siehst? War seine Reaktion möglicherweise einfach gedankenlos oder beruht sie auf tiefer Überzeugung? Sollte erstes der Fall sein, wäre es ja eventuell möglich, langfristig im offenen Dialog behutsam Vorurteile abzubauen.

      Immerhin schreibst du, dass ihr ansonsten über alles reden könnt. Eine offene Kommunikation scheint also grundsätzlich gegeben zu sein. Das ist aus meiner Sicht eine gute Ausgangsbasis. Aber ich gebe dir recht: es bleibt ein Risiko, dass du bei ihm mit dem Thema auf Ablehnung stößt.

      Ich glaube, es ist wichtig, dir zu überlegen, wie weit du zu dir stehen kannst, auch wenn das möglicherweise eure Harmonie gefährdet- und ob du andersherum darauf verzichten kannst zu dir zu stehen, ohne das Gefühl zu haben, dich langfristig zu verleugnen.
      Ich wünsche dir alles Gute!
      "Unsere Sehnsüchte sind unsere Möglichkeiten. "
      Robert Browning
      Die gleichen Fragen wie Primrose stelle ich in solchen Fällen auch immer. Das ist aus meiner Sicht der beste Ansatz.

      Dein Vorteil ist, ihr lebt ja schon in einer offenen Beziehung. Dein Mann müsste sich ja ggf. nicht unbedingt sehr intensiv mit der Materie beschäftigen. D.h. er muss nicht zu einem Dom werden. Es reicht ja, dass er es akzeptiert und Spuren ggf ignoriert.
      Existence could not resist the temptation of creating me

      Existentmale schrieb:

      Es reicht ja, dass er es akzeptiert und Spuren ggf ignoriert.
      Najaaaaa, ich denke, sooooo einfach ist das nicht. :pardon:

      Er liebt sie ja bestimmt und macht sich Sorgen, wenn er seine geliebte Frau so "verunstaltet" sieht.

      Ich denke, das Wichtigste wird sein, ihm glaubhaft zu versichern, dass es gewünscht und nicht lediglich erduldet ist
      und nichts mit Gewalt zu tun hat.

      Wenn du, @May, ihm mit leuchtenden Augen davon erzählst, ist die Chance größer, dass er es akzeptiert,
      als wenn du es versteckst, weil er dann nicht einschätzen könnte, ob Spuren ein Versehen oder gewollt sind.

      Dass er dich nicht verstehen kann und den Kopf schüttelt oder sogar abwertend redet, wird evtl. trotzdem passieren.
      Auch wenn es widersprüchlich klingt:
      Ihr Ego muss stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können.
      Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.

      - John Bradshaw, Das Kind in uns -

      Isegrim_w_devot schrieb:

      Wenn du, @May, ihm mit leuchtenden Augen davon erzählst, ist die Chance größer, dass er es akzeptiert,
      als wenn du es versteckst, weil er dann nicht einschätzen könnte, ob Spuren ein Versehen oder gewollt sind.
      Das kann aber durchaus auch schnell in die Buxe gehen ... ich glaube auf die leuchtenden Augen würde ich in so einem Gespräch dann eher verzichten wollen, auch die Toleranz in einer geöffneten Beziehung ist sicher begrenzt.

      Versuch mit Deinem Partner darüber zu reden, Dich langsam zu öffnen, jemand der mit BDSM so gar nichts am Hut hat kann auch schnell überfordert sein.

      Reden solltet ihr in jedem Fall denn Deinem Posting nach zu schließen macht es wenig Sinn es für Dich zu behalten wenn Du damit nicht klar kommst.
      Schweigsamkeit ist der Text, der meistens falsch gelesen wird.

      Willy Meurer
      Nun, ihr scheint ja auch im Vorfeld schon viel geredet zu haben, denn eine Beziehung öffnet man ja auch nicht eben zwischen Tür und Angel.


