D/s und die Wichtigkeit der psychischen Komponente

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      D/s und die Wichtigkeit der psychischen Komponente

      Was mich derzeit beschäftigt...


      Früher war es so, dass ich Sex zwar nicht abgeneigt war, andererseits aber auch nie so wirklich Gefallen daran gefunden habe. Wenn ich einen neuen Partner hatte, waren die ersten Wochen oder Monate immer toll und ich hatte häufig Lust, jedoch hat dies recht schnell nachgelassen und Sex hat mich meistens eher gelangweilt. Irgendwas hat gefehlt. Grundsätzlich hat mir in meinen Beziehungen immer etwas gefehlt. Es hat mir nie gereicht und irgendwann sind meine Gefühle abgeflacht. Wenn eine Beziehung beendet wurde, ging das immer von meiner Seite aus.

      Mit meinem jetzigen Partner war und ist das anders. Unsere Bindung ist sehr stark und wir verstehen uns auf allen Ebenen. Es passt einfach. Auch was Sex betrifft, war es anders: Da hatte ich auch nach mehreren Jahren noch Lust, wenn auch nicht so oft wie im ersten halben Jahr. Aber es fiel ihm nie schwer, mir Lust zu machen. Das hatte zwei Gründe: Zum einen habe ich für ihn so intensive Gefühle, wie ich sie bis zu unserem Kennenlernen nicht kannte - nicht mal ansatzweise! Es ist Liebe, es ist Verehrung und wir können gar nicht genug voneinander bekommen, egal in welcher Hinsicht. Zum anderen war der Sex anders als mit meinen vorherigen Partnern. So gab es z. B. schon so einfache Dinge wie, dass er mich dabei an den Handgelenken festgehalten hat u. ä. Ich hatte beim Sex immer ein bisschen das Gefühl, jetzt 'seins' zu sein. Und das gefiel mir sehr. Über BDSM wusste ich bis dahin nur wenig bzw. hat es mich nicht interessiert und ich hätte meine Bedürfnisse nie in diesen Bereich eingeordnet. Um genau zu sein, habe ich mir darüber nicht mal Gedanken gemacht.

      Seitdem wir vor 2,5 Jahren eher zufällig und auf ganz spielerische Weise erste Schritte Richtung BDSM gemacht haben, wurde/wird mir immer klarer, was mir in meinen früheren Partnerschaften gefehlt hat. Da wir wie gesagt auch vorher schon einige Jahre zusammen waren und uns im Durchschnitt mindestens 5 mal pro Woche sehen, hatten und haben wir viel gemeinsame Zeit, dementsprechend viel ausprobiert und uns mehr und mehr in diese Welt eingefunden. Ich habe mich selbst besser kennengelernt, weiß, was mir gefällt und was nicht und kann mittlerweile durchaus sagen, dass ich ziemlich genau weiß, was ich will. Ich habe nach und nach meine Neigung entdeckt, interessiere mich seit diesen besagten ersten Schritten von damals allgemein für alles, was mit BDSM zu tun hat (egal ob es meiner Neigung entspricht oder nicht) und habe mich sehr viel darüber informiert (das mache ich nach wie vor). Von Anfang an lag mein Hauptaugenmerk auf D/s. Dominiert, gelenkt, geführt werden - mich unterwerfen und hingeben, ihm folgen... Das ist es, was mir gefällt und früher gefehlt hat. SM gehört sicher auch dazu. Die Mischung macht's.

      Ich habe nie mit meiner Neigung gehadert und brauchte auch kein 'inneres Outing', wie ich es hier schon von einigen gelesen habe. Ganz im Gegenteil: Ich habe herausgefunden, was mir gefällt und mich darüber gefreut. Fertig. Genauso wenig (also gar nicht ^^ ) habe ich mich dafür geschämt, dass BDSM für mich weit über den sexuellen Bereich hinausgeht und ich es auch im Alltag liebe, mich meinem Partner unterzuordnen, mich nach ihm zu richten und dass ich seine Bedürfnisse gerne über meine eigenen stelle (meistens). Mir kam zwar öfter mal der Gedanke, dass das nicht so recht in die heutige Zeit passt, doch stört mich das herzlich wenig, weil ich ja nun weiß, dass ich es (theoretisch) trotzdem haben kann und bei Weitem nicht die Einzige bin, die so denkt und fühlt.

      Meinem Partner/Herrn gefällt das alles ebenfalls. Und wie! Er sagt auch, Lust in solchen 'Dimensionen' habe er nie zuvor erlebt und gekannt. Unsere Neigungen passen alles in allem sehr, sehr gut zusammen. Es gab bisher keine Spielart (oder wie man es sonst nennen möchte), die nur einem von uns gefiel. Wir ticken da sehr ähnlich. Wie erwähnt, haben wir unsere Neigung gemeinsam entdeckt und uns nach und nach vorgetastet. Es hat sich sehr schön entwickelt, Schritt für Schritt. Insgesamt bin ich deutlich informierter über die ganze Thematik, als mein Herr es ist. Abgesehen davon, dass er manchmal Begriffe verwendet, die völlig unpassend sind und dass mich das dann ziemlich nervt (weil es zeigt, dass er von diesen speziellen Dingen absolut keine Ahnung hat und ihn scheinbar allein diese Wörter an sich schon erregen - er aber genau weiß, dass es bei mir ganz und gar nicht gut ankommt, mit Begriffen um sich zu werfen, deren Bedeutung er offensichtlich nicht einmal kennt (es fällt mir dann ausgesprochen schwer, ihn noch ernst zu nehmen)), war es bisher aber nicht weiter störend und hat nie zu Problemen geführt, dass meine theoretischen Kenntnisse die seinen deutlich übersteigen. Wie dem auch sei...

