Vererben wir unsere Veranlagung?

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      Vererben wir unsere Veranlagung?

      Hoffentlich gab es das Thema hier noch nicht.
      Mich beschäftigt die Frage, ob man neben vielen anderen Dingen und Eigenschaften auch die von der "Norm" abweichende Vorlieben an die Kinder weiter gibt.
      In den pubertären Jahren meiner Söhne konnte ich im Browserverlauf gut ablesen wonach sie Netz suchten. Es waren immer wieder Fetisch- und Bondageseiten. Angesprochen haben sie es nie und doch hat einer meiner Jungs beruflich mit Handschellen zu tun...
      Wie sind eure Erfahrungen aus Elternsicht?
      Und andersherum die Frage: Habt ihr ähnliche Vorlieben wie die Eltern?
      Soweit bekannt... :)
      Mit Leidenschaft - Leiden schafft :popo_versohlen:
      Das hab ich mich ehrlich auch schon gefragt.
      Was meine Eltern angeht, ist mir da nichts bekannt und es sieht auch nicht so aus, als würden wir dieses Thema in naher Zukunft anschneiden. :rot:

      Aber was meinen Sohn (9) angeht, bin ich mir nicht so sicher.
      Sie hatten vor Kurzem in der Schule das Thema, wie es früher in der Schule/Kindererziehung so war.
      Daraufhin wollte er von mir mal übers Knie gelegt werden.
      Was soll ich sagen.... "fester Mama, bitte fester!"..mir hat schon die Hand weh getan und er hat sich totgelacht. :D
      Sei immer Du selbst.
      Außer Du kannst ein Einhorn sein, dann sei ein Einhorn!
      Ich persönlich glaube nicht, dass wir speziell die sexuelle Neigung vererben. Denn dann wäre ja vielleicht auch Homosexualität vererbbar, was meines Wissens nach nicht der Fall ist. Aber ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass sich andere Persönlichkeitsmerkmale vererben, die dazu führen, dass viele ihren Weg zum BDSM finden: eine gewisse Risikoaffinität, einen Hang zum Experience- und/oder Thrillseeking. Menschen, die eine höhere Schwelle des Sich-Spürens haben, finden einen guten Weg, das auszuleben, im Masochismus. Vielleicht ist es kein Zufall, dass so ziemlich jeder BDSMler den ich kenne, sehr offen und reflektiert ist. Und vielleicht ist es dann diese Offenheit für neue Eindrücke, die sich vererbt und die sich, je nach Epoche und Umfeld, zu einer BDSM-Neigung entwickelt. Denn speziell diese Offenheit und dieses Experience-Seeking kann ich in meiner Familie zurückverfolgen: die gesamte mütterliche Linie entlang.
      Interessantes Thema.
      Der Sadismus meines Mannes ist eine Kopie seines Vaters. Bei meinen Eltern habe ich bisher keine mir ähnlichen Neigungen erkannt.
      Bei unseren Kindern sieht das schon wieder anders aus. Einige weisen vorsichtige Tendenzen auf. So fragte mich mein 6jähriger vor kurzem, ob er mich mal ohrfeigen dürfe. Das würde er schön finden 8| .
      „Die Grenzen der Seele wirst du nicht finden, auch wenn du alle Wege durchwanderst.
      So tiefen Grund hat sie.“

      Heraklit
      vielleicht sind es aber auch verhaltensmerkmale, die wir uns von einem elternteil abgucken, weil wir es bewundern - wie tochter-vater oder mutter-sohn ...

      ich habe meinen recht dominanten papa immer bewundert. in meiner ehe hab ich dann wohl noch gedacht, dass unbedingt der mann das dagen haben muss... mittlerweile weiss ich es deutlich besser.

      mein sohn ist also von zwei starken eltern grossgezogen worden ( auch wenn ich das vllt bezogen auf mich nie so gesehen habe). er ist schon eher mit mir verbunden. und er ist eindeutig dominant.

