Missbrauch oder nicht?

      Missbrauch oder nicht?

      In einem Thread habe ich meine Bedenken geäußert, dass die Thread-Erstellerin eventuell Opfer von Missbrauch geworden ist. Andere Nutzer, die sich ebenfalls Sorgen gemacht haben, haben es stattdessen so ausgedrückt:
      • "Für mich hört es sich so an, als sei Dir dabei nicht ganz wohl."
      • "Für mich klingt das ... als würde es dir damit nicht so gut gehen"
      • "wenn ein Teil für dich nicht stimmig ist"
      • "ist das "Euer Spiel"? ...oder passt da was nicht?!"
      Die Tatsache, dass ich explizit das Wort Missbrauch verwendet habe, scheint nicht bei allen gut angekommen zu sein. Jetzt frage ich mich, warum das so ist? :huh: Wäre es weniger kontrovers gewesen, wenn ich stattdessen körperliche und psychische Gewalt gesagt hätte? Und warum fällt es uns so schwer Missbrauch auch so zu nennen? Wir könnten ja z.B. sagen:
      • "Für mich hört es sich so an, als seist du missbraucht worden."
      • ist das "Euer Spiel"? ...oder wurdest du missbraucht?!"
      Machen wir aber nicht. Stattdessen nutzen wir "beschönigende" Umschreibungen. Und warum fühlt es sich so viel leichter an zu sagen "Oh, tut mir leid, da habe ich wohl deine Grenzen ein bisschen überschritten" statt zu sagen "Oh, tut mir leid da habe ich dich ungewollt missbraucht"? Findet ihr es wichtig, Missbrauch explizit als solchen zu bezeichnen? Oder stört euch etwas daran? Was fällt euch generell zu dem Thema ein?

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      AppreciationPrince schrieb:

      Machen wir aber nicht. Stattdessen nutzen wir "beschönigende" Umschreibungen. Und warum fühlt es sich so viel leichter an zu sagen "Oh, tut mir leid, da habe ich wohl deine Grenzen ein bisschen überschritten" statt zu sagen "Oh, tut mir leid da habe ich dich ungewollt missbraucht"? Findet ihr es wichtig, Missbrauch explizit als solchen zu bezeichnen? Oder stört euch etwas daran? Was fällt euch generell zu dem Thema ein?
      Ich fasse mich mal kurz, weil es reine Spekulation ist und wir eben nicht die komplette Geschichte kennen. Missbrauch ist eine Straftat und einem Menschen eine solche zu unterstellen finde ich grenzwertig. Insofern finde ich es sogar richtig wie gefragt wurde.
      Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.

      Albert Einstein
      Missbrauch ist Missbrauch und sollte so bezeichnet werden.

      Das Problem ist die äußerliche Ähnlichkeit von BDSM und Missbrauch. Wenn im BDSM ein Missgeschick passiert, ist das kein versehentlicher Missbrauch (ich glaube auch nicht, dass es versehentlichen Missbrauch geben kann), sondern ein Unfall. Stell Dir mal ein "Vanilla"-Pärchen vor, das sich einen Ball zuwirft. Plötzlich ist sie abgelenkt und der Ball fliegt ihr voll auf die Nase. Versehentlicher Missbrauch? Lag ja kein Konsens vor (Missbrauch) und war auch vom Werfer nicht geplant (Versehen). Das kann aber nicht gemeint sein, oder? Sobald aus dem Ball aber eine Peitsche wird, die er aus Versehen ungünstig führt, sieht es klar wie Missbrauch aus. Unfälle passieren aber.
      Soweit zur körperlichen (physischen) Ebene.

      Nun zur psychischen: Es gibt unglückliche Beziehungen. Es gibt glückliche Beziehungen, in denen einzelne Elemente trotzdem die Laune verderben und sogar belastend sein können. Und es gibt psychischen Missbrauch.
      Wie beim Ballspiel im Vergleich mit der Peitsche ist auch hier das Problem, dass es sich schnell nach Missbrauch anfühlt, wenn Sub von einer unangenehmen Strafe berichtet und man dabei das diffuse Gefühl hat, dass Sub nicht ganz glücklich ist. Das kann auch tatsächlich Missbrauch sein. Es kann aber auch sein, dass Sub im großen und ganzen in der Beziehung aufgeht und nur diesen Aspekt nicht gut findet, aber im Gegenzug zum Rest gern in Kauf nimmt. Und es kann sein, dass Sub in der Beziehung unzufrieden ist, sich aber noch nicht durchringen konnte, zu gehen (nicht aus Angst oder Abhängigkeit, sondern vielleicht einfach, weil es ja auch wieder besser werden könnte). Das ist von außen sehr schwer einzuschätzen.

      Es ist gefährlich Missbrauch klein zu reden. Ich glaube, auf der anderen Seite kann es eine Beziehung aber auch gefährden, wenn sie nicht ganz perfekt läuft und jemand von außen einen Missbrauch diagnostiziert.

      Deshalb bin ich mit dem Wort sehr vorsichtig, wie überhaupt auch mit der Feststellung, ob sich jemand glücklich anhört oder nicht. Das kann (und sollte) man nachfragen, wenn man den Eindruck hat, jemand sei unglücklich, aber möglichst nicht suggestiv. Und bitte respektiert dann auch die Antwort. Bei sehr guten Freunden mag man es anders handhaben, aber bei Fremden im Internet müssen wir akzeptieren, dass sie uns selbst dann nicht alles anvertrauen, wenn es was zu erzählen gäbe.
      Es gibt keine Grenze, die ich für eine Pointe nicht überschreiten würde.

      ...darf man sowas in einem BDSM-Forum überhaupt sagen? Oder ist das dann auch wieder eine Grenzüberschreitung?
      Hilfe, ich bin in einer Logikspirale gefangen!
      Konsens ist leider nicht in allen Fällen eine zu 100% eindeutige Sache, anhand derer man Grenzfälle zwischen BDSM und Missbrauch immer zuverlässig unterscheiden kann.

      Falls Dom beispielsweise denkt, wir haben uns irgendwann mal abgestimmt, seither verschiebe ich die Grenzen immer weiter und sie folgt mir willig, also ist alles prima und ich mache so weiter. Wäre das dann ein Beispiel für "versehentlichen Missbrauch", wenn Sub es insgeheim längst nicht mehr geheuer ist? Wie oft muss man sich beispielsweisse rückversichern, ob ein Konsens weiter besteht und ausgebaut werden kann, wenn von Sub nichts eindeutig Gegenteiliges jemals zum Ausdruck gebracht wird?