      Für ihn scheint das Körperliche sehr im Vordergrund zu stehen, während mir die psychische Komponente sehr viel wichtiger ist. Wenn mir etwas nicht gefällt, sage ich das. Ich halte das für wichtig, schließlich mussten wir uns ja auch erstmal in dieser 'neuen Welt' orientieren (zum Teil müssen wir das immer noch, es ist schließlich eine Entwicklung, die immer weiter voranschreitet) und herausfinden, in welche Richtung es gehen soll und kann. Es liegt uns beiden viel daran, dass der andere genauso große Freude und Befriedigung aus den Dingen zieht, die zwischen uns passieren. So kam es durchaus schon vor, dass ich ihn gewissermaßen gebremst habe, wenn mir während einer Session alles zu schnell ging. Ich brauche Führung, möchte mich emotional und mental von ihm 'gefangen' nehmen lassen! Dann kann ich ihm folgen, seinen Forderungen nachkommen, mich ihm hingeben und bin zu vielem bereit. Dominanz und Unterwerfung - das ist es, was ich brauche. Ohne das funktioniert es bei mir nicht. Wenn er mir z. B. gleich zu Anfang zwischen die Beine fasst, ohne dass dem etwas vorangegangen ist, was mich das Machtgefälle hat spüren lassen, gehe ich innerlich direkt auf Abwehr. Ich fühle mich dann körperlich bedrängt und seelisch übergangen. Das wollen wir beide nicht und ist aufgrund meiner Vorgeschichte pures Gift für meine Seele.

      Ich unterwerfe mich ihm von Herzen gern, sowohl im Alltag als auch im sexuellen Bereich. Ich diene auch gerne mal einfach nur seiner Lust (seine sexuelle Befriedigung ist mir ganz ehrlich sehr viel wichtiger als meine eigene). Allerdings kann und möchte ich das alles nur, wenn ich ein deutliches Machtgefälle wahrnehme. Ihn oral oder mit der Hand zu befriedigen, ist kein Problem. Das kann er im Grunde haben, wann immer er möchte. Dazu bin ich jederzeit bereit. Aber wenn es darum geht, ihm sozusagen meinen Körper zur Verfügung zu stellen, brauche ich mehr. Mich BDSM-Handlungen (im sexuellen, körperlichen Bereich, wohlgemerkt) hingeben ohne auch nur einen Hauch von Dominanz zu spüren? Wie soll ich mich jemandem unterwerfen, mit dem ich auf Augenhöhe bin? Das geht für mich nicht zusammen und entspricht nicht meinen Vorstellungen davon, wie ich BDSM ausleben möchte.

      Er war mir manches Mal jedenfalls zu schnell darauf aus, 'zur Sache' zu kommen. Ich habe ihn darauf hingewiesen und ihm deutlich gemacht, dass ich mich damit nicht wohlfühle. Das ist nun bestimmt schon 1 bis 1,5 Jahre her und seitdem hat es sich unglaublich toll zwischen uns entwickelt. Er 'musste' ( ;) ) sich 'eingestehen', dass es auch für ihn sehr viel geiler ist, je länger wir es hinauszögern. Es steigert die Lust enorm, wenn wir eben wirklich miteinander 'spielen'. Wenn er mit meinen Sinnen, meinem Körper, meiner Lust 'spielt' und wir einen Teil der Vielfalt, die BDSM bietet, auskosten. Einfach mal eben ficken ist dagegen sowas von langweilig und gibt mir persönlich gar nichts, selbst wenn es 'harter' Sex ist und mein Herr Dinge mit mir macht, die ich unter anderen Umständen geil finde. Hin und wieder können wir das gerne machen, sofern auch ich ohnehin schon in Stimmung bin. So kann für mich aber einfach keine Session beginnen und zudem können wir uns so nicht weiterentwickeln, nichts Neues entdecken und unsere Lust gar nicht in vollen Zügen genießen und ausleben. Es gibt unzählige Dinge voller Leidenschaft, Sinnlichkeit und Hingabe, die uns beiden gefallen und regelrecht in einen Rausch versetzen. Er musste erstmal begreifen, dass wir auf ganz, ganz viel verzichten, wenn er 'zu schnell' ist und das alles am liebsten überspringen würde, nur weil er seine Lust nicht im Griff hat (das klingt böse, aber ich weiß nicht, wie ich es sonst ausdrücken könnte) und sich deswegen nicht zurückhalten kann.

      Natürlich: Er ist mein Herr und bestimmt, was zwischen uns passiert. Das gefällt mir sehr und genauso wünsche ich es mir! Aber wenn er meint, dies für sich in Anspruch nehmen zu können - dass er das Geschehen bestimmt - sollte BDSM auch das bleiben, was es ist. Das, was es für uns ist - so, wie es uns beiden gefällt. Und dazu gehört eben ganz klar auch Dominanz und Unterwerfung.
      Warum ich das alles schreibe, wo ich doch vorhin erst erzählte, dass es sich alles so wunderschön entwickelt hat? Tja... Weil das alles in den letzten Wochen (oder sogar Monaten - so genau weiß ich es gar nicht) stark nachgelassen hat, es mir fehlt und mich beschäftigt. Wir führen keine 24/7-Beziehung, haben D/s im Laufe der Zeit aber doch mehr und mehr in den Alltag integriert und es haben sich einige sehr schöne Rituale, Regeln u. ä. entwickelt. Z. B. soll ich ihm schriftlich kurz Bescheid geben, wenn ich das Haus verlasse (auch den Grund bzw. wohin ich fahre) und mich anschließend auch wieder zurückmelden. Das mache ich sehr gern, aktuell aber eigentlich nur noch aus Gewohnheit und weil ich sonst ein schlechtes Gewissen hätte, aber nicht, weil ich das Gefühl habe, dass ich es 'muss' oder es ihm wirklich wichtig ist. Entscheidungen, die mich betreffen, fälle ich plötzlich nur noch selbst. Wenn sie uns betreffen, macht er meistens einen Vorschlag und fragt mich, ob mir das so recht wäre... Ich muss ihn dann regelrecht darum bitten, dass er das entscheidet, andernfalls kann ich damit nämlich nicht rechnen... Bis vor einiger Zeit hat er mir manchmal gesagt, was ich zum nächsten Treffen anziehen soll. Jetzt ist es eher so, dass er sagt 'Wenn du möchtest, kannst du morgen gerne das und das anziehen.'. Also eher als Bitte formuliert, der ich nachkommen kann oder nicht, wenn ich nicht will. Großartig... Das war alles mal anders und da waren auch noch viel mehr Dinge als die, die ich jetzt genannt habe. Warum das so ist, weiß ich nicht. Wenn er D/s im Alltag nicht haben möchte / nicht mag, wäre das schade, aber völlig ok, nur wären mir dann klare Worte doch sehr lieb, damit ich weiß, woran ich bin.