      wenn ich heute ein blick auf die pärchenkonstellation daheim werfe, so dominieren mein sohn und ich unsere jeweiligen partner. erstaunlicherweise hat er diese erkenntnis sogar selbst gehabt. und ich versuche dezent, ihm beizubringen, dass das auch immer mehr verantwortung bedeutet. bislang bin ich ganz zufrieden...
      Also ich kann von mir nur sagen, dass mir von meinen Eltern nichts davon bekannt ist. Aber diese gehören auch einer Generation an, in der über Sex allgemein eher nicht gesprochen wird.Selbst das Wort "Sex" allein ist schon so schmutzig und intim für meine Mutter (mein Vater ist leider schon verstorben), dass diese das nicht hören will (von sich aus sprechen noch weniger). Daher habe ich null Ahnung, inwieweit meine Neigung beii einer meiner Eltern vorhanden ist.
      Bei meinen Kindern ist es jedoch auch so, dass ich keine Ahnung habe. Sie wollen mit mir nicht über Sex reden, weil ihnen das peinlich ist. Und ich kontrolliere ihren Browserverlauf nicht mehr. Mit fast 17 empfände ich das auch als Vertrauensbruch, :thumbdown: .
      Ich bin daher in den Generationen die Einzige, die darüber reden will... nur weder die Generation unter mir noch die über mir will das. Und irgendwelche Anzeichen für eine ähnliche Neigung habe ich bisher nicht gefunden, :pardon: .
      Das Einzige, das ich sagen kann, ist, dass die Vorliebe für Filmgenres bei mir und meinen Kindern ziemlich gleich ist. Aber ob man daraus auf eine sexuelle Vorliebe schließen kann? Eher nicht, :icon_lol:
      "Wir streben mehr danach, Schmerz zu vermeiden als Freude zu gewinnen" Sigmund Freud

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Feuerpferd ()

      Meine Eltern waren prüde, sprachen mit mir nie über Sex. Alles galt als schmutzig.
      Mein Mann war dominant.
      Mit meinen Töchtern spreche ich offen über alles, sie kennen meine Neigung. Sie erählen mir alles, stellen Fragen, wir haben keine Geheimnisse voreinander.
      Die jüngere Tochter ist dominant und sadistisch, durch und durch FemDom und lebt dies in ihrer Beziehung.
      Die ältere Tochter ist vanilla.
      Ich hab keine Ahnung ob Vererbung, oder einfach menschliche Neigung da eine Rolle spielt.
      "Flectitur obsequio curvatus ab arbore ramus; frangis, si vires experiere tuas."
      Ich habe durch Zufall mal die Bdsm-pornosammlung meines Vaters entdeckt :D Also bin ich ziemlich sicher nicht die einzige Person mit Bdsm-Neigung in der Familie.
      Allerdings glaube ich nicht, dass Neigungen wie Aussehen vererbt werden. Mir scheint es wahrscheinlicher, dass das etwas mit Erziehung zu tun hat - auch wenn dagegen spricht wie früh manche Leute Anzeichen ihrer Neigung rückblickend sehen.
      There will be a time when we must choose between what is easy and what is right.
      Ich glaube auch nicht, dass es vererbt wird
      wenn überhaupt die Veranlagung dafür offen zu sein

      Ich weiss nicht was meine Eltern genau in ihrem Schlafzimmer machten, bei meinem Sohn habe ich durch Zufall auch mal gesehen auf welchen Porno Seiten er war, das war Querbeet, aber überwiegend teenagersex bzw halt sehr eher jugendliche Darsteller auch mit Kuscheln.... was ich auf Grund seines Alters, er war so 15 als verständlich sah, da halt die Altersgruppe mit der er sich selbst indentifiziert hat


      kara schrieb:

      So fragte mich mein 6jähriger vor kurzem, ob er mich mal ohrfeigen dürfe. Das würde er schön finden .
      das jetzt als als Hinweis auf eine sexuelle Neigung zu sehen finde ich etwas weit hergeholt, testen sich Kinder doch immer aus, was passiert , wenn sie dies oder das tuen

      Vileicht auch beobachtet, keine Ahnung

      was mir jetzt gerade in Kopf kommt, das Kind eines BDSM Paares aus einer sadistisch/ dominanten - masochistisch/ devoten Verbindung was wird es ;) Switcher? aber das nur mit Augenzwinkern sehen bitte
      Ich glaube nicht, dass die Neigung vererbt wird. Das macht in meinen Augen überhaupt keinen Sinn. Könnte aus "einem dominanten Erbgut" dann auch ein "devotes Kind" entstehen? Oder wird das Kind dann wahrscheinlicher Vanilla?

