Die Darstellung und der Einfluss von Machtgefällen in (erotischer) Lektüre auf das persönliche Bild von BDSM

      Norbert schrieb:

      und kann nur bedingt von Literatur ergänzt beschrieben werden...
      Genau das wage ich, infrage zu stellen!

      Unsere (Mainstream-)Literatur ist sehr einseitig. Das ist einer meiner Hauptkritikpunkte. Es gibt nieschige Self-Publish-Literatur zu allen möglichen Kinks, die aber meistens sehr räudig und pornographisch ist (mit Verlaub).

      Ich weiß keine Lösung für das Problem, aber das Problem (in meinen Augen) ist die Echokammer, die allen (sozialen) Medien inneruht: Weil Leute etwas kaufen, wird es geschrieben, und weil es geschrieben wird, wird es gekauft... Es fehlt nach meinem Geschmack an Abwechslung, an feinen Nuancen, die vom immergleichen Plot ("böser großer Feindesmann überwältigt die wahlweise sehr schwache oder über die Maßen selbstbewusst-starke Frau und sie verliebt sich in ihn dafür") abweichen.

      Ähnliches ist ja auch schon länger bei Kinofilmen zu beobachten: Es gibt nur noch Fortsetzungen von Altbewährtem, aber wenig Innovativ-Neues. Es gibt den hundertsten Bond, den hundertsten Marvel, aber wenig Frisches. Und ähnlich ist es in der Erotik- und BDSM-Literatur auch. Das erzeugt ein einseitiges Bild, was bei Menschen (vor allem bei jungen, die noch nicht so gefestigt sind), die das erste Mal mit BDSM in Kontakt kommen, den Eindruck erwecken kann, nur das sei ("richtiges") BDSM. Das ist das eine, was mich ärgert.

      Und das andere, was mich ärgert, ist natürlich, dass das, was beschrieben wird, mich a) inzwischen langweilt, weil's immer dasselbe und wahnsinnig vorhersehbar ist und b) nur zu kleinen Teilen meinen Kink bedient.

      Ich wünsche mir mehr Vielfalt und Abwechslung und ein Abbilden des gesamten bunten Seins der Menschen!
      Es gibt genügend aufklärungsmaterial, jeder, der sich ernsthaft über BDSM informieren will, kann das.

      da hilft Belletristik nur wenig. Keiner möchte ein Dogma aufstellen mit diesen Büchern. Den Unterschied zwischen Fiktion und RL erkennen auch schon Jugendliche, denke ich.

      Es kommt einfach kein Prinz auf dem Pferd daher geritten….

      schon mal Josefine Mutzenbacher gelesen - heidewitzka
      @Anthophila, mal Hand aufs Herz: Ich habe den Eindruck, es stört dich, dass ich mir mehr Abwechslung in der Literatur wünsche und dass die Literatur einen negativen Einfluss auf mich und meine Sexualität hatte. Was genau motiviert dich, hier immer wieder das gleiche zu posten?

      Anthophila schrieb:

      Den Unterschied zwischen Fiktion und RL erkennen auch schon Jugendliche, denke ich.
      Ich sehe das nicht so schwarz-weiß wie du, und das habe ich auch schon mehrfach dargelegt und zu erklären versucht. Medien haben einen Einfluss auf Menschen und vor allem auch auf Jugendliche - auf manche mehr, auf manche weniger. Wenn du das anders siehst, weil du dich davor gefeit fühlst - gut, fein, soll mir recht sein, du hast ein Recht auf dein Erleben. Ich habe verstanden, dass dich BDSM-Literatur keinesfalls irgendwie mitgeprägt hat, weil du immer so wachsam und gefestigt warst, alles genau zu hinterfragen und zu durchschauen. Glückwunsch. Andere Menschen erleben das aber anders als du, wachsen vielleicht anders auf, haben andere Möglichkeiten, Chancen und Begrenzungen als du. Dein Beharren darauf, dass solche Literatur keinerlei Einfluss auf Jugendliche hat, verleugnet meine erlebte Realität und auch die Realität von einigen anderen hier, und das verletzt mich.
      Ich würde sagen, wir einigen uns hier einfach mal auf ein Agree to Disagree.
      Mich stört daran gar nichts.warum sollte es das auch?
      Du verneinst Prägung, dann betonst du sie. Ja, was denn nun?


      Ich sehe gar nichts schwarz und weiß, im Gegenteil.
      Ich gebe eben an der Literatur nicht allein DIE „Schuld“.
      Daran störst du dich offenbar.