      May schrieb:

      Seit einem Jahr führe ich mit meinem Mann eine offene Ehe - entstanden aus Lust nach neuen Eindrücken nach 20 Jahren Ehe. Funktioniert ganz ok
      Habt ihr Grenzen gesetzt? Oder darf jeder von euch entscheiden, wie weit die Lust nach neuen Eindrücken geht?
      Wenn nein, kann sich so ewas natürlich in alle möglichen Richtungen bewegen.
      Und dann darf das natürlich nicht mit Vorwürfen, Vorurteilen und Unverständnis enden.

      Deine Aussage: "Funktioniert ganz ok" impliziert mir aber, dass keinesfalles alles ok ist.

      Du wirst nicht um ein offenes Gespräch herum kommen, aber ich denke, das weißt du auch.
      Ich bin ich. Manchmal auch wir.
      Hallo zusammen!
      Vielen lieben Dank für den Input! Hat natürlich schon einiges an Überlegung angestoßen bei mir.

      Meine größte Angst ist, dass hier seinerseits eine gewisse Eifersucht entsteht. Denn vor einiger Zeit hat er tatsächlich versucht hier und da was einzubauen und ist damit bei mir komplett auf Ablehnung gestoßen. Ist aber schon wirklich sehr lange her ist. Auch gab es allgemeine Gespräche in Vergangenheit wo ich mich ablehnend zu bdsm geäußert habe.
      Wie ich meine Affäre kennengelernt habe, habe ich meinem Mann von ihm erzählt, dass ich seine dominante Art sehr mag und da hat er mal was von "soso, bei mir hast du es nicht gewollt ..." fallen lassen.
      Ich glaube, dass er schon noch die Sorge hat es könnte mir woanders besser gehen als bei ihm. Und solange ich Äpfel mit Äpfel vergleiche ist alles ok, aber sobald ich Äpfel und Birnen vergleiche, könnte es passieren, dass das Gleichgewicht nicht mehr stimmig ist.
      Doch. :facepalm: .. jetzt beim Schreiben wird mir das mehr und mehr bewusst.. Ich habe Angst das zu offenbaren, weil es für ihn so aussehen könnte, als würde ich in unserer Beziehung nicht das bekommen was mich glücklich macht und er dadurch automatisch schlechter dasteht.

      Die Regeln für die offene Beziehung haben wir abgesteckt und an die halten wir uns auch. Aber dass man hier plötzlich andere Neigungen an sich entdeckt - das habe ich natürlich vorher nicht bedacht :saint:

      Ohje alles nicht so einfach..

      May schrieb:

      Wie ich meine Affäre kennengelernt habe, habe ich meinem Mann von ihm erzählt, dass ich seine dominante Art sehr mag und da hat er mal was von "soso, bei mir hast du es nicht gewollt ..." fallen lassen.
      Ist es vielleicht die Möglichkeit, auf seine Antwort näher einzugehen? Eventuell hat er seine dominante Art dir gegenüber versteckt? Mir fehlte mein ganzes Leben immer irgendwas...Bis vor fast 6 Jahren.
      Das Leben ist kein Ponyhof. Aber geritten wird trotzdem !
      Hallo @May und willkommen.

      Ich denke, Du (!) wirst Dir noch manche Gedanken machen und mit ihm dann in ein ehrliches Gespräch gehen müssen, denn ich fürchte, Dein Verhalten ihm gegenüber ist nicht wirklich klar.

      May schrieb:

      denn das hat er erst kürzlich mal wieder fallen lassen als eine Frau sich im Fernsehen hat schlagen lassen.
      (Was Dich am ihm zweifeln lässt)

      May schrieb:

      Denn vor einiger Zeit hat er tatsächlich versucht hier und da was einzubauen und ist damit bei mir komplett auf Ablehnung gestoßen. Ist aber schon wirklich sehr lange her ist.
      (was ihn an Dir zweifeln lassen könnte)

      Wenn Du also heute auf Āpfel stehst, seine vergangenen Äpfel aber ohne offenbar ohne nähere Begründung abgelehnt hast und er deshalb gegenwärtig Äpfel meidet, Du nun aber anderer Äpfel für schmackhaft befindest, dann wundert mich Dein Glaube ...