      Im sexuellen Bereich ist es das gleiche: Seine Dominanz scheint sich nahezu in Luft aufgelöst zu haben und kommt nur ganz selten, vielleicht für ein paar Minuten, mal zum Vorschein. Ein Machtgefälle nehme ich nicht mal mehr im Ansatz wahr. Es vergeht eigentlich kein Tag mehr so ganz ohne BDSM, selbst wenn es mal nur kleine Andeutungen in Gesprächen oder so sind. Er spricht häufig davon, Lust auf dieses und jenes zu haben und kündigt irgendwelche Dinge an, die er beim nächsten Treffen (welches dann meist am nächsten Tag ist) mit mir machen oder von mir verlangen würde, doch setzt er letzten Endes nichts davon in die Tat um. Das ist sehr enttäuschend für mich. Die letzten Sessions habe ich als sehr anstrengend empfunden, da es mir kaum möglich war, Lust zu entwickeln. Es ging halt alles nur rein ums Körperliche und die psychische Ebene wurde komplett außen vor gelassen. Das gibt mir überhaupt nichts und so fällt es mir sehr, sehr schwer, mich fallen zu lassen bzw. mich überhaupt darauf einzulassen. Was bringt mir schon ein beherzter Griff in den Nacken oder an die Kehle, wenn ich das Gefühl habe, dass das gerade auf Augenhöhe passiert? Absolut gar nichts. Ich finde es eher lächerlich und die Lust, die mir solche Gesten unter anderen Umständen bereiten, scheint unendlich weit entfernt. BDSM-Handlungen, ohne mich auch nur ein kleines bisschen unterlegen, dominiert, geführt zu fühlen - das funktioniert bei mir nicht und ruft keinerlei Erregung hervor. Meine Lust geht langsam wirklich gegen null.

      Ich kann niemanden als meinen Herrn ansehen, der mir gegenüber keinerlei (oder nur mal so nach Lust und Laune - heute ja, morgen wieder nicht) Dominanz zeigt, wenig konsequent ist und sich scheinbar nicht mal gegen mich durchsetzen möchte, sondern fast jedes Nein einfach so hinnimmt und akzeptiert. Ich möchte spüren, dass meine Unterwerfung wirklich gewollt ist, dass Dinge auch mal ohne Wenn und Aber eingefordert werden und es Konsequenzen hat, wenn ich mich dem verweigere. Wie ich zu Anfang schon schrieb: Ich möchte dominiert, gelenkt, geführt werden! Emotional, mental und ja, damit zusammenhängend auch sehr, sehr gerne körperlich. Ich möchte nicht nur seine Sub sein, sondern mich auch so fühlen. D/s ist für mich die Basis. Darauf kann alles weitere aufbauen. So kann und möchte ich BDSM (aus)leben.

      Ich habe versucht, ihm verständlich zu machen, dass ich 'mehr' brauche. Kürzlich, nachdem er mal wieder am Telefon große Ankündigungen gemacht hat, antwortete ich 'Ja, dann musst du das aber auch mal machen (und nicht nur sagen)!'. Ein anderes Mal habe ich versucht, ihn dazu zu ermutigen, all diese schönen Dinge auch wirklich umzusetzen und nicht nur davon zu sprechen. Ich sagte ihm in etwa: 'Du weißt: Du hast mein Einverständnis, mich zu diesen Dingen aufzufordern. Du darfst im Grunde alles von mir verlangen, solang es nicht meine Grenzen überschreitet - und dann mache ich das auch. Ich muss nur auch spüren, dass du das wirklich willst! Du weißt, wie sehr ich es liebe, mich dir zu unterwerfen und Macht zu spüren. Davon spüre ich aber nichts, wenn du bei jedem kleinsten Widerstand nachgibst oder sowas sagst wie Ich fände es schön, wenn... oder Vielleicht solltest du....'.
      Ich dachte, vielleicht hätte ihn irgendetwas verunsichert, was er mir aber nicht gesagt hat und dass es ihm gut täte, nochmal ganz deutlich von mir zu hören, dass er meine Einwilligung hat, 'so' zu sein und so zu handeln. Denn dass er es kann und auch große Lust und Befriedigung daraus zieht, habe ich ja über einen recht langen Zeitraum erlebt. Ich denke, meine Worte waren unmissverständlich, aber geändert hat sich seitdem nichts. Das ist so schade... Ende letzten Jahres sah alles danach aus, als würden wir unser D/s zukünftig noch weiter ausbauen und mehr in den Alltag integrieren. Darauf habe ich mich wahnsinnig gefreut! Es stand sogar im Raum, dass es ein kleines Büchlein mit Regeln für mich geben würde, an die ich mich ab dann zu halten hätte. Eine wunderschöne Idee - mir hat sie sehr gefallen, weil sie etwas sehr Liebevolles und doch auch Einschränkendes hatte. Für mich bedeutet das Sicherheit und Geborgenheit. Wir hatten schon eine Menge Ideen zusammengetragen (nur mündlich). Vor ein paar Tagen hatte ich Geburtstag. Ungefähr zwei oder drei Wochen zuvor sagte ich, dass ich mir besagtes Büchlein von ihm zum Geburtstag wünsche und er antwortete lächelnd 'Ok... Gut!'. Dass ich es nicht bekommen habe, brauche ich wohl nicht zu erwähnen... (Er hat mir mit seinen Geschenken dennoch viel Freude bereitet, aber das tut hier jetzt nichts zur Sache... )

      Ich denke oft darüber nach, woran es wohl liegen könnte, dass es sich von seiner Seite aus fast komplett auf die körperlichen Aspekte verlagert hat. Beziehungstechnisch läuft es gut zwischen uns, wir haben keine Probleme miteinander und insgesamt ist es sehr harmonisch. Da lässt sich die Ursache nicht finden. Ich gehe davon aus, dass ihm das alles gar nicht so bewusst ist und keine Absicht dahintersteckt, sondern dass ihn allein schon die körperlichen Dinge so sehr erregen (und ihm im Prinzip evtl. sogar ausreichen würden), dass er gar nicht wirklich merkt, dass auf der psychischen Ebene kaum noch etwas stattfindet. Das wäre durchaus denkbar, denn wie oben beschrieben, kam es vor ungefähr 1,5 Jahren schon mal vor, dass er eher auf den rein sexuellen Teil fixiert war. Vielleicht ist das jetzt wieder so eine Phase oder er ist da einfach irgendwie wieder so 'reingerutscht', weil ihn alles, was wir machen und jede Spielart, die wir neu für uns entdecken, so enorme Lust bereitet, dass er das Drumherum (welches für mich essentiell ist) 'vergisst'.