      Ich preise diese Art der Literatur auch nicht als Literaturpreisverdächtig an, wie gesagt, das waren die ersten Bücher die ich in meinem Leben weggeworfen habe weil einfach nur noch schlecht geschrieben. Allerdings bevormunde ich auch nicht.
      @Anthophila, ich bin wirklich ratlos, welche Worte ich noch finden soll, um dir meinen Standpunkt zu erklären. Dein Kommentar ("Du verneinst Prägung, dann betonst du sie", die Unterstellung, ich gäbe der Literatur die alleinige Schuld) macht deutlich, dass du mich vollkommen missverstehst. Alle anderen scheinen mich zu verstehen, wieso du nicht? Lies doch bitte meine vorherigen Posts, ich bin müde, es dir zum x-ten Mal zu erklären, und ich bin traurig, dass du mit deinem ständigen Wieder-Posten deiner Meinung, Literatur hätte keinen Einfluss, den Thread immer wieder vom eigentlichen Thema weglenkst. Ich habe eine Weile versucht, deine Einwürfe zu ignorieren, aber ich möchte bitte noch einmal betonen, dass dieser Thread dazu angedacht ist, die persönlichen Erfahrungen mit einschlägiger BDSM-/Erotik-Literatur zu teilen. Ich habe mich zwischenzeitlich auch zu Grundlagendiskussionen hinreißen lassen, um meinen Standpunkt zu verdeutlichen, aber ich wurde von dir nicht verstanden, und daher werde ich jede weitere Grundlagendiskussion in diese Richtung von jetzt an als Off topic melden.

      Die Fragen sind:

      Ropekitten schrieb:

      Habt ihr Prägungen dadurch erfahren? Wie habt ihr sie eingeordnet? Was braucht für euch ein gutes Buch, das Machtgefälle und/oder BDSM aufgreift?
      Bitte bezieht euch auf diese Fragen und erzählt von euren persönlichen Erfahrungen. Ich wünsche mir, dass dieser Thread wieder positiv weitergeht. Wir hatten schon so wertvolle positive und negative Erfahrungen hier vorgestellt, das war der Grundgedanke dieses Threads. Lasst uns dort weitermachen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 9 mal editiert, zuletzt von Ropekitten () aus folgendem Grund: Die richtigen Worte finden

      Hah, dann schreibe ich halt auch noch einmal was. :D

      Tatsächlich hat mich in den letzten Tagen dieser Thread und die Fragestellung unterbewusst begleitet. Die Geschichten, die ich meiner ersten Antwort ansprach, prägen mich tatsächlich bis heute. Zum einen habe ich sie so oft gelesen, dass ich sie richtig verinnerlicht habe, zum anderen kommen einige der dort genannten Szenarien seit Jahren immer wieder in meinen eigenen Geschichten oder Phantasien zum Vorschein.

      Ich dachte erst, dass mein Bild von BDSM dadurch nicht soo stark geprägt sein konnte (in Anbetracht der anderen Dinge, die ich schon gelesen hatte), aber ich scheine mich deutlich zu irren! Und da frage ich mich auch, was mein BDSM gewesen wäre (wenn überhaupt), wenn ich diese „krassen“ Geschichten zu Beginn nie gelesen hätte??
      Oder die Szenen deckten sich zufällig mit den noch nicht zum Vorschein (für mich nicht sichtbar im Sinne von ganz tief im Inneren gelegen) gekommenen eigenen Phantasien, so sehe ich das bei mir.
      Ich hab gestern tatsächlich beim Aufräumen noch meine Geschichten von damals gefunden.

      Das ist schwierig zu unterscheiden. Es spricht einen ja an, findet gefallen.
      Da kann ich mir schon vorstellen dass das einen beruhigt, wenn man das von jemandem Dritten zu lesen bekommt.

      @Herr Schmaldienst schrieb:

      Ein Autor darf sich nicht korrumpieren und sich auch nicht von den eigenen erotischen Wünschen den Blick verstellen lassen

      Ropekitten schrieb:

      Das sehe ich nicht so schwarz-weiß, zumindest in Bezug auf die eigenen erotischen Wünsche,
      @Ropekitten

      Ich weiß - genau deshalb schrieb ich es ja, :) .