      Jetzt in erster Linie als Beispiel.

      Edit, und ich finde, es ehrt einen angehenden Dom, sich darüber Gedanken zu machen und das zu disktutieren :thumbup:

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      Worte haben eine Wirkung. Mit Worten definieren wir Realitäten.
      "Missbrauch" ist ein hartes Wort. Es macht die einen zu Tätern und die anderen zu Opfern. Es beinhaltet Schuld.

      Es fällt mir nicht schwer, Missbrauch auch als solchen zu benennen.
      Allerdings wäre ich selbst im persönlichen Gespräch mit nahestehenden Personen sehr vorsichtig damit, von mir aus als erste von Missbrauch zu sprechen, wenn ich das Gefühl hätte, da läuft etwas schief. Umso zurückhaltender wäre ich im Internet bei zumeist fremden Menschen damit, eine Situation, von der ich nur Bruchstücke kenne, als (möglichen) Missbrauch zu bezeichnen.

      Das Erleben: "Ich wurde missbraucht", kann einen Schock auslösen; nicht umsonst wird es oft so intensiv abgewehrt, selbst wenn es sich für den Betroffenen später als zutreffend herausstellt.
      Es kann einen Menschen stark verunsichern und im schlimmsten Falle sogar traumatisieren, wenn man ihm unterstellt, er wäre missbraucht worden, obwohl er sich gar nicht missbraucht fühlt.
      Eine eher unsichere Person kann dadurch in starke Zweifel in Bezug auf sich selbst, die eigene Wahrnehmung, die betreffende Beziehung gestürzt werden.

      Woher kann ich von außen wissen, ob der andere sich missbraucht fühlt? Woher nehme ich mir das Recht zu beurteilen, wie es dem anderen geht?
      Auch wenn ich "nur frage": ich setze in diesem Moment das Konzept "Missbrauch" in Bezug zu der anderen Person. Ich empfinde das tatsächlich als sehr grenzwertig, sogar grenzüberschreitend. In dem Moment mache ich den anderen zum Opfer, der sich bis dahin vielleicht gar nicht als Opfer gefühlt hat.

      Ich finde es stattdessen viel hilfreicher, offen nachzufragen, wie es dem anderen damit geht und möglichst wenig wertend die eigene Wahrnehmung in Bezug auf die entsprechende Situation zu schildern, so wie es in den oben genannten Zitaten geschehen ist.

      Ich würde versuchen, genau hinzuhören, welche Worte der Betroffene selbst wählt. Wie ist sein Erleben? Wie definiert er seine Realität?
      Es kann unterstützend sein, die eigenen Gefühle dabei zu schildern im Sinne von: es macht mich traurig/ wütend/ ich mache mir Sorgen etc., wenn ich das höre/ lese. Alles andere empfinde ich als übergriffig.

      Ich finde es gut und richtig, jemanden dabei zu unterstützen, Missbrauch als solchen zu benennen, der diesen erlebt hat und auch für sich dieses Wort wählt.
      Ich empfinde es aber als falsch, jemandem zu unterstellen, missbraucht worden zu sein, der- aus welchem Grund auch immer- selbst nicht von Missbrauch spricht.
      "Unsere Sehnsüchte sind unsere Möglichkeiten. "
      Robert Browning
      @Hera:
      Missbrauch ist nicht immer eine Straftat. Gerade bei emotionalem Missbrauch muss da schon viel zusammen kommen, damit es strafrechtlich relevant wird. Ich denke eher, dass ein Grund für die unterschiedliche Handhabung von dem Wort liegt darin, dass viele Menschen bei Missbrauch an extreme Verbrechen denken. Dabei ist er meistens viel subtiler. Hier mal ein paar Beispiele:
      • Jemanden durch anschreien einschüchtern
      • Negative Konsequenzen androhen (z.B.: "Wenn du nicht ... machst, dann verlasse ich dich.")
      • Gaslighting (z.B.: Zu leugnen, dass man etwas getan hat und zu behaupten, dass das Opfer sich das nur eingebildet hat.)
      • Mobbing
      • Emotionale Erpressung (z.B.: "Liebst du mich denn nicht genug, um ... für mich zu machen?")
      • Kritik an der Person (z.B: "Du bist doch verrückt. Mit dir stimmt etwas nicht.")
      @Dominantseptakkord:
      Ich stimme dir natürlich zu, dass die von dir genannten Beispiele kein Missbrauch sind, sondern Unfälle. Es fehlt in den Beispielen nämlich, dass eine Person die andere gebraucht um ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen, ohne die Bedürfnisse der anderen zu berücksichtigen. Ich würde Fälle von Missbrauch, die nicht gezielt herbeigeführt werden auch nicht "versehentlichen Missbrauch" nennen, sondern unbewusst. Die meisten Fälle von Missbrauch laufen meines Wissens nach unbewusst ab. Die wenigsten Menschen denken sich "So, heute missbrauche ich mal meinen Partner/Mitarbeiter/Freund/etc." Das sind meisten erlernte, unbewusste Verhaltensweisen, die wir in bestimmten Situationen einfach abspielen.

      Ob und wie man es ansprechen sollte, wenn man Probleme in einer Beziehung vermutet ist natürlich ein schwieriges Thema. (Dazu gibt es hier im Forum auch schon einen Thread, wenn ich mich nicht irre.) Man kann z.B. nach mehr Informationen fragen und dann Ratschläge geben, wie die Person sich verhalten sollte. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das immer so sinnvoll ist. Ich bevorzuge es lieber Informationen zu geben und die Person selber überprüfen zu lassen, ob sie Hilfe braucht. Wenn es also z.B. um das Thema Missbrauch geht, erklären woran man ihn erkennt. Aber beides hat vermutlich Vor- und Nachteile. :pardon:

      @Eisn:
      Weil das mit den Grenzen so schwierig ist, würde ich persönlich einfach keine Grenzen ausweiten, ohne das vorher abzusprechen. Die selbe Schwierigkeit hat man aber natürlich auch, wenn sich die Grenzen von Sub verkleinern ohne, dass Sub es mitteilt. Deswegen ist Konsens auch kein Freifahrtschein, dass man innerhalb der festgelegten Grenzen alles machen kann, was man möchte. Konstante Achtsamkeit und Einfühlungsvermögen sind deswegen meines Erachtens nach unerlässlich.