      Ich glaube eher, dass eine gewisse Offenheit gegenüber der Sexualität von den Eltern vermittelt werden kann. Und wenn man sich nochmal ein paar Jahre zurückerinnert, wie sehr SoG eingeschlagen hat, glaubt ihr wirklich, dass Gedanken in die Richtung so ungewöhnlich sind? Ich glaube, Interesse in diese Richtung, egal ob Dom oder Sub sind ziemlich häufig. Aber viele leben es halt nicht aus :pardon:
      Das habe ich mich auch gefragt, als meine Tochter letztes Jahr mit Triskelenanhänger und Ohrringen als Souvernier aus dem Englandurlaub kam ^^

      sie war ganz überrascht , dass ich die Bedeutung kannte und hat bestätigt, dass sie in ihrer Kindheit keine BDSM Aktivitäten elterlicherseits mitbekonmen hat.

      Erst durch das Erkennen der Zeichen habe ich mich geoutet

      bastet schrieb:


      kara schrieb:

      So fragte mich mein 6jähriger vor kurzem, ob er mich mal ohrfeigen dürfe. Das würde er schön finden .
      das jetzt als als Hinweis auf eine sexuelle Neigung zu sehen finde ich etwas weit hergeholt, testen sich Kinder doch immer aus, was passiert , wenn sie dies oder das tuen
      Vileicht auch beobachtet, keine Ahnung

      was mir jetzt gerade in Kopf kommt, das Kind eines BDSM Paares aus einer sadistisch/ dominanten - masochistisch/ devoten Verbindung was wird es ;) Switcher? aber das nur mit Augenzwinkern sehen bitte
      Selbstverständlich hat er keine Ohrfeige zwischen uns beobachtet. Wir sind ja nicht doof :pardon: .
      Und die Fachliteratur bezüglich Sadismus spricht eine recht deutliche Sprache.
      So besteht die Tendenz, dass Neigungen sehr wohl vererbt werden. Durch Prägung kann und sollte entgegengewirkt werden.
      Er war nur ein Beispiel von mehreren und auch noch ein 'harmloseres'.
      Mehr will ich dazu an dieser Stelle lieber nicht sagen, da mein Beitrag für ein solches, anderes Beispiel im Sub-Bereich vorübergehend gesperrt wurde.
      „Die Grenzen der Seele wirst du nicht finden, auch wenn du alle Wege durchwanderst.
      So tiefen Grund hat sie.“

      Heraklit

      kara schrieb:

      Selbstverständlich hat er keine Ohrfeige zwischen uns beobachtet. Wir sind ja nicht doof
      Kinder aber auch nicht
      Die bekommen mehr mit als uns manchmal lieb ist, bzw was wir denken dass sie mitbekommen

      Was deinen Sohn betrifft, dazu mag ich natürlich nichts sagen, denn du kennst ihn , ich nicht

      das wäre jetzt aber OT

      nur eben jede Handlung von einem Kind gleich in einen sexuellen, neigungsbezogenen Kontext zu setzen ist eine gewisses drücken in eine Richtung, die dann wiederum vileicht auch prägen kann

      Natürlich haben Kinder , auch sehr kleine , schon eine Sexualität, und der Umgang der Erwachsenen mit dieser wenn sie sofort gewertet wird kann evntl positiv oder auch negativ prägen

      Und sich davon völlig frei zu machen , funktioniert glaub ich nicht, denn auch wir als Erwachsene handeln, reagieren nicht immer völlig neutral

      somit glaube ich halt das es eher ein erlernen ist , etwas gut zu finden oder als falsch zu empfinden
      Wenn wir über "Vererben" sprechen gibt es mehrere Möglichkeiten: die (klassische) Genetik und die Epigenetik. Vielleicht gibt es hier einen Experten, der das besser erklären kann, aber so wie ich das verstanden habe, haben unsere Lebensweise und Stressfaktoren (z.B. Hungersnot, Trauma) Einfluss auf unsere Gene. Gene können dabei herauf- oder herunterreguliert werden. Und diese im Laufe des Lebens erworbenen Veränderungen werden vielleicht auch vererbt - eine Frage die unter Biologen heiß diskutiert wird.

