Wie ertragt ihr eine Züchtigung?

      Teufelanna schrieb:

      @Wingardium ich kann dich da sehr gut verstehen.
      Ich kam meinem masochismus sehr lange absolut nicht klar. Habe ihn verleugnet und das vorallem vor mir selbst. "So" bin ich schließlich nicht, "so" darf ich nicht sein.
      Wenn ich mich gesträubt habe, dann konnte "überwältigt" werden und damit die Verantwortung an mein Gegenüber abgeben ala "ich will das ja nicht freiwillig, aber jetzt habe ich ja keine alternative mehr"
      Danke @Teufelanna, für einen Beitrag.

      Ich bin ehrlich froh, dass ihr mich versteht. Ihr helft mir gerade dabei, mich selber zu verstehen.
      Ob das aufhört und wann hängt davon ab ob du diese Denkweise überwinden kannst.
      Keiner kann dir das beantworten.
      Ich kann es dir in Bezug auf genau diese Fragestellung nicht beantworten.
      Bei anderen Dingen habe ich mich sehr schwer getan sie anzunehmen.
      Es hat erst jemanden gebraucht der mit vermittelt hat, dass es gar nicht so besonders ist was ich mir vorstelle. Dann kam der Prozess in Gang.
      Ich denke mal, dass das bei allem ist, was irgendwie illegal oder gesellschaftlich als falsch angesehen ist. Wenn ich bspw. bei rot über die Ampel gehen würde (was ich aber nie tue), würde ich wahrscheinlich panisch umherschauen und eventuell sogar laut aussprechen, dass ich das „sonst ja nie tue“. Einfach, um es irgendwie in Ordnung zu machen.
      Dein Wehren und Sträuben versucht wahrscheinlich einfach, deinem Kopf klar zu machen, dass du etwas „Falsches“ trotzdem tust bzw. zulässt.
      Ich stimme den anderen aber zu, dass man dir da schlecht auf die Frage antworten kann, ob sich das ändert. Vielleicht gewöhnst du dich an die Situationen, vielleicht aber auch nicht.

      Vielleicht bist du in der Situation gedanklich noch nicht ganz angekommen und musst es mit dem Sträuben noch kompensieren. Wenn es aber niemanden stört: Wieso auch nicht? :)

      Wingardium schrieb:

      Es ist zum Mäuse melken. Ich weiß, dass ich es wieder nicht richtig rüber bringen kann :sofa: .

      Hallo @Wingardium,
      wenn ich richtig verstanden habe was du geschrieben hast, dann hast grundsätzlich du kein Problem damit gezüchtigt zu werden. Eigentlich magst du es.

      Das Problem ist eher, das diese Situation allgemein moralisch, gesellschaftlich, in der allgemeinen Auffassung, im allgemeinen Wertesystem ein NoGo darstellt.

      „Frauen schlägt man nicht!“, „Körperliche Züchtigung ist explizit kein Erziehungsmittel!“

      Wir sind (glücklicherweise) alle mit diesen Werten aufgewachsen (was früher nicht so war).
      Haben sie verinnerlicht, sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen.
      Auch wenn sich diese grundsätzlich richtige Regelung natürlich auf Situationen bezieht, die explizit nicht einvernehmlich sind, bleibt unsere Erziehung doch an uns haften. Frauen bzw. Mädchen (mittlerweile zum Glück die Jungs auch) lernen schon im Kindergarten, dass sie sich wehren, weglaufen, schreien, Hilfe holen sollen. Richtig! Sehr Richtig!

      Die Situation bei der Züchtigung jetzt ist nicht so anders als die Situationen, für (oder gegen) die sich diese Erziehung richtet. Der Unterschied ist, es ist einvernehmlich. Damit in Ordnung sagt der Kopf. Du magst diese Situation. Kannst sie genießen. Aber trotzdem meldet sich im Hintergrund deine Erziehung, die sagt, das ist doch eigentlich nicht in Ordnung. Das führt für dich zu Unsicherheiten im Verhalten.

      Ich kenne diese Unsicherheiten aus Dom-Sicht. Eigentlich ist es schön, lustvoll, beide genießen es, aber meine Erziehung sagt immer mal wieder falsch…falsch…falsch…
      Außer dass es für mich ein halbes Leben gedauert hat, bis ich meine Neigung soweit akzeptiert habe, sie tatsächlich umzusetzen, hat es auch dann, und zwischenzeitlich immer noch zur Folge, dass sich mir diese Fragen nach der grundsätzlichen Richtigkeit stellen…
      Ich versuche sie mehr oder weniger erfolgreich zu ignorieren…
      Ja @jg72, du hast mich richtig verstanden. Ich mag es.