      Und danke für das Kompliment. :rot: Ich nehme an das galt mir?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von AppreciationPrince ()

      AppreciationPrince schrieb:

      @Hera:
      Missbrauch ist nicht immer eine Straftat. Gerade bei emotionalem Missbrauch muss da schon viel zusammen kommen, damit es strafrechtlich relevant wird. Ich denke eher, dass ein Grund für die unterschiedliche Handhabung von dem Wort liegt darin, dass viele Menschen bei Missbrauch an extreme Verbrechen denken. Dabei ist er meistens viel subtiler. Hier mal ein paar Beispiele:


      Jemanden durch anschreien einschüchtern

      Negative Konsequenzen androhen (z.B.: "Wenn du nicht ... machst, dann verlasse ich dich.")

      Gaslighting (z.B.: Zu leugnen, dass man etwas getan hat und zu behaupten, dass das Opfer sich das nur eingebildet hat.)

      Mobbing

      Emotionale Erpressung (z.B.: "Liebst du mich denn nicht genug, um ... für mich zu machen?")

      Kritik an der Person (z.B: "Du bist doch verrückt. Mit dir stimmt etwas nicht.")
      OK, das was Du hier teilweise als Missbrauch bezeichnest würde ich anders bezeichen, da habe ich mich mit meiner Antwort auf Dein Posting gestützt, dass Du als Aufhänger für diesen Thread genommen hast. Wie immer mal wieder also ein Missverständnis bei der Definition.

      Wenn Deine Frage als auf den Gebrauch des Wortes Missbrauch abzielt, nein, nutze ich höchst selten weil ich z. B. Dein erstes Beispiel auch nicht als solchen empfinde. Also keinen Kummer das Wort zu nutzen allerdings in einem anderen Kontext als Du es nutzt, da wäre ich wieder bei
      @Primrose "Worte haben eine Wirkung. Mit Worten definieren wir Realitäten.
      "Missbrauch" ist ein hartes Wort. Es macht die einen zu Tätern und die anderen zu Opfern. Es beinhaltet Schuld." Und mit Schuldzuweisungen ohne eine Situation wirklich beurteilen zu können bin ich eher vorsichtig.
      Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.

      Albert Einstein
      Moin,

      Hier wurde gerade ein schönes Beispiel für eine der Grenzsituationen gegeben:

      AppreciationPrince schrieb:

      Es fehlt in den Beispielen nämlich, dass eine Person die andere gebraucht um ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen, ohne die Bedürfnisse der anderen zu berücksichtigen.
      Füllen wir da ganze Theorie doch einmal mit Leben.
      • Dom benutzt Sub um sich an ihm/an ihr 'abzuarbeiten'. Um seine/ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Und zwar nur seine/ihre.
      Missbrauch? Degrading? Konsens? Non-Konsens? CNC? Meta-Konsens?

      Wenn man jetzt nur die Außensicht auf nur diese eine Situation hat und sich Sub in der Situation schlecht gefühlt hat und nur das schildert und nur einer schreit "Missbrauch", dann steht möglicherweise Dom auf einmal vor den Scherben einer tollen BDSM-Beziehung und mit einem Bein wg. Vergewaltigung im Gefängnis. Damit kann sein/ihr ganzes Leben ruiniert sein.

      Wenn da also nicht nach weiteren Hintergründen vorab geforscht wird, kannst du versuchen Sub soviel wie möglich Unterscheidungsmerkmale zwischzen Missbrauch und BDSM zu erklären. Einmal falsch verstanden ist das Unglück für beide (Dom und Sub) herbeigeredet.

      Deswegen wird hier mehr nachgefragt und weniger 'ausgesprochen'.
      Ich unterstelle mal, dass sich hier jeder der "augenscheinlichen" Nähe von Missbrauch und BDSM bewusst ist.

      Du hattest Beispiele für (möglichen) emotionalen Missbrauch genannt.
      Ich zeige jetzt, dass das meiste davon, Konsens vorausgesetzt, BDSM ist.

      AppreciationPrince schrieb:

      Jemanden durch anschreien einschüchtern
      Folgende Szene: 'Deliquent' (Sub) wurde im 'Gefängnis' dem 'Folterknecht' (Dom) vorgeführt. Dom schreit Sub in diesem Setting an. Emotionaler Missbrauch? Ich denke nicht. Sondern ihr Spiel.

      AppreciationPrince schrieb:

      Negative Konsequenzen androhen (z.B.: "Wenn du nicht ... machst, dann verlasse ich dich.")
      Ich modifiziere hier einmal:
      Dom schlägt Sub. Sub zappelt so, dass die Gefahr von schweren Verletzungen zunimmt.
      "Wenn du nicht still stehst, fessel ich dich so, dass du dich nicht mehr rühren kannst und als Strafe bekommst du die doppelte Anzahl Schläge".
      Emotionaler Missbrauch? Körperlicher Missbrauch? Ich denke nicht. Wenn es zu ihrem Spiel gehört.

      AppreciationPrince schrieb:

      Gaslighting (z.B.: Zu leugnen, dass man etwas getan hat und zu behaupten, dass das Opfer sich das nur eingebildet hat.)
      Wieder folgende Szene: 'Deliquent' (Sub) wurde im 'Gefängnis' dem 'Folterknecht' (Dom) vorgeführt.
      Dom behauptet Sub nie angefasst zu haben und Sub soll nicht so lügen.
      Jedes Mal, wenn Sub sagt 'Ich wurde geschlagen.' bekommt Sub einen weiteren Schlag.
      Emotionaler Missbrauch? Körperlicher Missbrauch? Ich denke nicht. Sondern ihr Spiel.

      AppreciationPrince schrieb:

      Emotionale Erpressung (z.B.: "Liebst du mich denn nicht genug, um ... für mich zu machen?")
      Auch hier modifiziere ich leicht wieder:
      "Och, einen Schlag hälst du doch noch aus ... . Nur noch eine Runde Orgasmen ... . Für mich ..."
      Emotionale Erpressung? Ich denke nicht. Sondern ihr Spiel.

      In all meinen Gegenbeispielen kann es sein, dass Sub sich nicht wohlfühlt, nicht wahrgenommen fühlt.
      Nimmt man jetzt jede Situation allein, aus nur einer Perspektive erzählt, ohne den Hintergrund der Beziehungsdynamik KANN das ganze BDSM oder Missbrauch sein.