      Daher könnte womöglich unser Ausleben von BDSM je nach Intensität Einfluss auf unsere Gene haben. Und diese Veränderungen könnten wir dann weitergeben. Ob wir damit aber eine Neigung weitergeben? Oder womöglich eine gewisse Schmerzresistenz? Oder etwas ganz anderes? Keine Ahnung.
      Ich bin froh weit weg von meinen Eltern zu leben... Da besteht schon eine starke Scham so zu sein wie die Eltern die man garnicht ausstehen kann.
      Aber ich schätze es ist so wie mit dem "Schwulen-gen" man kann nichts nachweisen also auch nicht beweisen :3 Solange ist alles möglich und garnichts.
      Ich bin selber Lesbisch und hoffe dass es nie Nachgewiresen wird wissenschaftlich...
      Gute Frage.... :gruebel:
      Von der Sexualität meiner Eltern weiß ich wenig... hatte als Kind wohl mal einschlägige Literatur und Spielzeug im Kleiderschrank meiner Mutter entdeckt :whistling: :rot: aber nix was in den BDSM- Bereich geht.... glaube ich...
      Insgesamt habe ich den Eindruck dass meine Mutter schon eine ausgeprägtere Sexualität hatte, auch offener ist.... aber kann mir das bei meinem Vater mal gar nicht vorstellen
      Hm, mein Opa mütterlicherseits (den ich nie kennengelernt habe) hat wohl immer über seine Sprösslinge gesagt, sie seien "sexuell verwildert " :icon_lol: Das zitiert mein Vater nur zu gern und diese Aussage erheitert jegliche Gesprächsrunde auf's neue.... :D
      Ich hab ihn übrigens auch mal direkt für mich adaptiert :pardon:

      Inwieweit dies allerdings über die tatsächlichen Neigungen meiner buckligen Verwandtschaft eine Aussage trifft, kann - und will! - ich nicht einschätzen :whistling:

      Noema schrieb:

      Wenn wir über "Vererben" sprechen gibt es mehrere Möglichkeiten: die (klassische) Genetik und die Epigenetik. Vielleicht gibt es hier einen Experten, der das besser erklären kann, aber so wie ich das verstanden habe, haben unsere Lebensweise und Stressfaktoren (z.B. Hungersnot, Trauma) Einfluss auf unsere Gene. Gene können dabei herauf- oder herunterreguliert werden. Und diese im Laufe des Lebens erworbenen Veränderungen werden vielleicht auch vererbt - eine Frage die unter Biologen heiß diskutiert wird.

      Daher könnte womöglich unser Ausleben von BDSM je nach Intensität Einfluss auf unsere Gene haben. Und diese Veränderungen könnten wir dann weitergeben. Ob wir damit aber eine Neigung weitergeben? Oder womöglich eine gewisse Schmerzresistenz? Oder etwas ganz anderes? Keine Ahnung.

      Du scheinst in dem Bereich aber auch mehr als nur Grundkenntnisse zu haben, oder doch gefährliches Halbwissen? :D Ich verfüge über sehr gefährliches Halbwissen. Ich habe einige Jahre in einem molekularbiologischen Labor gearbeitet und bspw. auch schon gentechnisch veränderte Lebewesen erschaffen. Von Vererbung verstehe ich auch ein wenig mehr als der durchschnittliche Abiturient...

