"Bitte nicht" - was macht es mit Euch?

      hmm.. bin eben über diesen angestaubten Thread gestolpert und musste über diese Fragestellung automatisch nachdenken. Ich äußere schon „bitte nicht“ oder „hör bitte auf“, aber doch nicht all zu häufig und in den unterschiedlichsten Situationen. „Bitte nicht“ sage ich eher bei der Androhung von Strafen und „bitte hör auf“ eher direkt während einer Bestrafung. Aber niemals bin ich in der Nähe von Grenzen. Also warum sage ich es dann?? ?( Vielleicht um meine Position zu bestätigen? Vielleicht will ich einfach nur wissen, dass ich in diesen Moment keine Kontrolle habe? Will ich seine Macht über mich spüren?
      Hört er auf mich (meist beim Androhen von Strafen oder wiederholten Warnungen) bin ich extrem Zwiegestalten.. einerseits froh dass er eh nur warnt, andererseits aber auch irgendwie leer.
      Also was um Gottes Willen will ich mit diesen Bitten? Falls einer eine Idee hat, gern raus damit.. ich geh mal ein bisschen weiter darüber nachdenken.. :gruebel: :pillepalle:
      Meine Antwort fällt ganz kurz aus:
      Es könnte doch auch einfach ganz simple ein angewöhnter Reflex sein, dies zu sagen.

      Die Erklärung dauert länger^^:
      Man hört es quasi von Kinderbeinen an: „Bitte hör auf“ „Bitte tu das nicht“ sowohl von den Eltern, als auch vom Kind - ich gehöre noch zu der Generation, die für Fehlverhalten eins auf den Arsch gekriegt hat :pardon:
      Eine Art „Floskel“ , auch wenn man weiss es nützt in den meisten Fällen nix, die sich manifestiert hat.

      Beispiel: man wird ausgekitzelt, man überschreitet keinerlei Grenzen, aber es ist vielleicht zeitweise „unangenehm“ und zack ist es gesagt.

      Dies meine Gedanken...

      tini schrieb:

      „Bitte nicht“ sage ich eher bei der Androhung von Strafen
      sowas sage ich auch wenn es eher so etwas genervt ist und ich so gar keinen Bock darauf habe.......

      wollen wir spazieren gehen?....Bitte nicht....es regenet ja auch noch.....


      hör bitte auf......ist auch keine Grenze bei mir.......auch mehr wenn es anfängt zu nerven........als Sub muss ich da allerdings durch........
      An den Kreuzungen des Lebens stehen leider keine Wegweiser.
      Also ich bin definitiv zu doof zum betteln. Von mir wird es erwartet, aber es geht mir einfach nicht flüssig über die Lippen...

      Im Alltag bitte ich niemanden um irgendetwas. Zu oft enttäuscht, abgewöhnt und einfach gelernt, dass es nichts bringt.

      Ich finde es aber ansich schön und hoffe, dass ich es irgendwann lerne. Unter der Bestrafung bin ich noch nicht so an der Grenze... aber ich gehöre auch eher zu der Kategorie ich beiße mir die Zunge vorher ab. Gerne würde ich in Zukunft aber mal genau dazu gebracht werden...

      Irgendwie ein Zwiespalt
      Ein bitte nicht führt bei mir dazu, dass ich nachfrage, warum ich dies oder jenes nicht machen soll.

      Ist der Grund einleuchtend, gehe ich darauf ein und ändere etwas ab oder verzichte, in extremen Fällen, sogar ganz darauf.

      Ist die Begründung für mich nicht tragfähig, dann ändere ich nichts.

      Ist die Begründung für mich nicht tragfähig und zudem noch anmaßend oder unpassend, dann verschärfe ich die Aktion.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff

      Gentledom schrieb:

      Ist die Begründung für mich nicht tragfähig, dann ändere ich nichts.
      Interessant hier auch die Dom Seite zu sehen. Das wäre bei den meisten "Bitte nicht"s (so wie ich sie empfinde!) die Reaktion die ich rückblickend auch gern hätte.

      Betteln ist so eine Sache... wenn ich als Sub "bitte nicht" sage, dann ist das genau der Moment der D/s für mich interessant macht. Da ist etwas das ich mir selbst nicht zutraue, das mir vll sogar Angst macht oder Respekt einflöst und gleichzeitig ist da noch definitiv Vertrauen da (denn sonst würde ich nicht betteln sondern das Safeword verwenden oder den Ampelcode hochsetzen wenn das Spiel noch grenzwertig ist).