      Du siehst also,es kommt immer auf den Kontext und die Beziehungdynamik an.

      Wenn man jetzt Sub oder Dom 'einredet' es wäre Missbrauch, und sei es auch nur im absolut wohlmeinenden Sinne, "es könnte Missbrauch sein, wenn ...", ja dann kann es sein , dass man ein Leben zerstört. Und dabei hat man doch nur helfen wollen ...

      Du wirst festgestellt haben/feststellen, dass hier meist nur eine Sicht, und diese nur ausschnittsweise, auf einzelne Situationen von den Ratsuchenden, die man normalerweise nicht mal persönlich kennt, dargestellt wird.
      Ist man da vorschnell mit dem Urteil oder auch dem 'Hinweis' "Es ist/könnte Missbrauch sein." bei der Hand, richtet man mehr Schaden an als gut ist.

      Deswegen wird hier meist versucht Hintergründe in Erfahrung zu bringen.
      Und das ist auch gut und richtig so.

      Ja, Missbrauch soll benannt werden, WENN es sich EINDEUTIG um Missbrauch handelt.
      Aber gerade im BDSM gibt es zu viele Grenzfälle.

      Und bedacht werden sollte auch: der Vorwurf 'Missbrauch' bzw. 'möglicher Missbrauch' ist schnell in der Welt und selten schnell wieder raus.
      Und kann, unter bestimmten Umständen, sogar den Tatbestand der üblen Nachrede darstellen.

      m2c

      imaginary
      Die Gedanken sind frei.
      Denken muss man sich erarbeiten.

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      Für mich ist es ganz wichtig, wie etwas erzählt wird.

      Habe ich das Gefühl, der Erzählende leidet tatsächlich und sucht Rat, um aus der Situation auszubrechen, gucke ich kritischer hin.
      Es ist ein Unterschied, ob ich gefragt werde, wie mit bestimmten Situationen umgegangen werden soll oder ob ich gefragt werde, ob "das normal ist im BDSM".

      Ich habe es schon öfters erlebt, dass gerade Unerfahrene mehr "mit sich machen lassen", als sie wirklich wollen, weil sie manipuliert werden mit z.B. Sätzen wie "Du bist ja gar keine echte Sub" oder "Du willst das doch eigentlich auch".

      Schon ganz früh habe ich meinen Töchtern beigebracht, dass sie sich von keinem Jungen/Jugendlichen sagen lassen müssen "Wenn du mich liebst, schläfst du mit mir/zeigst du mir deine Brüste/ schickst du mir ein Nacktfoto" o.ä. Für mich eine vergleichbare Situation, denn wenn sie nur mit ihm ins Bett steigen würde, weil sie ihn nicht verlieren will, wäre das Missbrauch, auch wenn sie nicht explizit nein sagt. Wenn sie ihm ein Nacktfoto schicken würde, um ihn nicht zu verlieren, obwohl sie es nicht will, wäre das Missbrauch. Und dabei ist es egal, ob sie 15 oder 17 wäre oder auch frisch 18 geworden.
      (Bitte jetzt nicht an der Minderjährigkeit aufhängen!)
      Das kann nur jemand nachvollziehen, der Missbrauch schon mal erlebt hat (egal in welchen Alter!) und weiß, wie paralysiert man in solchen oder ähnlichen Situationen ist und dann nicht klar denkend abwehren kann.

      Wenn nur einer der beiden Parteien etwas von der Gesamtsitution hat, nämlich Dom/Top und Bottom/Sub überwiegend (ungewollt) leidet, egal ob körperlich oder emtional, ist das für mich auch Missbrauch.
      Für mich ist es ebenso Missbrauch, wenn durch geschickte verbale Manipulation jemand dazu gebracht wird, Dinge zu tun oder zu ertragen, denen er ohne Manipulation (im normalen Gespräch) nie zustimmen würde und die dann hinterher auch zum Tabu erklären würde, es aber nicht darf und nicht irgendwie einen noch so kleinen Nutzen daraus zieht.

      Ich gebe denjenigen recht, die aufzeigen, dass im BDSM scheinbar viele Handlungen ohne Einverständnis geschehen, aber dann erzählt der/die Betroffene hinterher auch anders davon. Dann wird betont, dass man zwar nicht maso ist, aber die Unterwerfung liebt. Dann wird betont, dass es zwar demütigend war, aber es einen dennoch gekickt hat.

      Ich gebe denjenigen Recht, die erzählen, dass es auch im BDSM Unfälle geben kann. Auch da kommt es darauf an, wie hinterher davon berichtet wird. Erzählt der Betroffene dann lachend oder gespielt grummelnd als wohlwollende Warnung für Gleichgesinnte von Striemen, die da sind, wo sie nicht hingehören, von ausgekugelten Schultergelenken, von Abstürzen, die aufgearbeitet wurden? Dann ist doch alles gut. Die Wertschätzung auf beiden Seiten ist da.

      Bei Missbrauch fehlt die Wertschätzung seitens des Tops/Doms, er benutzt Bottom/Sub zu seinem Vergnügen, er benimmt sich (ohne Absprache und "Erlaubnis") egoistisch und nur er hat einen Mehrwert.
      Das ist für mich der Unterschied und ich würde durch Fragen meinerseits dem Ratsuchenden helfen, die richtige Entscheidung zu treffen, damit es ihm besser geht.


      Vielleicht ist es generell die Vorsichtigkeit der Menschen, Dinge zu umschreiben, damit sie sich nicht so "brutal" anhören.
      Viele reden ja auch nicht davon, dass jemand gestorben oder tot ist, sondern davon, dass jemand über den Jordan geht, über die Regenbogenbrücke, für immer eingeschlafen oder von seinem Leid erlöst worden ist.

      Wird der Tod oder Missbrauch ausgesprochen, steht das Wort knallhart, kalt und böse im Raum und macht erstmal sprachlos, bevor eine weitere Reaktion erfolgen kann. Es ist eine Tatsache, die sich nicht mehr schönreden lässt, während weich umschriebene Begriffe versöhnlicher wirken und kompromissbereiter.