      Ja, ich weiß: Es ist Zeit, darüber zu reden und das wird auch passieren. Da habe ich überhaupt keine Scheu, schließlich möchte ich ihn a. verstehen und b. dass sich etwas verändert. Diesmal werde ich ihn allerdings losgelöst von einer solchen Situation darauf ansprechen. Vielleicht wird ihm mein Anliegen dann deutlicher.
      Ich möchte das alles gar nicht als Problem schildern, bei dem ich Hilfe oder Rat brauche. Es sind nur Gedanken, die mir seit Wochen durch den Kopf gehen und ich endlich mal in Worte fassen wollte, weil sie mich bewegen und mir wichtig sind.

      Vor Kurzem haben mich sogar tatsächlich zum allerersten Mal Zweifel hinsichtlich meiner Neigung heimgesucht. Ich habe mich gefragt, ob das alles überhaupt das Richtige für mich ist. BDSM - ist das eigentlich wirklich mein Ding? Bin ich wirklich Sub? Ich sage doch immer, dass ich es liebe, ihm zu dienen und dass es mich so glücklich macht, ihm seine Wünsche zu erfüllen, seine Bedürfnisse zu befriedigen und dass ich diese mit Hingabe über meine eigenen stelle! Warum bin ich dann plötzlich so fordernd? Warum gefällt es mir denn dann nicht, dass sich 'unser BDSM' momentan hauptsächlich auf sexueller Ebene abspielt - wenn dies doch offenbar seinem Verlangen entspricht? Ich dachte, das sei mir so wichtig!? Habe ich mir da vielleicht nur etwas eingeredet?

      Diese Gedanken und Zweifel habe ich zum Glück nach ein, zwei Tagen über Bord geworfen. Ich habe mir nichts eingeredet. Ich hatte in meinem Gedankenchaos, das aus Sehnsucht, Traurigkeit und allerlei unbeantworteten Fragen bestand, nur für einen Moment 'vergessen', dass Sub sein nicht bedeutet, keinen eigenen Willen mehr haben zu dürfen und auf das, was mir wichtig ist, verzichten zu müssen. Wenn ich die Bedürfnisse meines Herrn über meine eigenen stelle, heißt das nicht, dass meine nicht mehr existieren. Ich setze lediglich die Prioritäten anders. Und durch die Erfüllung seiner Bedürfnisse werden meine eigenen zum Teil ja ebenfalls befriedigt. Nur muss dafür auch das Drumherum passen! Wenn das nicht passt, passt auch alles andere nicht. Mit dem Vorhandensein von Devotion hat das nichts zu tun. Die Liebe zur Unterwerfung, zum Dienen und (in gewissem Maße auch) zum Benutztwerden ist tief in mir verankert und bleibt davon erstmal unberührt. Nur muss das Interesse, dies auszuleben, erstmal angetriggert werden. Wenn das nicht passiert, schlummert es halt irgendwie in mir, ruht und wartet darauf, gewollt zu werden.

      Eigentlich waren diese Zweifel und damit einhergehenden Gedanken gut, auch wenn sie sich nicht schön angefühlt haben. Letztlich haben sie mir meine Neigung noch bewusster gemacht, meine Vorstellungen davon, wie ich BDSM ausleben möchte, verfeinert und mich ein klares Bild davon zeichnen lassen, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um es ausleben zu können und zu wollen. Ich weiß, was ich will, was ich mir wünsche und was ich brauche. Das ist gut. Und wichtig. Und ich kann mit letzter Sicherheit sagen, dass BDSM für mich keine Spielerei für zwischendurch ist. Es ist viel mehr als das. Sub sein ist für mich keine Rolle, die sich nach Belieben ein- und ausschalten lässt. Die 'Zofe' ist ein Teil von mir, meiner Persönlichkeit. Diesen Teil auszuleben, bedeutet pure Leidenschaft und ein Öffnen meiner Seele. Wenn die Grundvoraussetzungen, die gegeben sein müssen, um diesen Teil ausleben zu können und zu wollen, nicht erfüllt sind, schenke und offenbare ich diesen Teil niemandem so ohne Weiteres. Dafür ist er viel zu wertvoll. Devotion hin oder her.


      Es war mir ein Bedürfnis, diese Gedanken einfach mal loszuwerden, mich mitzuteilen, auch wenn ich keine 'Problemlösung' suche (als Problem sehe ich es nämlich nicht, denn ich denke, die Situation lässt sich durch reden ganz einfach auflösen und verändern). Kommentare sind aber erwünscht, falls sich jemand dazu äußern möchte (keine Ahnung, ob es dazu überhaupt noch irgendetwas zu sagen gibt...). Mich würde auch interessieren, ob die psychische Komponente für andere D/s-ler ebenfalls von so hoher Wichtigkeit ist oder ob es (ab und zu) auch komplett ohne geht und BDSM dann 'trotzdem' zu seelischer Befriedigung/Erfüllung führt.
      Hallo @Zofe,

      ich finde Deine Gedanken unheimlich gut nachzuvollziehen.
      Bei meinem Herrn und mir war es die letzten Monate ähnlich, allerdings waren wir durch äußere Umstände sozusagen dazu gezwungen (seine Tochter lebte bei uns und ein so kleines Mädchen sollte schließlich kein „falsches“ Machtgefälle erleben).
      Trotz der Tatsache, dass alles rational total logisch erklärbar war, hat mir ein entschiedener Teil gefehlt. Die Sessions wurden a. seltener und der „Zwischendurchkram“, wie beim Kochen neben ihm zu knien, oder abends beim Fernsehen an seinem Fußende zu liegen, strafende Blicke, wenn ich ihn unerlaubt ansehe, ..., all das hat mir extrem gefehlt. Das habe ich nicht mal richtig gemerkt, bis er mir dann jetzt den Ring geschenkt hat (seine Tochter zieht zur Mutter) und ich ihn seit einigen Tagen wieder gänzlich wie meinen Herrn behandeln kann.
      Ich fühle mich einfach so unheimlich geerdet und endlich wieder Zuhause. Das Gefühl war es, was mir gefehlt hat. Diese unglaublich schöne Ruhe. Also ja, die psychische Komponente ist für mich ebenfalls sehr wichtig. Sie, der Alltag, ist mir sogar wichtiger als der Sex.