      Wer ein wenig Hintergrundwissen will, der kann den Spoiler öffnen um einem längeren Monolog meinerseits zu folgen. Dazu sei gesagt, dass ich, dank wissenschaftlicher Ausbildung, sicherlich nicht unbewandert in dem Thema bin, aber auch nicht dafür garantieren werde, dass das alles 100% korrekt ist, wie ich es niedergeschrieben habe. Ich habe vollkommen aus dem Gedächtnis geschrieben. Bei Unklarheiten gerne kritisch nachfragen oder gleich selbst googeln und mich widerlegen :)

      Spoiler anzeigen
      Epigenetik ist wirklich eine interessante Geschichte, aber meines Wissens nach gibt es da bisher logischer Weise noch keine ernsthaften Langzeitstudien. Mein letztere Kenntnisstand ist, dass es relativ gesichert ist, dass sich epigenetische Veränderungen zwar in nachfolgende Generationen übertragen lassen, diese Veränderungen aber auch wieder in den Hintergrund treten können, sozusagen "verblassen" können. Man darf sich das auch nicht so vorstellen, dass dabei aktiv Gene, also die DNA-Sequenz selbst, verändert werden, sondern, dass sich moleküle an den DNA-Strang an entsprechenden Stellen anlagern und bestimmte Bereiche "vormerken" oder auch "ausklammern". Ein gutes bildliches Beispiel wäre ein Text, bei dem wir wichtiges mit dem Textmarker hervorheben und unwichtiges in Klammern setzen. Die Abfolge der Buchstaben, die hier für die DNA-Sequenz stehen sollen, bleibt davon allerdings unangetastet. Fakt zu Epigenetik ist allerdings auch, dass die Pflanzenzucht der Sowjets dank eines gewissen Herrn Lysenkow um Jahrzehnte zurückgeworfen wurde. Der hatte nämlich epigenetische anmutende Thesen aufgestellt (in etwa so: "Wenn wir Pflanzen in Sibirien züchten werden sie sich ganz sicher Kältetoleranz erwerben, auch wenn es dafür keine genetischen grundlagen im Genom der Pflanze gibt"). Leider war Lysenkow ein ziemlich guter Bro von Stalin und dementsprechend wurde seine Lehre zum Dogma erhoben (passte auch in anderen Bereichen gut in das Bild vom neuen sowjetischen Menschen) und gegenteilige Erkenntnisse wurde ignoriert. Allerdings war Lysenkow nicht besonders wissenschaftlich in seinem Vorgehen, es ist also auch kein vollendetes Argument gegen Epigenetik. Ich denke was man aber sagen kann, ist dass Epigenetik bestehende Merkmale verstärken/abschwächen kann, aber keine vollkommen neuen erzeugt.

      Da wir hier täglich sehen, wie vielfältig BDSM sein kann, können wir mit Sicherheit annehmen, dass es nicht ein einziges "BDSM-Gen" geben kann. Wäre die Neigung vererbbar müsste sie multigen und nicht monogen vererbt werden. (Funfact: Ein gutes Beispiel für einen monogenen Erbgang ist übrigens die Fähigkeit die Seiten der Zunge nach oben "aufzurollen". Entweder man kann es (hat das entsprechende Gen in der entsprechenden Ausprägung) oder man kann es nicht (hat das Gen nicht in der entsprechenden Ausprägung).
      Generell kann man wohl sagen, das Verhalten immer ein sehr Komplexes Merkmal ist und es schwer ist zu analysieren, wie groß der Einfluss unserer Gene tatsächlich ist.