      Schwer zu erklären ich benutze mal eine Metapher: Damals im Schwimmunterricht musste man vom Turm springen und ich gehöre zu denen die sich das meistens nicht getraut haben. Jedesmal wenn ich es mir zugetraut habe hat es Spaß gemacht und ich war stolz über beide Ohren. Aber dieser Moment da oben zu stehen und mit sich zu ringen ist so ein "bitte nicht" moment. Ich weiß prinzipiell "ich will das" aber ich habe einfach zu viel Respekt, Angst oder traue es mir nicht zu obwohl doch eigentlich keine echte Gefahr besteht. Mein Herr darf mich vom Turm schupsen, denn alleine kletter ich nur ohne die Erfüllung runter und das Erlebnis ist enttäuschend.

      Deshalb kommuniziere ich das ich instinktiv bettel, das Dom das aber auch gefallen muss und das Spiel nicht sofort abbricht, runterfährt. (Sonst passt die Chemie einfach nicht) und vereinbare lieber Signale für den Ernstfall die weniger "mixed signals" sind.
      Bin noch neu in der Szene, habe wegen des bettelns echt Sorgen das ich "topping from the bottom" provoziere , was ich nicht möchte(!!!). Bei so manchem Dom kann das bestimmt Hemmungen auslösen ... ich stelle es mir aufjedenfall auch schwierig für die Gegenseite vor wenn man sich gerade erst kennenlernt oder der Sadismus fehlt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Zaehnchen ()

      Ich kann da nicht ganz folgen.

      Wenn ich "Bitte nicht" (egal, in welche Lebenssituation) sage, meine ich das ernst, und zeige damit meine Grenzen, und das sollte respektiert werden.

      :bahnhof:
      "Nenne dich nicht arm, wenn deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind.
      Wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat."
      (Marie von Ebner - Eschenbach)
      @mommy`s girl Das mag für dich so ja auch gut und richtig sein.
      Ich finde die anderer Sichtweise gerade im D/s dennoch auch ziemlich einleuchtend. Auf der konkreten Handlungsebene möchte Sub eine Aktion verhindern- vielleicht aus Angst, Scham, irgendwelchen anderen Bedenken, whatever-, daher das geäußerte "Bitte nicht"; auf der Metaebene möchte er/ sie aber, dass nicht sein/ ihr Wille entscheidend ist, sondern der Wille von Dom/me, vielleicht weil gerade durch diesen vermeintlichen Widerspruch das Erleben des Machtgefälles besonders deutlich spürbar wird...
      "Unsere Sehnsüchte sind unsere Möglichkeiten. "
      Robert Browning
      dass ich Master bitte gehört für mich zum guten Ton. Meist bitte ich dann sehr subtil. Grenzt manchmal schon an "Topping from the Bottom" :D Allerdings passiert es auch, dass meine vorgetragene Bitte geflissentlich überhört wird 8) Was mich wiederum an meine Position erinnert.
      Teufelchen im Blut, Engelchen im Herzen
      und ein bisschen Wahnsinn im Kopf 8)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Emilia ()

      ich mein das "Bitte nicht" auch ganz ernst. (Wenn ich das vorspielen würde käme ich mir auch sehr dumm vor.) Da ist eine Grenze die zu überqueren ich Angst habe aber eben eine der Grenzen die gebrochen/ausgedehnt werden sollen und bei denen erst dann das Gefühl der Hilflosigkeit und des fallen lassens bei mir entsteht. Da zwischen den Grenzen zu unterscheiden die nicht gebrochen werden sollen ist (solange es nicht eh als Tabu benannt wurde oder vorher kommuniziert wurde) als DOM bestimmt sehr schwierig
      @Primrose danke! Das ist wohl genau das, was ich unbewusst möchte. Leuchtet mir gerade völlig ein! Ich möchte auf der Metaebene einfach meinen Platz zugewiesen bekommen, indem meinem „bitte nicht“ eben nicht erhört wird obwohl ich es durchaus „ernst“ meine und tatsächlich die gewünschte Handlung nicht möchte. Schön, dass es ich nicht ganz allein mit diesem paradoxen Verhalten stehe :dance:
      „Bitte nicht“ könnte man dann ja fast als Aufforderung an den Dom sehen, nimm mich wahr und setz dich ggf durch..
      Diese ambivalenten Gefühle kenne ich auch.
      Ich kann mich erinnern, dass bei meinen Tagebucheinträgen mal die Erleichterung mitschwang, dass mein Bitten und Wehren erhört wurde,
      ein anderes Mal aber der Stolz auf meinen Herrn, weil er sich durchgesetzt und nicht nachgegeben hat :pillepalle:

      Ist wohl situations- und stimmungsabhängig :pardon:
      Auch wenn es widersprüchlich klingt:
      Ihr Ego muss stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können.
      Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.