      Nachtrag:
      Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass missbrauchte Menschen lange den Fehler bei sich selbst suchen und das Erlebte "entschuldigen".
      Nur durch die Sicht von außen, egal ob von Fremden, Freunden, Therapeuten kann auch der Missbrauch erkannt, ausgesprochen und akzeptiert und somit aufgearbeitet werden.
      Bitte scheut euch also nicht, bei Verdacht demjenigen mit Worten, Überlegungen, Ansichten dabei zu helfen, Missbrauch zu erkennen. Ist es kein Missbrauch, macht ihr nichts falsch, weil die Überlegungen und Empfindungen auf jeden Fall in die richtige Richtung gehen werden. Wird erkannt, dass es kein Missbrauch war, wird das auch kommuniziert und eure Bedenken helfen demjenigen, sich klarzuwerden über seine Neigung und auch dazu zu stehen.
      Auch wenn es widersprüchlich klingt:
      Ihr Ego muss stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können.
      Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.

      - John Bradshaw, Das Kind in uns -

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Isegrim_w_devot ()

      Es gibt genug Beziehungen in welchen ein Partner sich nicht wohl fühlt und und man sich nicht sicher ist, ob es das ist, was er oder sie will. Da man tief miteinander verbunden ist, traut man sich nicht etwas zu sagen oder macht aus (Verlust-) Angst mit.
      Ist das Missbrauch? Ein gefühlter bestimmt.
      allerdings kann der andere ja nichts dafür wenn man sich nicht lösen kann.
      Aber manche nutzen ihre Position einseitig aus, erpressen, und da geht es für mich los.
      Diesen emotionale und/oder körperlichen Missbrauch gibts auch unter BDSMlern, hatten wir hier auch schon, bzw. Versuche dazu.

      Ich war beim Lesen des Threads auch erst stutzig, was sie uns mitteilen will. Dass es ihr nicht gut geht damit? Oder will sie wirklich nur wissen, welche Art von Beziehung sie führt.


      Ich finde es ned schlimm, dass das Wort Missbrauch an sich gefallen ist. Man kann nicht genug hinweisen.

      AppreciationPrince schrieb:

      warum fühlt es sich so viel leichter an zu sagen "Oh, tut mir leid, da habe ich wohl deine Grenzen ein bisschen überschritten" statt zu sagen "Oh, tut mir leid da habe ich dich ungewollt missbraucht"?
      Vielleicht tatsächlich auch, weil nicht jede Grenzüberschreitung ein ungewollter (oder unbewusster) Missbrauch ist. Denn wie Du sagst, gehört dazu,

      AppreciationPrince schrieb:

      dass eine Person die andere gebraucht um ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen, ohne die Bedürfnisse der anderen zu berücksichtigen.

      Im BDSM kann es auch passieren, dass ich nicht meine eigenen Bedürfnisse im Sinn habe, sondern die meines Gegenübers - und dabei dessen Grenzen überschreite. Ein Hardcore-Masochist hält nicht jeden Tag gleich viel aus. Da kann man allein dessen masochistische Befriedigung anstreben und trotzdem zu weit gehen.

      Hinzu kommt, dass wir eben manchmal auch Konsens haben, dass Dom Sub zur eigenen Bedürfnisbefriedigung rücksichtslos gebrauchen darf. Auch in solchen Beziehungen kann es Missbrauch geben, das bestreite ich nicht! Aber die Definition wird komplexer und die Ferndiagnose entsprechend schwieriger.
      Es gibt keine Grenze, die ich für eine Pointe nicht überschreiten würde.

      ...darf man sowas in einem BDSM-Forum überhaupt sagen? Oder ist das dann auch wieder eine Grenzüberschreitung?
      Hilfe, ich bin in einer Logikspirale gefangen!
      Nachtrag, weil ich fürchte, dass ein falscher Eindruck entsteht:
      Lieber @AppreciationPrince, ich finde es gut, dass Du Dir all diese Gedanken machst. Du schreibst, dass Du noch keine oder kaum eigene Erfahrung gesammelt hast, Dich aber interessiert einliest. Das ist mir tausendmal lieber als jemand, der "einfach mal macht" und hinterher nachschaut, wie viele Scherben sich aufsammeln lassen. Meine Argumentation ist daher nicht gegen Dich oder Deine Frage gerichtet, sondern als Antwort darauf gemeint.
      Es gibt keine Grenze, die ich für eine Pointe nicht überschreiten würde.

      ...darf man sowas in einem BDSM-Forum überhaupt sagen? Oder ist das dann auch wieder eine Grenzüberschreitung?
      Hilfe, ich bin in einer Logikspirale gefangen!
      Hallo @AppreciationPrince, woran ich mich gestern schon ziemlich gestoßen haben, ist Deine vermeintlich klare und einfache Definition von Zustimmung, die Du im anderen Thread vorgestellt hast:


      AppreciationPrince schrieb:

      (…)


      Zustimmen bedeutet dabei, dass alle Beteiligten ...
      • wissen, zu was sie genau zustimmen,
      • jederzeit die Möglichkeit haben nicht zuzustimmen ohne negative Konsequenzen fürchten zu müssen und
      • aktiv Zustimmen, d.h. nicht "nein" zu sagen reicht nicht aus.
      Der einzige Unterschied zwischen einvernehmlichem BDSM und Missbrauch ist die Zustimmung der Beteiligten. Und ich finde es wichtig da genau hinzuschauen, damit es nicht passiert, dass sich zusätzlich zu den Dingen, denen man zugestimmt hat, noch etwas einschleicht, zu dem man nicht zugestimmt hat. Und ich finde es ebenfalls wichtig Missbrauch explizit als solchen zu benennen, weil es als Opfer sonst viel zu leicht ist sich die Situation schön zu reden.

      (…)

      So einfach, wie Du es hier darstellst, ist es leider nicht, egal, ob man nun eine Vanilla-Beziehung oder eine BDSM-Beziehung betrachtet.

      Punkt 1 ist dabei noch recht klar: natürlich muss den Partnern klar sein, worauf sie sich einlassen. Erwartungen, Neigungen, Tabus, Grenzen, Safeword, gesundheitliche Einschränkungen etc. vorher offen zu besprechen ist meiner Meinung nach BDSM typisch und völlig ohne Alternative.
      Eher ist dies in der Vanillawelt erstaunlich unüblich, und gerade hier sind dann Missverständnisse vorprogrammiert, was Vanillasex z. B. alles beinhalten kann.