      Es tut gut zu lesen, dass dieses "Problem" auch auf Dom-Seite besteht.
      Und auch ich, bin ja noch nicht so lange dabei. Ich lebe nun schon sehr lange nach den anerzogenen Wertvorstellungen. Da wird es sicherlich noch ein wenig Zeit und auch Arbeit bedeuten, bis mein Unterbewusstsein, der Sub in mir den Raum gibt, die sie braucht.
      Ich kenne solche Situationen des Zwiespaltes auch: Ich hätte schon Lust drauf, es tut mir eigentlich gut, aber aus Gründen von xyz will ein nicht unerheblicher Anteil in mir auch gerade nicht.

      Mein BDSM lebt zu einem Großteil davon, dass ich mich gerne wehre, protestiere, bettele, kämpfe und verlieren/überwältigt werden möchte.

      Kürzlich wollte ich keinen Orgasmus von meinem Sir geschenkt bekommen. Er kann ihn sich aber mit Nachdruck regelrecht einfordern, mittlerweile, und erst danach war ich den Tränen nahe und auf "gelb".

      Der Verdacht lag uns nahe (im gemeinsamen Austausch, warum ich bei "gelb" sei), dass ich mich nicht genügend dagegen gewehrt hatte. Meinem inneren Anteil von "ich will nicht", nicht mehr Ausdruck verliehen habe und zu schnell dem Fordern meines Sirs nachgegeben hatte (ich weiß auch, weshalb es mir so passierte- aber anderes Thema).

      Denn es ist uns eigentlich Beiden längst klar, dass wir es gerne mögen: Miteinander zu Rangeln.

      Ich getraue mich aber oft auch nicht so richtig, mich zu wehren. Ich möchte meinen Sir ja weder emotional noch körperlich verletzen. Ich liebe ihn doch. Und das, was mir beim Wehren dann ja auch zurück "weht" ist extrem Intensiv: Überwältigt zu werden ist schon ein sehr riskantes Gefühl, finde ich.

      Jedenfalls mag ich rangeln und es gehört für mich dazu.

      Ob es "aufhört"? Nein, bei mir (uns) nicht. Ja, mit der Zeit werde ich "braver", aber je nach aktuellen Themen in den Lebenssituationen und der Beziehungssituation gibt es immer wieder ein Wehren und Bezwungen werden.

      In meinem/unserem Fall nicht nur körperlich, sondern auch geistig-seelisch (sehr anstrengend und mit Vorsicht zu genießen!).

      E`s d (Liza)
      Weswegen es mir nicht schwer fällt, hart Hand an meine Kleine zu legen, ist, weil es für mich ein besonderer Kontext ist, der sich ein bisschen so ähnlich anfühlt wie z.B. Kampfsport. Da gibt es beim (traditionellen japanischen Kampfsport)-Training ja auch Tori - den aktiven, angreifenden Part - und Uke - den passiven, erleidenden Part. Es ist da überhaupt kein Problem, wenn Uke von Tori zu Boden geworfen, gewürgt, geschlagen, getreten, kontrolliert wird. Und zwar weil Übereinkunft über die Rollen besteht, alle diese Rollen selbstbestimmt und freiwillig einnehmen und es klare Absprachen gibt, die für die relative Sicherheit der Beteiligten sorgen. Kaum jemand würde auf die Idee kommen, Kampfsportlern zu sagen: "Aber das macht man doch nicht!" Niemand würde von Uke fordern, mit allen Mitteln heftigen Widerstand zu leisten. Bei dem, was Dom mit Sub macht bzw. was Sub durch Dom mit sich machen lässt, ist es für mich genauso.
      Das allein lernte ich bisher, daß dem Menschen sein Bösestes nötig ist zu seinem Besten.

      Anfuehrungszeichen schrieb:

      Und zwar weil Übereinkunft über die Rollen herrscht, alle diese Rollen selbstbestimmt und freiwillig einnehmen und es klare Absprachen gibt, die für die relative Sicherheit der Beteiligten sorgen. Kaum jemand würde auf die Idee kommen, zu sagen: "Aber das macht man doch nicht!" Mit dem, was Dom mit Sub anstellt, ist es für mich genauso.
      An diesem Punkt ist mein Unterbewusstsein leider noch nicht angekommen. Aber ich arbeite daran.