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Herr Schmaldienst ()

      Ropekitten schrieb:

      Mich würde interessieren, ob ihr mit derartiger Lektüre auch (vor allem in Jugendjahren) in Kontakt gekommen seid, ob und wie sie euch vielleicht (mit) beeinflusst hat oder was ihr generell davon haltet. Heute als erwachsene Frau sehe ich das ausgesprochen kritisch und bedaure, dass mein jugendliches Ich daran geraten ist.
      Das habe ich sehr ähnlich erfahren. Twilight fand ich sehr romantisch und dachte lange, Liebe von einem Mann würde sich zeigen wie bei Edward. Tatsächlich habe ich mir kontrollierende Partner dieser Art ausgesucht, die mir und meinem Bedürfnissen keine Aufmerksamkeit geschenkt haben, was mir nicht gut getan hat. Soziale Situationen muss ich durchdenken, um sie zu verstehen und habe mir für mich selbst Handlungsanweisungen zurechtgelegt, wie ich reagiere, wenn dies oder das geschieht und mich überwiegend an Romanen und Filmen orientiert. Dass ich dabei keine Ahnung von meinen eigenen Grenzen und Bedürfnissen hatte kommt noch hinzu. Nachträglich finde ich gefährlich, wie vulnerabel und leicht zu manipulieren ich war und hatte großes Glück, dass nichts Gravierendes geschehen ist. Wenn ich nun Twilight sehe, finde ich das gruselig.
      Mein Problem ist eher, dass ich mich hin und wieder richtig in (dominante /sadistische, als auch unfreiwillig "devote") Romanfiguren verliebe. Und ja ich meine wirklich verlieben. Mit allen Gefühlen: Schmetterlinge im Bauch, Herzklopfen, Euphorie, großer Freude etc..
      So. Dann hab ich das Buch fertig gelesen.
      Und nun?
      Ja einfach nochmal! :D
      Aber was dann?... oder überhaupt...
      Was mach ich denn jetzt?
      Die Figuren und Charaktere existieren nur in meinem Kopf..
      Nachspielen ginge theoretisch. Im Sinne eines Rollenspiels. Aber auch nur dann, wenn das Gegenüber sich auskennt und weis worum es geht und auch Freude daran hat X/
      Und das ist sehr schwierig...
      "There is no god in Desperation."
      Also man kann sagen, dass Literatur einen starken Einfluss auf mich hat, weil ich noch dazu eine lebhafte Fantasie habe und richtig eintauchen kann in andere Welten. Aber es hat den Nachteil, dass ich auch Liebeskummer entwickle. Momentan so stark, dass sich das in Unterleibsschmerzen äußert(als würde man die Tage bekommen), ich psychisch down bin mit Heulattacken(und ich weine normalerweise sehr selten), dann noch Kinderwunsch(??einfach so)..
      Und dann kommen noch die Probleme in meiner Partnerschaft hinzu.
      "There is no god in Desperation."
      Literatur ist sicher nicht alleine an irgendwas schuld.

      Dass Literatur in Verbund mit anderen Medien - Fernsehen, Radio, Kino, Zeitschriften, Werbung und und und allesamt natürlich schon einen Einfluss haben, daran sollte kein Zweifel bestehen. Nicht umsonst bemühen sich in allen Ländern und allen Zeiten insbesondere Totalitäre Regime mit großer Mühe darum, klar vorzugeben, welche Romane verkauft und welche Filme und Serien gezeigt werden dürfen. Wenn ein Regime zum Beispiel Homosexualität rundheraus ablehnt, dann wird es nicht zulassen, dass in Filmen und Büchern homosexuelle Beziehungen vorkommen, oder wenn, dann nur als etwas unnormales, krankes, abartiges dargestellt werden, was entweder die Homosexuellen selbst und/oder ihr Umfeld in den Abgrund führt. Natürlich setzt sich das in vielen Köpfen fest - eine Skepsis gegenüber Homosexualität, oder zumindest Mitleid, etwas, womit man nichts zu tun haben möchte - selbst wenn man es gar nicht verurteilt, aber bitte bleib mir fern. Und wenn man am Ende feststellt, das man selbst homosexuell ist: "Ohje, was stimmt denn mit mir nicht?". In einer Gesellschaft, in der Homosexualität hingegen einfach als normaler Teil der Gesellschaft gezeigt wird - und zwar nicht nur im Drama homosexueller Cowboys um zu sehen, wie dramatisch das alles für sie war - sondern einfach als stinknormale Figur in einer stinknormalen Serie oder Film oder Buch, in dem es gar nicht darum geht, dass sie homosexuell ist, sondern einfach nur eine Person, die ein genauso normales leben führt, genauso normale oder spannende Dinge erlebt, wie heterosexuelle Figuren - in der wachsen Menschen auch genau mit dem Bild auf, dass Homosexualität ein ganz normaler, selbstverständlicher Teil der Gesellschaft ist, der nicht immer nur "Drama" bedeutet und nicht nur "Abgrund, Sünde, Ausschweifung" und co. bedeutet, sondern halt einfach da ist.

      Nun leben wir gottseisgedankt nicht in so einer totalitären Diktatur, trotzdem spiegelt(e) sich lange ein klassisches Bild einfach durch viele sich selbst erhaltende Gesellschaftliche annahmen wieder.