      Es gibt den Begriff der "Heridität", der besagt wie groß der genetische Anteil an einem zu vererbenden Merkmal ist. Ein zu vererbendes Merkmal ist durch drei Größen beeinflusst: genetischer, umweltlicher und epigenetischer Einfluss. Bei einem Merkmal mit hoher Heridität wären umweltlicher und epigenetischer Einfluss auf die Merkmals Ausprägung sehr gering (Gutes Beispiel ist wieder das allseits beliebte Zungenrollen). Bei niedriger Heridität spielen umweltliche und epigenetische Faktoren eine größere Rolle.
      Mit den umweltlichen Faktoren sind übrigens alle Dinge gemeint, die nach der Zeugung des Organismus auf diesen einwirken. Ganz simpel gesagt könnte ich bspw. das genetische Zeug dazu haben ein riesiger Basketballspieler zu werden, aber es gab während meiner Jugend nicht genug zu Essen, also konnte ich mein genetisches Potential nicht ausschöpfen und bin nur durchschnittlich groß. Aber auch soziale Faktoren, wie Erziehung, Bildung, Zeitgeschehen und Freundeskreis können zu den umweltlichen Faktoren gezählt werden und Einfluss nehmen. Gerade bei Verhaltensmerkmalen sind das oft die wirklich wesentlichen Faktoren, sowohl bei Mensch als auch beim Tier. Es ist nicht wichtig diese Begriffe zu kennen, aber ich glaube für den normalen - im genetischen eher unbewanderten - Menschen ist es gut zu wissen, dass Gene oft nur die Grenzen setzen, in dem sich ein Merkmal ausprägt, die tatsächliche Ausprägung aber noch anderen Faktoren unterworfen ist.

      Was auch noch wichtig zu wissen ist: Unsere Gene verändern sich nicht im Laufe unseres Lebens, wir haben immer die gleichen, aber es werden nicht immer die gleichen Gene genutzt bzw nicht immer in der gleichen Intensität. Ein tolles und eigentlich auch sehr erstaunliches Beispiel ist ein Schmetterling, der ja bekanntlich als Raupe zur Welt kommt. Raupe (also die Larvenform des Tieres) und Schmetterling (sogenannte Imago) haben die exakt gleichen Gene, da ändert sich nix dran. Wenn ich euch die DNA-Sequenz einer Raupe und des daraus resultierenden Schmetterlings zum vergleichen gäbe könntet ihr sie nicht voneinander unterscheiden. Der Unterschied ergibt sich lediglich daraus, dass in Raupe und Schmetterling unterschiedliche Gene genutzt werden oder auch die gleichen allerdings in unterschiedlicher Menge. Das wir genetisch also immer gleich bleiben ist wichtig zu verstehen, denn so können wir Erlerntes nicht auf genetischem Wege an unsere Kinder weitergeben. Wir können ihnen nur beibringen was wir schon können, wenn sie erstmal auf der Welt sind. (Ein interessanter Gedanke dazu: der technologische Fortschritt funktioniert generationsübergreifend, aber unsere moralische Entwicklung fängt bei jeder Generation mehr oder weniger wieder von null an).


      Meine persönliche Meinung zu dem Thema: Ich halte es für sehr unwahrscheinlich dass BDSM in irgendeiner Weise direkt vererbt wird oder werden kann. Es kann sein, dass es bestimmte Persönlichkeitsmerkmale gibt, die vererbbar sind und die die Ausprägung einer BDSM Neigung befördern. Allerdings denke ich, dass das ganze dann sehr unspezifisch ist. D.h. diese Persönlichkeitsmerkmale könnten im einen Fall zu einer BDSM-Neigung führen und beim eineiigen Zwilling (= beide Individuen sind genetisch identische Klone) zu einer Vorliebe für irgendeine Extremsportart. Es kann meiner Meinung auch genauso gut sein, dass man nicht über diese Persönlichkeitsmerkmale verfügt, so sie denn existierten, und trotzdem auf BDSM steht. Manchmal ist es auch notwendig einen 'Gelegenheit macht Diebe'-Faktor zu haben. Wenn eine Idee nicht gedacht wird, dann kann sie auch nicht verfolgt werden.


      Was Kinder mit den Neigungen der Eltern angeht, sehe ich das so wie bastet:

      bastet schrieb:

      Kinder aber auch nicht
      Die bekommen mehr mit als uns manchmal lieb ist, bzw was wir denken dass sie mitbekommen
      Die bekommen sicher einiges mit, auch wenn man sich Mühe gibt. Die sind vielleicht manchmal blöd, aber nie dumm und oft auch noch unnötig neugierig ;) Und manchmal reicht das ja auch schon vollkommen aus: Ein eher unschuldiger Kontakt mit der Materie, bevor man eine vorgefertigte Meinung zu dem Thema übernehmen konnte, die es einem dann schwerer macht offen zu sein. Das heißt aber auch nicht, dass ich der Meinung bin, dass man Kinder möglichst früh mit solchen Dingen konfrontieren sollte. Ich glaube die sollten für sich selbst erkunden und entdecken dürfen...
      "Ich liebe den Verrat, aber ich hasse Verräter"
      Nein, das kann ich mir persönlich nicht vorstellen, habe auf meiner Suche nach Erklärungen auch noch nie etwas darüber gelesen.

