Naturdominat/-devot

      Naturdominat/-devot

      Angeregt durch einen anderen Thread und weil ich auch immer mal wieder hier, wie auch in der Com über die Worte naturdominant/-devot stolpere würde ich gerne mal wissen was genau das für die Nutzer ist?
      Dominant und devot/submissiv sind für mich Teile der Persönlichkeit, die in der Interaktion mit (einigen) Menschen oder in Situationen zu tage kommen. Ich kann das "natur" da irgendwie nicht unter bringen. Ich suche da eine Abgrenzung zu "nur" devot/dominant.
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      Evelyn Beatrice Hall
      Also...ich weiß es auch nicht.
      Mir kam aber ein Gedanke. Vielleicht ist es wie bei Obstbäumen.
      Man kann einen sortenreinen Apfel/anderes Obst entweder so züchten, aus einem Samen.
      Dann ist die Pflanze von natur aus die Sorte, wie ein Mensch, der seit seiner Geburt quasi dominant ist und wahrscheinlich schon versuchte, die Eltern zu dominieren als er noch Windeln trug. Dieser Mensch weiß dann schon seit gefühlt immer, dass er dominant ist.

      Oder Pflanze wird veredelt. Man pflanzt dann einen Trieb der gewünschten Edelsorte auf einen Wildstamm.
      Dann wächst der Baum veredelt weiter.
      Was heißt, die Dominanz war zwar vielleicht schon schlummernd da, veredelte sich aber im Laufe des Lebens zu einer Dominanz, die sich auch nach außen zeigt.
      Weiterentwickeln wird sich wohl beides im Laufe des Lebens.

      Wenn ich das Blödsinn denke, bitte bescheid sagen :huh: :D
      Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein
      Friedrich Nietzsche
      Ich denke dahinter steckt der wunsch nach etwas "einfachem". Im profil steht ja naturdominant/- devot. Also muss er, sie, es ja so sein sonst wärs ja kein richtiges bdsm.
      Man will ja etwas authentisches weil es ja sonst keinen spaß macht und man sich nicht verarscht vorkommen will. Das ganze soll noch dazu nicht zu kompliziert sein und bloß keine arbeit machen.
      Mein Eindruck war bisher, dass durch das natur- als Präfix eine Abgrenzung im Sinne von "besonders stark ausgeprägt", "schon immer da gewesen" oder "nicht erlernt" darstellen soll. So interpretiere ich zumindest die Verwendung.

      Ich finde solche Beschreibungen etwas befremdlich, es wirkt auf mich oft eher wie eine elitäre Abgrenzung als eine wertvolle Information und in meiner Erfahrung geht es oft mit wenig vielschichtigen Annahmen über den Ursprung von Neigung und Charakterzügen einher ("ist angeboren").
      Damit kann ich nicht viel anfangen, deshalb nehme ich einfach zur Kenntnis, dass der Autor wahrscheinlich etwas wie die oben genannten Dinge ausdrücken wollte und belasse es dabei ^^
      Also ich versteh das natur davor auch nicht.
      Entweder man ist es oder man ist es nicht.

      Deshalb kommen mir nur zwei Ideen, wofür jemand diese Bezeichnungen verwenden könnte;
      Ersteres wäre wenn sich die „naturdevote“ Person, eher schüchtern und eher „unterwürfig“ auch im Alltag gibt oder im Umkehrschluss dominant. Und somit denkt, dies sei etwas anderes, als zum Beispiel ne forschere Frau im Alltag….
      Oder zweiteres sie meinen, es sei von anderen bloss ein „Spiel“ (dieses Wort spaltet ja auch schon an sich bei der Verwendung) und möchten somit betonen, dass es sich um kein in eine Rolle schlüpfen handelt, wie dieses „Spiel“ „spielen“ oft meiner Meinung nach interpretiert/missverstanden wird.

      Für mich persönlich kann man dieses „natur“ streichen, weil s. Anfang.
      Ja, ehrlich gesagt krieg ich da eher Fluchtinstinkte wenn ich es von anderen oft geschrieben/betont kriege :pardon:
      Ich bin hier sehr stark bei @Rehlein 's Erklärung. Auch @NepNep und @GreenBlueEyes gehen da in die Richtung die ich aus der Erfahrung so sah.
      Nachfolgend nur meine, auf bisherigen Erfahrungen basierende, Einschätzung. Trifft sicherlich nicht auf jeden und jede so zu.