      May schrieb:

      dass er schon noch die Sorge hat es könnte mir woanders besser gehen als bei ihm.

      ... nicht sonderlich.

      Und genau da hast Du ihm gegenüber heute eine Verantwortung Dich zu erklären. Vielleicht mag er Dir dann auch wieder Äpfel anbieten, die Du dann auch erstmal vorbehaltlos kosten solltest. Eine grundlose Ablehnung seiner Äpfel macht Dich zumindest in Eurem gemeinsamen Obstgarten unglaubwürdig.

      Sollten sich Eure Geschmäcker hingegen als inkompatibel erweisen, dann gibt es wenigstens darüber Klarheit - solches ergibt sich aus Deinem Thread abet bisher zumindest nicht.

      Nur so eine Idee, wo der Knoten sitzt.

      HvR
      Wenn ihr das wirklich wollt, wäre es allerdings ein guter Zeitpunkt, darüber zu reden und Rituale zu entwickeln,
      wie es möglich ist, es innerhalb der Ehe umzusetzen.
      Dir ist ja schonmal klar, dass du ein Setting benötigst, um in die devote Rolle schlüpfen zu können.

      Setzt euch hin, überlegt, schreibt eure Gedanken auf und versucht es.
      Aufgeben und es außerhalb der Ehe ausleben könnt ihr dann immer noch.
      Es gibt hier genug Ehepaare, die erst nach jahrelangem Vanillazusammenleben ihre BDSM-Neigung gemeinsam entdeckt haben und jetzt glücklich ausleben.

      Ich bin gespannt auf eure weitere Entwicklung :popcorn:
      Auch wenn es widersprüchlich klingt:
      Ihr Ego muss stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können.
      Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.

      - John Bradshaw, Das Kind in uns -
      Das verstehe ich.
      Man lernt seinen Mann kennen, sieht ihn aus einem anderen Blickwinkel, hat ein Bild von ihm im Kopf.
      Und wenn die Beziehung im Allgemeinen stimmt, hat man ja auch keinen Grund, das Bild zu ändern.
      Wenn plötzlich eine andere Seite auftaucht, die nicht zum bisherigen Bild passt, fühlt es sich nicht stimmig an.
      Aber vielleicht kannst du ihm genau das sagen.
      "Ich liebe dich auf Augenhöhe, genauso, wie wir jetzt zusammen leben. In diese Liebe zu dir passt kein Machtgefälle. Dieses Machtgefälle lebe ich ab und an mit einem anderen Mann aus, den ich nicht so liebe wie dich."
      Also jetzt verkürzt wiedergegeben ;)
      Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein
      Friedrich Nietzsche

      May schrieb:

      Ich glaube sogar, dass er es sich wünschen würde aber ich kann es mir mit ihm nicht vorstellen. Es fühlt sich einfach nicht richtig an :huh:
      Warum nicht? Weil Du nicht auf das Neue verzichten möchtest?

      Wenn ich Dein Posting richtig verstanden habe, hast Du ihn damals abgeblockt ohne es wirklich zuzulassen?

      Ganz ehrlich da wäre ich als Partner dann auch verletzt. Denn die Birnen schmecken ja offensichtlich, nur eben in Nachbar Garten besser?

      Denn dann hat ja Deine Befürchtung "Ich habe Angst das zu offenbaren, weil es für ihn so aussehen könnte, als würde ich in unserer Beziehung nicht das bekommen was mich glücklich macht und er dadurch automatisch schlechter dasteht" durchaus eine Basis.

      Ich denke da ist schon aus Fairness ein ehrliches Gespräch fällig.
      Schweigsamkeit ist der Text, der meistens falsch gelesen wird.

      Willy Meurer