      Ich wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg für das Gespräch mit deinem Herrn.

      Liebe Grüße! :)
      Danke @Zofe für diesen Blog, der mich berührt und gerade ein bisschen " umhaut" , wie ein Deja-vu, weil viele Stellen Deines Textes, Auszüge aus Gesprächen und Briefen sein könnten, wie ich sie in einer DS Beziehung ausgetauscht habe.


      "Mich würde auch interessieren, ob die psychische Komponente für andere D/s-ler ebenfalls von so hoher Wichtigkeit ist...."

      Eindeutig ja.

      Der Fisch weiss nicht weshalb er das Wasser zum Leben braucht. Er weiss aber, dass er es braucht und das ist keine Forderung sondern eine Notwendigkeit. Übertragen auf DS... um es ausleben zu können, damit die Seele "Zuhause ist ", braucht sie für mich was Du psychische Komponente nennst. Auch ich zweifelte an meiner Neigung und fragte mich ob ich zu fordernd bin.

      "oder ob es (ab und zu) auch komplett ohne geht und BDSM dann 'trotzdem' zu seelischer Befriedigung/Erfüllung führt."


      Eindeutig nein ...

      denn es ist als, dürften 3 Kinder spielen und 2 müssten zugucken. Das konnte ich eine Zeit lang kompensieren z.B. über die Devotion, ist aber auf die Dauer schmerzhaft. Erfüllung gibt es für mich nur in der Kombination, das geht viel tiefer als ein Orgasmus sein könnte.... teilweise auch ganz ohne Sex.... aber nie ohne das DS.

      Meine persönlichen Erkenntnisse aus dieser Zeit : DS muss man wollen/braucht Willen und ich kann niemanden dazu bringen mich zu führen, der diese Neigung nicht besitzt.


      Das soll nun kein "Unkenruf" sein ^^
      Das war nur mein Senf dazu.
      Alles Gute für euch beide :blumen:
      Danke für den sehr persönlichen Bericht. :blumen:

      Wenn ich dich richtig verstehe, ist es dir wichtig, dein devotes Handeln als uneigennützig und deine submissive Seite als selbstlos anzusehen. Stimmt das? Wenn ja: Warum ist das so?

      Für mich hat Submission nichts mit Uneigennützigkeit zu tun. Mein devotes Handeln ist letztlich eigennützig motiviert: Ich will, dass er mich so behandelt. Ich brauche es. Ich will das alles für ihn tun. Das schmälert in meinen Augen nicht den Wert meiner Handlungen. Mein Herr findet es anscheinend süß und sogar submissiv, wie sehr ich es brauche. Diese Sichtweise hebt mich vom Thron der heiligen Selbstlosigkeit. Für uns passt das. Ich finde die Vorstellung schön: Ich hab, als seine Sklavin, auf keinem Thron zu sitzen, auch nicht auf dem einer zur Selbstlosigkeit idealisierten Vorstellung meiner Neigung.

      Ich wünsch euch ein gutes Gespräch!
      Es gibt Hunderte von Arten, niederzuknien und den Boden zu küssen. (Rumi)
      @Zofe
      Ich danke dir für das Teilen deiner Gedanken. Staunend las ich, dass sich deine Art der Devotion gar nicht so sehr von meiner Art unterscheidet. Und besonders berührt hat mich das Bekenntnis der eigennützigen "Selbstlosigkeit" einer sub ( :blumen: @Frl. Irrlicht) . Genau so sehe ich mich.
      BDSM - D/s im Speziellen - ohne psychische Komponente ?( , das sehe ich genau wie @Sannisa "eine Rotweinsauce ohne Rotwein"...
      Zwischen dem, was ich denke, dem, was ich sagen will, dem, was ich zu sagen glaube und dem, was ich wirklich sage und

      dem,

      was Du hören willst, dem, was du wirklich hörst, dem was du zu verstehen glaubst, dem, was Du verstehen willst und dem, was Du wirklich verstehst, gibt es 9 Möglichkeiten, sich nicht zu verstehen.

      Passagno
      Möglicherweise ist das Thema schon um die Ecke und die Gespräche schon geführt und die Welt wieder gerade gerückt. Ich möchte auch gar keine Ratschläge geben, sondern lieber nur erzählen, dass ich diese Situation auch ein bisschen kenne. Ich lese die Erzählung natürlich aus der Dom-Sicht und da fällt mir dazu ein, dass die psychische Komponente dann ganz easy und problemlos zu handhaben ist, wenn alles gut läuft, und ich meine damit auch die Dinge außerhalb der Liebe, nämlich Beruf, körperliches Wohlbefinden etc. Wenn ich in einer persönlichen Schwächephase bin, ist das Aufrechterhalten des Machtgefälles anstrengend und kraftraubend, und ich mache nur noch das Notwendigste. Insbesondere wenn ich im beruflichen Umfeld in einer schwachen Position bin und mich behaupten muss und es gegebenenfalls nicht kann, ist es für mich sehr schwer, im Ds die Dominanz aufrecht zu erhalten. Dann - also in Krisensituationen - bleiben vor allem die Rituale und eingespielten Abläufe, und eben Sessions, weil dann muss ich nur für die Stunde Kraft aktivieren und nicht 24/7. Wenn sogar die Rituale verkümmern wäre das allerdings ein Alarmzeichen. Was den selbstlosen Dienst angeht, gehe ich davon aus, das Sub will, was sie tut, sonst täte sie es ja nicht. Schlimm wäre für mich, wenn sie selbstbezogen und ganz auf ihre Bedürfnisse abgestellt handeln würde, denn dann wäre ich ja nur ein Dienstleister in ihrem Plan. Deshalb würde ich auch erwarten, dass sie mir Phasen der Schwäche zugesteht und in diesen die Pflege und den Dienst von sich aus verstärkt und sogar damit umgeht, dass die Führung nachlässt. Das geht natürlich nur über einen bestimmten Zeitraum, weil sonst erschlafft meine Führungskraft erst recht. Und das wäre auch ein Zeichen, dass etwas grundsätzlich nicht stimmt. Wenn man anfangen muss, intensiv zu reden, ist es bei meinem Charakter und in meiner Erfahrung besser, sowohl auf Sex als auch auf Sessions zu verzichten, weil sonst die Gier bei mir alleiniger Antrieb wird. Und auch das Machtgefälle kann ich dann nicht mehr ausleben, weil dann müssen alle Schwächen und Bremskräfte auf den Tisch, und das geht nicht von oben nach unten. Dass ich dabei das Gespräch leite, ist das einzige, was ich dann noch leisten kann. Und wenn man da durchgegangen ist, kann ich wieder den Nacken strecken und sie ihren beugen. Wie gesagt, dass ist eine Krisenbeschreibung. Und es ist kein allgemeingültiger Rat sondern nur eine persönliche Erfahrung, die vielleicht jemanden hilft.
      It's a sad and beautiful world.
      Danke für eure Beiträge! Um ehrlich zu sein, habe ich sie erst Sonntag Mittag gelesen (und bin seitdem damit beschäftigt, diese Antwort zu verfassen...). Nachdem ich diesen langen Text verfasst und mich dann auch noch überwunden habe, ihn tatsächlich abzuschicken, musste ich mich gedanklich erstmal wieder ein bisschen von dem Thema distanzieren, um mich nicht darin 'festzudenken'. Es hat mich runtergezogen und ich wollte mich nicht in traurigen Gefühlen verlieren.