      Personen die "naturdominant" z. B. in ihrem Profil besonders herausstellen, zeigen in meiner Erfahrung oft sehr stark überhebliche, selbstsüchtige, eingebildete oder sogar narzistische Züge - ohne irgendend jemandem zu nahe treten zu wollen (absolut pauschalisierend kann man das nicht sagen).
      Oftmals verbirgt sich hier ein Mensch, der damit meint in seinem alltäglichen Auftreten, auch z. B. im beruflichen Umfeld "von Natur aus" "besonders" "dominant" aufzutreten.
      Die vielen Anführungszeichen zeigen das schon etwas, von vielen anderen werden solche Menschen (insbesondere im beruflichen Umfeld) als eingebildet oder gar als A... eingestuft.
      Wie gesagt, ganz pauschalisieren kann man das nicht, aber aus meiner Erfahrung ist das oftmals so.

      "Naturdevot" soll dagegen oftmals eine besonders starke, angeborene Devotion zeigen. Etwas überspitzt gesagt, wird sich allem und jedem absolut unterworfen.
      Es dient ein wenig als Abgrenzung und Allein- bzw. Herausstellungsmerkmal. Man ist besser (devoter) als der "Rest".
      (Analoges gilt natürlich bei "naturdominant" - man ist einfach besser.)

      Aus meiner Erfahrung heraus, halte ich mich von Personen die eines dieser Attribute sehr betonen einfach fern.
      How do I say "I love you" the day I let you go?
      How do I change all of the pain into the joy?
      I will hold on to this place without you.
      I will let you fly - I will say goodbye.
      (Julia and Angus - LiS 3 OST)
      Ich oute mich mal die Begriffe verwendet zu haben, ich wollte niemanden auf die Füße treten. :blumen:

      Naturdominatz bzw. Naturdevotheit sind für mich natürliche Veranlagung zur Dominanz bzw. Unterwürfigkeit,
      eine Charaktereigenschaft die mit in die Wiege gelegt wurde und dann vielleicht auch noch durch die Erziehung gefördert und Ausgebaut wurden.

      Die Beschreibung von @Amarena mit dem Obstbaum finde ich sehr passend.

      So wie ich es verstehe treten diese Eigenschaften nicht nur auf wenn sie von einem selber gewünscht sind, sondern generell.

      Naturdominatz bzw. Naturdevotheit hat meiner Meinung nach erstmal nichts mit BDSM zutun.

      Also eher ähnlich wie bei einem Melancholiker, dem Phlegmatiker dem Sanguiniker oder dem Choleriker die als solche geboren wurden
      und durch Erziehung und Lebenserfahrung wird die jeweilige Eigenschaft vermindert oder gefördert.

      Ein Choleriker kann zunächst nichts dafür, dass er so geboren wurde,
      aber er kann an sich arbeiten die positiven Elemente wie z.B. Furchtlosigkeit und Entschlossenheit zu fördern und die negativen Seiten abzubauen.
      drei der vielen Flächen eines geschliffenen Edelsteins
      „meine Heilige“ – „mein Weib“ – „meine Hure“ -- drei Fassetten ein und derselben Frau

      Rehlein schrieb:

      natur- als Präfix eine Abgrenzung im Sinne von "besonders stark ausgeprägt", "schon immer da gewesen" oder "nicht erlernt" darstellen soll

      Rehlein schrieb:

      es wirkt auf mich oft eher wie eine elitäre Abgrenzung
      Ich verstehe es ähnlich, wie Rehlein und auch die Wirkung ist vergleichbar.

      Allerdings sehe ich das gar nicht immer negativ behaftet, denn es gibt Menschen, die (auf mich) einfach dominanter oder devoter wirken, als andere. Ob sie es sind, weiß ich natürlich nicht.