      Punkt 2 finde ich schwierig. Konsequenzen hat jede Zustimmung/Ablehnung, bzw. kann sie haben. Würde ein Partner etwas immer ablehnen, was dem anderen ein wichtiges Bedürfnis ist, stellt sich als Konsequenz irgendwann die Frage nach der Beziehung an sich. Ob man das jetzt „negativ“ oder „positiv“ sieht, möchte ich dahingestellt lassen. Jedenfalls hängen daran ggf. weitere Entscheidungen, die niemand leichtfertig treffen wird.
      Wenn z.B. in einer Beziehungs-Konstellation ein Partner keinen Sex mehr haben möchte, dann ist das so und zu akzeptieren. Dennoch wird die Beziehung letztlich in Frage gestellt, mit allen sich daraus ergebenden, auch negativen Konsequenzen.

      Punkt 3 ist nett formuliert, jedoch insbesondere in bereits länger bestehenden Beziehungen lebensfern.

      Ich finde diese Vereinfachung gefährlich. Missbrauch ist ein sehr komplexes Thema, und es gibt Konstellationen, in denen die Rollen „Täter“ und das „Opfer“ nicht so offensichtlich verteilt sind.
      Versuche einer emotionalen Erpressung, mithin für mich eine der problematischsten Situationen, in die man geraten kann, können von außen betrachtet komplett entgegengesetzt wahrgenommen werden.

      Davor, es mit „einfachen Daumenregeln“ fassen zu wollen, kann man nur warnen!
      Dieses Thema hatten wir so ähnlich vor kurzem ja schon einmal, als es darum ging, in wie weit man sich "kümmern" sollte. Es ging da, ganz grob zusammengefasst, darum, in wie weit man sich in eine Beziehung einmischen soll, wenn man selbst der Meinung ist, dass da etwas nicht in Ordnung ist.

      Diese Thema geht, wie ich finde, in eine ähnliche Richtung.

      In wie weit darf ich etwas als Missbrauch bezeichnen, obwohl ich die Umstände gar nicht kenne? Nur weil ich ein Bauchgefühl habe? Weil es objektiv betrachtet Missbrauch sein könnte?


      Wie hier schon häufig gesagt wurde, ist allein das Wort "Missbrauch" extrem besetzt. Machtmissbrauch, Drogenmissbrauch, sexueller Missbrauch, alles in extrem negativem Kontext. Ich sehe daher auch den Ausspruch "du könntest missbraucht worden sein" sehr kritisch. Auch wenn er gut gemeint ist, allein die Wortwahl drängt den Adressaten in eine Opferrolle, in die er nicht rein gedrängt gehört.

      Es gehört sich nicht, Menschen zu erzählen, wie sie sich zu fühlen haben.

      Einem Menschen zu suggerieren, er sei missbraucht worden, ist genau so missbräuchlich.


      Wer sich Sorgen macht, der soll nachfragen. Und dann die Antwort akzeptieren.
      Sei Optimist - wenigsten solange man keine Tiere paarweise nach Cape Kennedy treibt.

      - Tennessee Williams -

      imaginary schrieb:

      Du hattest Beispiele für (möglichen) emotionalen Missbrauch genannt.
      Ich zeige jetzt, dass das meiste davon, Konsens vorausgesetzt, BDSM ist.

      Das sehe ich auch so. Ich bin davon ausgegangen, dass es klar ist, dass in den Beispielen der Konsens fehlt. Das hätte ich besser explizit dazu sagen sollen. Wenn aber alle Beteiligten zustimmen, dann ist natürlich alles in Ordnung. Ähnliche Situationen sieht man ja auch z.B., wenn sich zwei Schauspieler auf der Bühne als Teil des Theaterstücks beschimpfen oder zwei Kampfsportler im Rahmen eines Wettkampfes schlagen. Da sprechen wir ja auch nicht von Missbrauch.

      imaginary schrieb:

      Wenn man jetzt Sub oder Dom 'einredet' es wäre Missbrauch, und sei es auch nur im absolut wohlmeinenden Sinne, "es könnte Missbrauch sein, wenn ...", ja dann kann es sein , dass man ein Leben zerstört.

      Das ist zwar theoretisch denkbar, halte ich aber für extrem unwahrscheinlich. Wenn kein Missbrauch vorliegt, dann werden die Partner das ja relativ schnell merken. Für so fragil halte ich einvernehmliche Beziehungen nicht, dass sie am Satz „Falls … vorliegt, dann ist das Missbrauch“ zerbrechen.

      Primrose schrieb:

      Das Erleben: "Ich wurde missbraucht", kann einen Schock auslösen; nicht umsonst wird es oft so intensiv abgewehrt, selbst wenn es sich für den Betroffenen später als zutreffend herausstellt.
      Es kann einen Menschen stark verunsichern und im schlimmsten Falle sogar traumatisieren, wenn man ihm unterstellt, er wäre missbraucht worden, obwohl er sich gar nicht missbraucht fühlt.
      Eine eher unsichere Person kann dadurch in starke Zweifel in Bezug auf sich selbst, die eigene Wahrnehmung, die betreffende Beziehung gestürzt werden.

      Ich muss zugeben, dass ich an so eine Situation nicht gedacht habe. Danke, dass du das angesprochen hast.

      Trotzdem geht Missbrauch nicht spurlos an einem vorbei, auch nicht, wenn man sich nicht „missbraucht fühlt“. Daher ist die schwierige Frage: Nenne ich es Missbrauch mit dem Risiko, dass es einige Leute schockiert und verunsichert. Oder nenne ich es nicht Missbrauch mit dem Risiko, dass sich ein Missbrauchsopfer nicht als solches erkennt und keine Schritte zur Besserung unternimmt, sondern die Situation immer schlimmer wird?

      Ich tendiere (noch) zu Ersterem, auch wenn ich einige (und dank diesem Thread noch mehr) potentielle Probleme dieser Vorgehensweise sehe.

      Isegrim_w_devot schrieb:

      Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass missbrauchte Menschen lange den Fehler bei sich selbst suchen und das Erlebte "entschuldigen".
      Nur durch die Sicht von außen, egal ob von Fremden, Freunden, Therapeuten kann auch der Missbrauch erkannt, ausgesprochen und akzeptiert und somit aufgearbeitet werden.
      Bitte scheut euch also nicht, bei Verdacht demjenigen mit Worten, Überlegungen, Ansichten dabei zu helfen, Missbrauch zu erkennen.

      Das ist auch meine Erfahrung.