      Nun freue ich mich aber umso mehr, dass meine Beiträge so oft gelesen wurden und ihr euch Zeit genommen habt, darauf einzugehen! :)


      Frl. Irrlicht schrieb:

      Wenn ich dich richtig verstehe, ist es dir wichtig, dein devotes Handeln als uneigennützig und deine submissive Seite als selbstlos anzusehen. Stimmt das?



      Nein. Das entspricht weder den Tatsachen, noch ist mir dies wichtig, noch war es Inhalt meiner Gedanken. Ich wollte auf etwas anderes hinaus.
      Ich versuche es nochmal mit anderen Worten:


      Mein Wunsch ist es, meinem Partner gut zu tun, ihn glücklich zu machen und ihm zu geben, was er braucht - in erster Linie auf menschlicher, emotionaler und mentaler Ebene. Das hat mit BDSM erstmal nicht viel zu tun. Dieser Wunsch beruht auf meiner Liebe zu ihm, auf der Verehrung seiner ganzen Person. Dies zu dürfen, ist ein Teil meiner Idealvorstellung von einer Beziehung. Optimal ist es natürlich, wenn in der Hinsicht eine gewisse Gegenseitigkeit besteht, sprich dass es in ähnlicher Form erwidert wird, also dass wir beide bestrebt sind, zum Glück des anderen beizutragen und dafür sorgen möchten, dass es ihm gut geht. Volltreffer, kann ich da nur sagen! ( ;) :love: )

      Seitdem ich meine eigenen Bedürfnisse klarer definieren und zuordnen kann, weiß ich, dass tief in mir der Wunsch nach Unterwerfung wohnt. Zum Verlangen wird dieser Wunsch, wenn ich den richtigen Partner an meiner Seite habe. Der, den ich liebe und verehre - der, dem ich zutraue, mich führen und beschützen zu können (das stand für mich von Anfang an außer Frage, da er in der Vergangenheit auf menschlicher sowie partnerschaftlicher Ebene in ganz unterschiedlichen Situationen bereits 'bewiesen' hat, dass er dazu fähig ist - völlig losgelöst von Dom und Sub) - der, der es in meinen Augen wert ist, dass ich ihm folge und diene. Man könnte es als eine Art Grundgefühl bezeichnen, welches ich beim Gedanken an ihn und unsere Beziehung in mir habe.

      Dieses Grundgefühl sagt (in Bezug auf den Wunsch bzw. das Verlangen nach Unterwerfung) in etwa aus 'Mit dir kann ich mir das gut vorstellen.', nicht aber 'Ich bin allzeit bereit!'.

      Meine Liebe (und dazu zählt auch das Bestreben, zu seinem Glück beizutragen) zu ihm ist bedingungslos. Die ist stabil und gefestigt, über Jahre gewachsen und dafür muss er nichts 'leisten' oder irgendwelchen Ansprüchen gerecht werden. Ich liebe ihn als Mensch und als Mann, genauso wie er ist. Egal ob er gut oder schlecht gelaunt ist, egal ob er sich viel mit mir beschäftigt oder wenig Zeit für mich hat, egal ob er gerade selbstbewusst und erfolgreich ist oder sich in einer Phase voller Selbstzweifel und Ängste befindet. Ich will ihn so, wie er ist - das kann ich ganz ehrlich und von Herzen so sagen. Meine Bereitschaft zur Unterwerfung - oder nein, ich kann es eigentlich noch viel weiter fassen: meine Bereitschaft, BDSM (mit Schwerpunkt D/s) zu praktizieren, setzt hingegen einige Bedingungen voraus, die definitiv erfüllt sein müssen. Wir führen keine 24/7 D/s-Beziehung (dann sähe es wieder anders aus), über das Ausleben in Sessions geht es allerdings doch hinaus und taucht auch in verschiedenen Bereichen im Alltag auf. Es handelt sich also immer nur um Zeitabschnitte von einigen Stunden oder um einzelne, teils wiederkehrende Situationen. Und in diesen Stunden und Situationen dürfen einige Voraussetzungen für mich einfach nicht fehlen. Andernfalls kann und will der devote Teil, der nun mal Teil meiner Persönlichkeit ist, gar nicht 'raus'.

      Die Sub in mir ist immer da, aber sie wartet darauf, angesprochen, gewollt und angenommen zu werden. Sie ist ein Teil von mir, gehört zu mir - und doch kann sie nur leben, wenn ein Gegenpol da ist, der sie wahrnimmt und will, der ihr einen Nährboden bietet und sie füttert. Wenn niemand da ist, der ihr ihren Platz und ihre Position zeigt, der ihre Unterwerfung wünscht/erwartet und ihr Dienen genießt, fühlt sie sich ganz schön einsam und verloren. Und dann zieht sie sich zurück. Im Grunde erwartet sie gar nicht viel. Sie braucht ein spürbares Machtgefälle, einen Partner, zu dem sie aufschauen und dem sie sich unterordnen kann, weil er weiß, was er will, dies durchzusetzen weiß und selbstbewusst genug ist (und den Willen hat!), sie zu führen.