      - John Bradshaw, Das Kind in uns -
      "Bitte nicht" gibt es nur ganz selten bis gar nicht in meinem Sprachgebrauch.
      Immer galt die Devise "Augen zu und durch" und ich hatte es ohne zu zucken durchgestanden. Auch gab es das "Nein" nicht in meinen Sprachgebrauch. Mittlerweile hat es seinen Platz gefunden und wenn ich das Wort "Nein" benutze rücke ich davon nicht ab.

      Das "bitte nicht" existiert aber weiterhin nur selten in meinem Sprachgebrauch. Vor allem wenn es ums betteln geht, existiert es überhaupt nicht.
      Dein Hintergrund und deine Umstände haben vielleicht beeinflusst wer du bist, aber du bist verantwortlich dafür zu wem du wirst.
      "Bitte nicht" sage ich nur, wenn ich es auch wirklich so meine und ich genau das nicht will.
      Da ist auch keine versteckte Aufforderung an @Nachtwanderer drin, doch bitte trotzdem dieses oder jenes zu tun.

      Ob er darauf hört oder nicht, ist aber seine Entscheidung.

      Allerdings habe ich das bisher eher selten in ersten Situationen benutzt, sondern meistens ging es um spaßige Sachen wie "Bitte nicht", wenn er mich kitzeln wollte.
      Kreativität ist Intelligenz die Spaß hat *Albert Einstein
      Ich bin mir immer noch nicht ganz schlüssig...
      Ich sage was ich denke.

      kannst du noch?
      wenn ich sage: nein! dann meine ich das auch so. Es ist kein verstecktes Ja, ich habe nicht den heimlichen Wunsch, dass er dann weiter macht.
      Stop heißt Stop. Immer.
      Daran werde ich wohl auch nichts ändern.

      Da das aber noch aus SM Zeiten kommt, fehlt mir jetzt eine eindeutige Kommunikation für den DS Teil.
      Denn da geht es dann ja auch darum, vielleicht etwas mehr auszuhalten für Dom.

      kannst du noch?
      nein... ja... doch.... eigentlich schon... vielleicht.... ich kann noch aber eigentlich will ich nicht... ich bin mir aber nicht sicher wieviel... probier es doch einfach aus... aber sei nicht beleidigt wenn dann doch sofort ein Stop kommt...

      das als Antwort würde die Situation doch eher unschön unterbrechen, außerdem ist das dann meist in einem Zustand, wo ich nicht unbedingt mehr gut denken und formulieren kann, und ich WILL ja den Kopf abschalten, fällt mir eh schwer genug.

      Also wäre in dem Fall ein "bitte nicht" vielleicht genau das richtige :gruebel: wenn es so abgesprochen wird, dass es eben genau das bedeuten soll. Und zwar nur das. Hm. Ich muss da noch mal drüber nachdenken.
      it's something unpredictable but in the end it's right
      and so I have the time of my life

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Katharina ()

      Primrose schrieb:

      @mommy`s girl Das mag für dich so ja auch gut und richtig sein.
      Ich finde die anderer Sichtweise gerade im D/s dennoch auch ziemlich einleuchtend. Auf der konkreten Handlungsebene möchte Sub eine Aktion verhindern- vielleicht aus Angst, Scham, irgendwelchen anderen Bedenken, whatever-, daher das geäußerte "Bitte nicht"; auf der Metaebene möchte er/ sie aber, dass nicht sein/ ihr Wille entscheidend ist, sondern der Wille von Dom/me, vielleicht weil gerade durch diesen vermeintlichen Widerspruch das Erleben des Machtgefälles besonders deutlich spürbar wird...
      Vielleicht kann ich da emotional nicht so folgen, weil ich wenig praktische Erfahrungen hab`, und D/S spielt zwar manchmal in meinen Phantasien eine Rolle, real allerdings bin ich sehr sensibel und möchte das so wie in manchen Phantasien gar nicht erleben, sondern eher mit wenig oder keinem Machtgefälle.

      Solche Situationen wie hier im Thread beschrieben würden mich eher retraumatisieren, denn keine Kontrolle zu haben ist für mich extrem beunruhigend. Umso mehr Kontrolle ich habe (egal in welcher Lebenssituation), umso sicherer fühle ich mich und umso mehr Vertrauen habe ich (in mich und in Andere).
      "Nenne dich nicht arm, wenn deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind.
      Wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat."
      (Marie von Ebner - Eschenbach)