      Es gibt Situationen, die beim ersten mal zwar etwas unangenehm sind, aber noch keine langfristigen, psychologischen Folgen haben, nach 10, 20 oder 100 Wiederholungen aber schon. Da kann es etwas übertrieben wirken, das beim ersten Mal bereits als Missbrauch zu bezeichnen. Aber haben wir denn so viel Kontakt zu der Person, bzw. schreibt sie so viele Beiträge, dass wir 20 mal den Verdacht auf Missbrauch haben, bevor wir ihn als solchen ansprechen? Meistens nicht. Deshalb finde ich es wichtig, (potentiellen) Missbrauch gleich beim ersten mal als solchen anzusprechen. Wenn wir das nicht tun, dann kann sich das Opfer viel leichter einreden, dass alles in Ordnung ist, statt sich Hilfe zu holen. Das Problem zu erkennen ist der erste Schritt. Und an diesem Schritt scheitert es bei den meisten Opfern, weil wir es nicht explizit ansprechen, sondern nett umschreiben.

      Dominantseptakkord schrieb:

      Nachtrag, weil ich fürchte, dass ein falscher Eindruck entsteht:
      Lieber @AppreciationPrince, ich finde es gut, dass Du Dir all diese Gedanken machst. Du schreibst, dass Du noch keine oder kaum eigene Erfahrung gesammelt hast, Dich aber interessiert einliest. Das ist mir tausendmal lieber als jemand, der "einfach mal macht" und hinterher nachschaut, wie viele Scherben sich aufsammeln lassen. Meine Argumentation ist daher nicht gegen Dich oder Deine Frage gerichtet, sondern als Antwort darauf gemeint.

      Danke für den Nachtrag. Ich finde es sehr schön, dass du dir Gedanken darüber machst, wie ich mich fühlen könnte. ^^ Ich kann dich aber beruhigen. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich in irgendeiner Weise angegriffen werde. ;) Generell bin ich positiv Überrascht darüber, wie sachlich und differenziert auf die verschiedenen Ansichten und Argumente eingegangen wird. So schöne Diskussionen bin ich gar nicht gewöhnt. Danke auch an alle anderen dafür!

      Gordon schrieb:

      Davor, es mit „einfachen Daumenregeln“ fassen zu wollen, kann man nur warnen!

      Ich sehe die Gefahr eher darin, keine konkreten Regeln zu haben und sich stattdessen auf sein Gefühl zu verlassen. Unser Gefühl ist meiner Meinung nach keine verlässliche Basis um Missbrauch zu vermeiden. Wir fühlen uns ja auch nicht immer für alles schlecht, was wir im Affekt sagen oder wenn wir Dinge sagen wie z.B. „Ach komm schon, sei kein Spielverderber.“ oder „Eine gute Sub würde das machen.“ Trotzdem sind das Fälle von emotionaler Erpressung (falls das nicht einvernehmlich gesagt wurde).

      Diese Regeln sind ja auch nicht zufällig gewählt:
      • Punkt 1 ist dazu da, um Missbrauch nicht damit zu rechtfertigen (und gegebenenfalls über sich ergehen zu lassen), dass man zu anderen oder ähnlichen Dingen zugestimmt hat.
      • Punkt 2 ist dazu da, um vor Missbrauch zu schützen, der mit Aussagen/Gedanken wie z.B. „Aber du hast doch zugestimmt!“ oder „Ich bin selber Schuld. Ich hab ja zugestimmt.“ gerechtfertigt wird.
      • In akuten Stresssituation regiert unser Gehirn in einer von drei Verhaltensweisen: Kampf, Flucht oder Erstarren. Und in vielen Missbrauchssituationen ist weder Kampf noch Flucht eine Option. Deswegen reagieren viele Opfer damit einfach still zu sein und sich nicht zu wehren. Und genau um vor solchen Situationen zu schützen ist Punkt 3 da.
      Sich dieser drei Punkte bewusst zu sein kann dabei helfen Missbrauch in denjenigen Situationen zu vermeiden, in denen Missbrauch zwar stattfindet, sich aber auf der Täterseite nicht falsch anfühlt, bzw. in denen wir als Opfer den Missbrauch rechtfertigen oder schön reden.
      Persönliche Erfahrung zum Thema (falls OT bitte löschen- ich kann das gerade nicht so genau einschätzen), weil hier ja eher zu einem Meinungsbild gefragt wurde und nicht zu Erfahrungen:

      Geht es hier generell darum, den Begriff Missbrauch zu verwenden bzw. nicht zu verwenden oder geht es darum, ihn in so einem Forum zu verwenden/nicht zu verwenden?

      Ich denke, die virtuelle Welt des I-Net und der Foren hat so ihre Tücken im zwischenmenschlichen Miteinander und unterscheidet sich deutlich von face-to-face Kontakten. Das hat manchmal Vorteile und manchmal, wie es eben so ist, auch gewisse Nachteile.

      Letztlich liegt es wohl in der Persönlichkeit eines Jeden Menschen, ob er eher vorsichtig im Kontakt mit anderen Menschen agiert, mit dezentem Nachfragen oder sehr konfrontativ sogar bestimmte harte Begrifflichkeiten verwendet (und alle Schattierungen dazwischen).

      Ich kann beiden Ansichten etwas abgewinnen bzw. beide Ansichten verstehen: Weshalb man eher vorsichtig agiert oder weshalb man sehr direkt sein möchte.

      Meine persönliche Erfahrung im Bereich von "BDSM"-Beziehung (Beziehung mit Einfluss-Gefälle) ist, dass ich von meinem Sir bis zum Anschlag meiner Selbst herausgefordert wurde und werde und dass auch ich ihn in seiner Dominanz herausfordere. Unser Beziehungs-Spiel bewegt sich stark auf einem schmalen Grenzgang.

      Ich erzähle deshalb wenig persönliche Details in so einem Forum, weil die Mehrheit der Leser wohl auch kritisch wäre und Machtmissbrauch sähe oder befürchten würde. Die Liebesbeziehung aber, die ich führe funktioniert so und letztlich nur die nahen Menschen in meinem Leben spüren einfach, dass es mir gut geht und ich im Leben sogar stärker werde („Er tut Dir gut“, bekam ich gesagt), obwohl ich manchmal schon in meiner Beziehung bis zum Umfallen litt und verzweifelt kämpfte!

      Ich hätte anfangs einer öffentlichen Diskussion um meine Beziehung NICHT standgehalten, glaube ich und finde einfach, öffentlicher Raum ist dafür auch nicht geeignet.
      Was man per PN miteinander besprechen oder diskutieren kann ist dann für mich noch mal ein wenig anders. Aber auch da, ist der Austausch stark begrenzt, durch das reine Schreiben. Die wenigsten Menschen gehen darüber in einen so intensiven Kontakt, dass tatsächlich ein Minimum an gegenseitigem Verstehen möglich wäre (ist nur meine bisherige Erfahrung, hier).