      Hugenotte schrieb:

      Naturdominatz bzw. Naturdevotheit sind für mich natürliche Veranlagung zur Dominanz bzw. Unterwürfigkeit,
      eine Charaktereigenschaft die mit in die Wiege gelegt wurde und dann vielleicht auch noch durch die Erziehung gefördert und Ausgebaut wurden.
      Ja aber was ist denn die Abgrenzung zu "nur" dominant/devot? Ich fürchte (japp auch unabhängig von BDSM) die Veranlagung wird einem in die Wiege gelegt, wo oder wie sie sich zeigt ist sekundär. Ich habe gerade mal versucht im Kopf etwas gleichartiges herzustellen, naturphlegmatisch, naturcholerisch ... klingt für mich alles irgendwie falsch. Sprich wird die Devotion durch Erziehung, Erfahrung (um mal Amarenas Beispiel des Baumes mit einzubringen) erstmal überdeckt und durch was auch immer wieder geweckt, ist es doch nicht weniger natürlich. Gleiches gilt natürlich ebenso für Dominanz.
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      Evelyn Beatrice Hall
      Noch ein Aspekt, der mir einfiele:
      Es geht vielleicht darum, herauszustellen, dass es sich dabei um etwas nicht-steuerbares handelt, diese Menschen also per Instinkt dazu neigen, führend oder unterwürfig auf etwas zu reagieren, ob nun im Alltag oder im Bdsm-Kontext. Das ist nicht an- oder abschaltbar, sondern einfach ihre „Natur“.
      Aber überflüssig finde ich es dennoch.
      Könnte es darum gehen, dass man ja durchaus ab und an etwas dem Partner gegenüber zuliebe tut, auch wenn es nicht ganz tief in einem steckt? Ich würde sagen, ich bin von "Natur aus" eher devot, fühle mich damit wohler, kann aber durchaus auch anders. Ich verstehe das "natur"-dominant/ "natur"-devot eher so, dass jemand damit meint
      • "Ich bin so durch und durch dominant/ devot, dass mir keiner das abnehmen würde, würde ich die andere Seite probieren."
      Oder aber, jemand meint, er sei in jeder Lebenslage durchgängig dominant/ devot (veranlagt). Das sind dann gern die Personen, die das für sich selbst so sehen/ beanspruchen; es wird von anderen aber gern anders wahrgenommen :empathy: .
      "Until I next see you, Safe Home will you go." (an der Wand eines irischen Pubs gelesen)
      "Merkwürdig, wie wir die anderen beurteilen und nicht merken, wie elend unsere Geringschätzung ist - [...]" Carlos Ruiz Zafón: "Der Schatten des Windes"
      "Nur eins beglückt zu jeder Frist: Schaffen, wofür man geschaffen ist." Paul Johann Ludwig von Heyse
      "Wann immer etwas nicht von mir ist, ist es an mir, dafür Sorge zu tragen, dass ich den Urheber nenne." Louise, 2022 :D

      Hera schrieb:

      Ja aber was ist denn die Abgrenzung zu "nur" dominant/devot? Ich fürchte (japp auch unabhängig von BDSM) die Veranlagung wird einem in die Wiege gelegt, wo oder wie sie sich zeigt ist sekundär.
      ich denke auch, es ist einem in die Wiege gelegt....aber vielleicht kann/soll es nicht immer zum Vorschein kommen...und vielleicht bin ich devot und m u s s im Beruf dominant sein......also bin ich da nur dominant und nicht naturdominant....es könnte ja auch Leute geben die immer ihre Dominanz rauslassen können und viellicht auch gar nicht anders können. Im Gegensatz zu anderen Personen.

      ......aber an sich finde ich diese Begriff auch eher verwirrend.
      An den Kreuzungen des Lebens stehen leider keine Wegweiser.
      @Amarena

      Guter Punkt.
      Switcher hören leider immer noch oft denselben Unsinn wie bisexuelle Menschen, dass sie sich nur nicht trauen dazu zu stehen was sie sind bzw. sich entscheiden sollen.

      Ich persönlich glaube, dass sowohl Anziehung zu den Geschlechtern als auch die Dynamik zwischen (Spiel)Partnern sehr viel mehr im Fluss sein können als es starre Denkmuster vorgeben.
      Und dass viel mehr Möglichkeiten Spaß machen können, als man sich selbst vielleicht zugesteht.