      Glücklicherweise habe ich dies in meinem Partner ja nach einigen Jahren, die wir bereits zusammen waren, gefunden - den, der diesen Nährboden bietet, die Sub in mir füttert, sie herauskommen und leben lässt.


      Wie gesagt: Ich spreche hier nicht von 24/7, sondern von kurzen Zeitstrecken, in denen Dominanz für mich ein klares Muss ist, um mich auf die entsprechenden Situationen einlassen zu können und in meinem Partner nicht nur meinen Partner, sondern auch meinen Herrn zu sehen. Tag und Nacht erwarte ich das keineswegs! Ich mag auch die Zeit, in der wir wie ein ganz 'normales' Paar miteinander umgehen, also mehr oder weniger auf Augenhöhe. Darüber hinaus - und das ist der wirklich entscheidende Grund, weshalb ich es nicht 24/7 mit ihm ausleben möchte - ist er für sowas schlicht und ergreifend nicht gemacht. Es würde nicht zu ihm passen, entspricht nicht seinem Charakter und ganz sicher auch nicht seinen Bedürfnissen und seiner Vorstellung einer glücklichen, erfüllenden Beziehung. Demnach ist es auch nicht mein Wunsch, permanent und in jeder erdenklichen Situation von ihm dominiert und geführt zu werden. Ich kann und will nichts von ihm erwarten, was er mir nicht geben kann und möchte. Auch vor unserer BDSM-Zeit war ich glücklich mit ihm an meiner Seite. Ich bin liebend gern für ihn da, freue mich, wenn er mich um Rat fragt, Wert auf meine Meinung legt, ich ihn in schwierigen Situationen aufbauen und trösten kann usw. Wenn er Probleme hat, sich nicht gut fühlt oder aus anderen Gründen einfach keinen Kopf für BDSM hat, habe ich dafür immer Verständnis, nehme Rücksicht darauf und komme ihm entgegen, indem ich nichts 'einfordere', was mit BDSM zu tun hat, ihm dafür aber in anderen Bereichen und auf anderer Ebene gebe, was er gerade braucht. Dann muss BDSM eben mal eine Weile ruhen, weil in unserer Beziehung gerade kein Platz dafür ist. Das ist ok für mich und kam auch schon vor - auch von meiner Seite aus. Wichtig ist nur, dass offen darüber gesprochen wird, damit beide wissen, woran sie sind und sich einigen können. Deine Zeilen, @DeepSanguin, kann ich also genauso unterschreiben, wie sie da stehen. Sie kommen meiner Einstellung und meiner Sicht der Dinge sehr nah.

      Ihm Schwächen, Macken und 'Fehler' zuzugestehen und zu akzeptieren, dass er nicht immer so kann, wie er will, wenn er gerade Probleme hat oder es ihm schlecht geht, ändert nichts an meiner Haltung ihm gegenüber und lässt mich keinesfalls an seiner Fähigkeit zweifeln, mich führen und für mich sorgen zu können. Ganz und gar nicht. Ich habe kein Problem damit, in solchen Zeiten auf BDSM zu verzichten, sondern bin von Herzen gerne für ihn da und halte dies in einer Liebesbeziehung auch für selbstverständlich. Es fühlt sich gut und richtig an und war schon immer Teil unseres Miteinanders. Das ist menschlich und ich will definitiv keinen Mann, der (angeblich) immer 'stark' ist, immer gleich gut gelaunt ist, nie Unterstützung von mir braucht und jederzeit fähig und gewillt ist, mir zu geben, was ich gerade brauche oder gerne hätte. Zum einen halte ich sowas für utopisch, zum anderen würde es mich nicht glücklich machen, weil ich dann nicht das Gefühl hätte, wirklich gebraucht zu werden und ihm menschlich überhaupt noch irgendetwas geben zu können.


      (Ich hatte wirklich(!) vor, mich kurzzufassen und jetzt ist doch wieder eine ganze Abhandlung daraus geworden, die die maximale Zeichenanzahl weit überschreitet... :D Geht gleich weiter...)
      ...und weiter im Text:

      So, weg von Utopien und zurück zu den Tatsachen: So, wie es sich im Laufe der Zeit entwickelt hat und bis vor einiger Zeit war, gefiel es mir sehr. Unsere Sessions (und auch der Weg dorthin) waren für uns beide etwas Besonderes und sehr erfüllend. Dominanz und Unterwerfung - dadurch wurden auf beiden Seiten sehr tiefe Bedürfnisse und Sehnsüchte gestillt und viele Fantasien wurden wahr gemacht, ausgelebt und genossen. Zusätzlich hat D/s immer mehr Einzug in unseren Alltag gehalten. Z. B. in Form von kleinen Ritualen und Regeln, die sich nach und nach ergeben/entwickelt haben. Oder auch ganz spontan in verschiedenen Situationen. Das Machtgefälle war quasi durch bestimmte Gegebenheiten abrufbar - und die musste ich nie gezielt inszenieren: Kam es während eines ganz 'normalen' Gespräches auf Augenhöhe zu eigentlich unnötigen(!) Diskussionen, wurde seine dominante Seite angetriggert und er konnte das Ganze mit wenigen, aber deutlichen Worten beenden, sodass wir uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren und ganz harmonisch weiterreden konnten. Hatte ich Schwierigkeiten, mich zu entscheiden, hat er das kurzerhand übernommen, sagte 'Das wird jetzt so und so gemacht.' und genauso wurde es dann auch umgesetzt. War ich ihm zu frech, konnte er dies allein mit Blicken unterbinden. Oder es kam einfach so zwischendurch mal eine klare Ansage. Hat er sich nach einem anstrengenden Tag sexuelle Befriedigung zur Entspannung gewünscht, hat er dies ausgesprochen - und bekommen. Und ganz allgemein in seinem Verhalten zeigte sich hier und da seine Dominanz - manchmal ganz überraschend (sogar er selbst war davon überrascht, aber nie im negativen Sinne). Wir haben uns mit alldem sehr wohlgefühlt und es hat einiges erleichtert. Ich habe mich dadurch zudem sehr geborgen, beschützt und sicher gefühlt; für ihn hatte es außerdem den Nebeneffekt, dass er auch in seinem persönlichen Alltag (unabhängig von mir und unserer Beziehung) selbstbewusster geworden ist und gelernt hat, sich besser durchzusetzen.