      Was man mit einer Person macht/ihr raten soll/helfen soll, die irritiert auf Grund ihrer Erlebnisse in einer Beziehung mit Gefälle, hier einen thread eröffnet, weiß ich oft selber nicht. Aber wenn es zu persönlich wird, finde ich, sollte man auf PN umsteigen. Auch wenn einige der Meinung sind, dass dann damit vielleicht ein Teil des Nutzens von so einem Forum verloren ginge? Ich denke, je persönlicher die Ansichten zu sehr persönlichen Themen: Dann PN. Und die Gedanken daran, jemand könne missbraucht werden, gehören für mich eben auch, mindestens in eine PN. Aber vorsichtiges Nachfragen, ob es der Person wirklich gut geht, auch. Aus Beidem spricht schließlich etwas Sorge und ein "hey, schau mal hin, ich habe den Eindruck, es ginge Dir evtl. nicht so gut?".

      Und in den öffentlichen Bereich, gehört für mich eher das Mitteilen persönlicher Erfahrungen a la: Bei mir habe dies oder jenes so erlebt und dabei so und so gefühlt und so und so gehandelt (wenn man mal ein ähnliches Erleben hatte).


      Ist nur meine derzeitige Ansicht :gruebel: *grübelgrübel*

      E`s d (Liza)
      Missbrauch ist lt. Duden "Vergewaltigung; Anwendung sexueller Gewalt, besonders gegenüber Kindern"

      Ein Kind ist laut Duden u.a. "Mensch, der sich noch im Lebensabschnitt der Kindheit befindet (etwa bis zum Eintritt der Geschlechtsreife), noch kein Jugendlicher ist; noch nicht erwachsener Mensch"

      Ich bin der Ansicht, dass es an vielen Faktoren hängt, ob etwas Missbrauch ist oder nicht. Bei Kindern ist es m. E. nicht diskutabel, denn m. E. nach können Kinder (siehe Definition von Kind oben) nicht mit (voller) Reife in sexuelle Aktivitäten, welcher Art auch immer, einwilligen. Daher sind sexuelle Handlungen an und mit Kindern für mich immer als Missbrauch zu werten.

      Bei Jugendlichen (oder beeinträchtigten Personen) hängt es von verschiedenen Faktoren ab, v. a. von der Reife des/ der Einzelnen, ob ggf. von Missbrauch gesprochen wird oder ob doch eine gültige Einwilligung vorliegen kann.

      Bei Erwachsenen, geistig ausgereiften Menschen, ist es dann Missbrauch, wenn der/ die Betroffene in Handlungen nicht einwilligt und dennoch sexuelle Handlungen vollzogen werden. Dann gibt es immer Opfer und Täter. Jetzt gibt es aber auch viele, viele Graubereiche. Es wurde nicht explizit verneint, Einwilligung wird widerrufen u.ä.

      Ich finde es schwierig, einem Erwachsenen (und nur von gesunden Erwachsenen spreche ich in der Folge) von außen "überstülpen" zu wollen, er sei missbraucht worden bzw. Opfer von Missbrauch geworden. Dies "auszusprechen", sollte m. E. in der Verantwortung des Opfers liegen. Es gibt bei Erwachsenen keine starren Grenzen, was Missbrauch ist und was nicht, daher bin ich der Ansicht, es sollte mit der Vokabel nicht leichtfertig umgegangen werden, auch, da Missbrauch eine schwere Straftat ist.
      "Until I next see you, Safe Home will you go." (an der Wand eines irischen Pubs gelesen)
      "Merkwürdig, wie wir die anderen beurteilen und nicht merken, wie elend unsere Geringschätzung ist - [...]" Carlos Ruiz Zafón: "Der Schatten des Windes"
      "Nur eins beglückt zu jeder Frist: Schaffen, wofür man geschaffen ist." Paul Johann Ludwig von Heyse

      AppreciationPrince schrieb:

      Wäre es weniger kontrovers gewesen, wenn ich stattdessen körperliche und psychische Gewalt gesagt hätte? Und warum fällt es uns so schwer Missbrauch auch so zu nennen?
      beides beinhaltet für mich ein Opfer welches zu schützen ist.

      Gewalt ist nicht einvernehmlich und somit ist eine Person dann Opfer dieser Gewalt.....Jemand missbraucht jemand anderen....ebenfalls ein Opfer.
      Wie ich das auch drehe und wende....es ist immer negativ.

      AppreciationPrince schrieb:

      Findet ihr es wichtig, Missbrauch explizit als solchen zu bezeichnen? Oder stört euch etwas daran? Was fällt euch generell zu dem Thema ein?
      Auf jeden Fall- so geht auch Opferschutz!

      Auf der anderen Seite ist das natürlich auch ein schwerer Vorwurf und niemand möchte wohl "fälschlicherweise" hier als Täter verurteilt oder sogar vorverurteilt werden.

      Natürlich gibt es da auch "Grauzonen"...da wird es dann schwierig und man kann es nur im Einzelfall betrachten

      AppreciationPrince schrieb:

      Missbrauch ist nicht immer eine Straftat.
      Klares Nein!.....

      zumindest wenn ein Opfer dabei heraus kommt....
      An den Kreuzungen des Lebens stehen leider keine Wegweiser.

      Louise schrieb:

      Missbrauch ist lt. Duden "Vergewaltigung; Anwendung sexueller Gewalt, besonders gegenüber Kindern"
      Das ist die Duden-Definition, ja. Ich glaube aber, für die Zwecke dieses Threads ist die Beschränkung auf sexuelle Gewalt zu eng gefasst. Vielleicht wäre Misshandlung der passendere Begriff gewesen, denn ich verstehe den Thread so, dass auch nicht-sexuelle Gewalt erfasst sein soll (Stichwort psychischer Missbrauch). Das nur als kleine Anmerkung, bevor es wegen unterschiedlicher Definitionen zu Verwirrung kommt.
      Es gibt keine Grenze, die ich für eine Pointe nicht überschreiten würde.

      ...darf man sowas in einem BDSM-Forum überhaupt sagen? Oder ist das dann auch wieder eine Grenzüberschreitung?
      Hilfe, ich bin in einer Logikspirale gefangen!