      Das ist ja auch das, was hier letztlich der Tenor ist: natürlich wird niemand aufgrund einzelner Dark-Romance-Romane sein gesamtes Bild darüber, wie Beziehungen laufen, definieren. Aber das Muster, das anfangs beschrieben wird:

      - Der Mann ist der Akteur, er nimmt, er bestimmt
      - Ein Mann, der nicht locker lässt, ist eben selbstbewusst, stark, kämpferisch, weiß was er will
      - Die Frau lässt sich erobern
      - Die Frau muss durch die Hartnäckigkeit des Mannes selbst erst erfahren, was sie eigentlich will
      - "Nein" heißt bestenfalls "Jetzt im Moment nicht, versuchs aber dringend weiter!", aber eben nicht "Nein, ich will wirklich nicht. Respektier das!"
      - Männer müssen auch danach entscheiden, v.a. schnell und hart Entscheidungen treffen, dabei auch über den Kopf der zu empfindsamen Frau hinweg, die es später schon verstehen wird
      - Der Mann darf seine Dämonen haben, die Liebe der richtigen Frau wird ihn davon heilen

      Dieses Bild war eben in den letzten Jahrzehnten, vermutlich Jahrhunderten eben nicht nur das Schema F in Dark Romance, sondern in fast allen Genres und allen Medienformaten. Und zwar ohne Gegenentwurf.
      Nennt mal aus dem Stegreif einen Film, ein Buch oder eine Serie von vor 2015 vielleicht, in dem
      - Die Frau hartnäckig den Mann erobert, der erst nicht will
      - Der ganz brave Mann die wilde Frau von ihren Dämonen heilt
      - Der Mann das Nein der Frau einfach akzeptiert und beide hinterher eine respektvolle Freundschaft aufbauen
      - Die Frau schnelle und harte Entscheidungen über den Kopf des empfindsamen Mannes hinweg fällt
      - Der harte Mann sich auf die empfindsame Entscheidung der Frau einlässt und sich das als richtig heraus stellt
      - Das Drängen des Mannes, der ein wiederholtes Nein nicht akzeptiert, nach einer Weile einfach als No-Go dargestellt wird (hier gibt es vielleicht noch Ausnahmen im Genre Psycho-Thriller, wenn er sich am Ende als wirklicher Psychopath entpuppt hat)

      usw... Also alles, was diesen Plot umdreht, kritisch reflektiert, komplett aufbricht? Mir fallen endlos Beispiele für obiges ein, aber ich muss lange suchen, um mal ein Beispiel für das untere zu finden.

      Und ja: natürlich prägt das, wenn das der zentrale Plot ist, der überall gezeigt wird und so wenig Gegenentwürfe bietet.

      Ist es deswegen jetzt grundsätzlich falsch, wenn Männer trotz allem gerne führen wollen und Frauen sich gerne führen lassen wollen?

      Nö. Und selbst, wenn diese Prägung daher rührt, dass man viel mit solchen Bildern aufgewachsen ist - am Ende des Tages wird das sowieso niemand herausfinden können, ob es daran lag, und wenn ja, in welchem Maße. Ist aber auch egal. Wichtig ist nur, zu reflektieren, wo man Bilder aus der Fiktion mit sich herum trägt, und wo diese eben mit der Realität nichts zu tun haben, vielleicht gefährlich sind. Wie hier einige geschildert haben: Nein, als Mann bin ich nicht dann besonders "Dom", wenn meine Entscheidungen besonders hart und tough sind, und die Sub und ihre Berdürfnisse dabei völlig ignorieren, ihren Widerspruch kleinreden.
      Und nein, als Sub bin ich nicht dann perfekt, wenn ich alle Macken des Doms voller Liebe hinnehme, und klaglos alles schlucke (nicht wörtlich gemeint), was von ihm kommt, egal wie ich mich dabei fühle. Und nein: ich werde ihn nicht erretten, indem ich das mitmache und dann endlich meinen dunklen Prinzen auf dem weißen Roß haben.

      Darf ich - auf welcher der beiden Seiten auch immer - Spaß an Dominanz, Unterwerfung, rough sex, bondadge, spanking, breath control, 24/7, TPE, Schmerzen, r*pe games, CNC usw haben? Na klar - so lange ich eben genau weiß, wo meine Grenzen sind, einen (Spiel)Partner habe, der sie respektiert, und umgekehrt dessen Grenzen kenne und respektiere.

      Als Gesellschaft wärs aber umso schöner, wenn wir mehr Geschichten als nur diesen einen Grundplot erzählen, und so auch die Gelegenheit geben, dass viele Menschen andere Seiten in sich entdecken, und nicht alles andere von vornherein damit indirekt als "Unnormal" brandmarken.