      Ich bin in einer konservativen Familie mit strengen Eltern groß geworden.
      Meine Tochter ist zu 100% auf Vanilla geeicht.

      Masochismus, wie ich ihn verstehe, hat folgende möglichen Gründe:

      1.Ubiquitäres Phänomen
      2. Bestandteil von klinischen Störungsbildern
      3. Klinisches Störungsbild
      4. Form von Allosexualität


      Noema schrieb:

      Aber ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass sich andere Persönlichkeitsmerkmale vererben, die dazu führen, dass viele ihren Weg zum BDSM finden: eine gewisse Risikoaffinität, einen Hang zum Experience- und/oder Thrillseeking. Menschen, die eine höhere Schwelle des Sich-Spürens haben, finden einen guten Weg, das auszuleben, im Masochismus. Vielleicht ist es kein Zufall, dass so ziemlich jeder BDSMler den ich kenne, sehr offen und reflektiert ist.
      In dieser Aussage kann ich mich nicht wiederfinden.
      Ich habe mein Leben lang schon große Probleme damit gehabt, mich "selbst zu spüren".
      Ich bin weder offen, noch wirklich reflektiert.
      Liebe dich selbst, nimm dich selbst am wichtigsten.
      Nun, dann will ich auch mal meinen Senf dazugeben. :D

      In meiner Wahrnehmung ist alles was der einzelne Mensch ist, zum Teil Vererbung, zum Teil Umwelteinflüsse, zum Teil Evolutionsweiterführung.
      Vererbung: Neben der klassischen Vererbungslehre nach Mendel, nimmt die Epigenetik (= außerdem Genetik) einen immer größeren Stellenwert ein. Man weiß, z.B. heute, anhand von Rattenexperimenten, wenn eine Ratte hungerte, dann vererbt sie an ihre Kinder diese "Erfahrung" weiter, so das deren Kinder (und Kindeskinder) das Futter mehr anspeichern als die Generationen vor der Ratte die hungerte. Bedeute, ohne das die Kindesratte Hunger erlebt hat, speichert ihr Körper durch die Info von der Mutter mehr Fett an als bei anderen.
      Umwelteinflüsse: Dr. Bruce Lipton hat im Labor eindeutig nachgewiesen, daß Umwelteinflüsse einen entscheidenen Anteil haben, wer man ist bzw. was man lebt.
      Evolutionsweiterführung: Darunter verstehe ich, ich bin die nächste Generation meiner Eltern und somit weiter als sie in jeglicher Weise. Dies gilt für alle Generationen. Die Folgende ist immer weiter als die Vorherige.

      Wenn mein Vater dominant und meine Mutter submissiv war, dann trage ich das Potenzial beider in mir (Vererbung), durch das Erleben ihrers so Seins in unserer Familie (egal ob bewußt oder unbewußt), kam die Umweltbeinflussung bei mir diesbezüglich dazu. Beide Eltern konnten nicht aus ihrer Haut, mein Vater konnte nicht submissiv sein (also sich unterordnen) und meine Mutter konnte nicht dominant sein (also sich durchsetzen) bis zu dem Tag als ich durch die Evolutionsweiterführung in der Lage war, beides bewußt auszuleben und zwar genauso, wie es mir gerade dienlich war. Ab diesem Tag war meine Mutter in der Lage sich durchzusetzen und mein Vater in der Lage sich unterzuordnen, als hätte die Evolution sich in beide Richtungen weitergeführt durch die optimierte Auslebung meines Potenzials.

      Das SEIN ist immer in der Balance. Somit hat alles Duale seine Ausgleichung.