      Wunderbar! Besser könnte es doch gar nicht laufen! Wenn es denn so geblieben wäre... Ist es aber nicht. Leider.

      Manches ist 'im Prinzip' geblieben, aber eben nur so 'halb'. Dominanz und Macht nehme ich in erster Linie wahr, wenn sie auf emotionaler und geistiger Ebene ausgeübt wird. Körperliche Unterwerfung mag ja ganz nett und reizvoll sein, doch gibt es mir viel, viel mehr, wenn ich mit Blicken, Gesten, Verhaltensweisen, geschickt gewählten Worten und entsprechendem Tonfall dazu gebracht werde, Anweisungen zu befolgen, seine Wünsche zu erfüllen und mich seiner sowie meiner Lust hinzugeben. Für mich ist diese Komponente im D/s unverzichtbar - ohne funktioniert es nicht. Ohne Machtgefälle ist es in meinen Augen auch gar kein D/s - ohne D/s ist BDSM für mich allerdings uninteressant und das Ausleben und Aufgehen in meiner Neigung wird mir unmöglich. Das ist mir in den letzten Wochen sehr bewusst geworden und von dieser Feststellung wollte ich hier einfach mal erzählen. Das war die Intention dieses Threads.


      Ein 'Das wird jetzt so und so gemacht.' aus dem Munde meines Liebsten und Herrn hat genauso wenig Wirkung auf mich, als würde es ein Freund oder Bekannter zu mir sagen, wenn die Klarheit und Bestimmtheit (die ich ja bereits von ihm kenne und immer absolut überzeugend klang!) in seinen Worten fehlt. Dann sind es einfach nur Worte, nicht mehr und nicht weniger. Worte, die nicht überzeugend sind und mich somit nicht erreichen und berühren. Sind in solchen Situationen keinerlei Dominanz und Macht im Spiel, fühlt sich die Sub in mir einfach nicht angesprochen. Wenn ich im Grunde doch tun und lassen kann, was ich will, ohne dass es Konsequenzen hat oder ich in meine Schranken gewiesen werde, kann ich allenfalls so tun, als würde ich mich ihm und seinem Willen unterwerfen/unterordnen. Weder wäre es ehrlich, noch käme es von Herzen. Es wäre nichts als Schauspielerei - und das lehne ich für mich kategorisch ab. Das passt nicht zu mir, gibt mir nichts und bin nicht ich.

      Gleiches gilt für Sex: Ich will mich nicht nur körperlich fügen. Besteht kein eindeutiges Machtgefälle, kann und möchte ich mich keinen sexuellen Handlungen/Spielarten hingeben, die bislang nur im Rahmen von BDSM und immer in Zusammenhang mit D/s zwischen uns stattgefunden haben. Daran habe ich keine Freude und es bereitet mir schlichtweg keine Lust. Kein bisschen. Selbst wenn es um besondere Faibles geht, die mich normalerweise fast umgehend in den 'Sub-Modus' bringen und mir in Sekundenschnelle Lust bereiten: Losgelöst von Dominanz und Macht, Devotion und Unterwerfung regt sich bei mir gar nichts. Nur die Handlung als solche lässt mich völlig kalt. Das ist so, als würde ich kleine Plüsch-Schäfchen toll finden und zu Weihnachten eine Schafsfigur geschenkt bekommen - aus Holz. Die wäre vielleicht ganz hübsch anzusehen, würde aber keine Begeisterung in mir wecken und auf der Fensterbank oder im Regal verstauben. Sie hat halt kein Fell. Das Wesentliche würde also fehlen.

      Die Sub in mir muss sich angesprochen fühlen. Das geschieht über das Machtgefälle, denn auf seine Dominanz springt sie sehr schnell an. Das, was mich als Sub ausmacht und ich als solche zu bieten habe, ist nicht einfach so abrufbar, wenn ich nicht auch wie eine Sub behandelt werde und das Gefühl habe, dass meine Devotion, meine Unterwerfung, mein Folgen und Dienen gerade überhaupt nicht wichtig sind, sondern es ausschließlich um die sexuellen Handlungen an sich geht. Ich kann kein Vanilla auf Augenhöhe sein und 'Sub-Dienste' leisten (oder Dinge mit mir machen lassen, die ich nur im BDSM-Kontext kenne und mag)! Na ja, vielleicht könnte ich es doch, aber möchte es definitiv nicht. Das hat zwei Gründe: Zum einen wohnt die Sub dafür viel zu tief in meiner Seele. Mein 'Sub-Dasein' ist mit sehr intensiven, innigen und aufrichtigen Emotionen verbunden. Das Ausleben dieser Seite ist ganz eng an diese Gefühle gekoppelt. Die kann ich nicht einfach so loslassen und sie sind mir auch viel zu wertvoll, um darauf zu verzichten. Zum anderen würde es mir rein gar nichts geben. Einfach nur, 'weil er es ist'? Nein, dafür gebe ich mich nicht her. Es wäre lediglich ein Mitmachen, keinesfalls jedoch ehrliche Hingabe. Ich selbst hätte nichts davon - und das ist weder in seinem noch in meinem Sinne. Im aktiv gelebten D/s mache ich durchaus auch mal Dinge, nur 'weil er es ist' oder 'weil er es so will' - und das sehr gern! Der Unterschied ist, dass dann ein deutliches Machtgefälle zwischen uns herrscht, meine Position sehr klar und sicher ist, ich mich als Sub angenommen und begehrt fühle, devote Gefühle im Spiel sind und mein Bedürfnis, meinem Herrn zu dienen und ihm zu geben, was er braucht, sehr viel größer ist. Und davon habe ich selbst dann durchaus auch etwas, sogar sehr viel! Es entspricht schließlich meiner Neigung und abgesehen davon, dass es meine eigene Lust steigert, macht es mich sehr glücklich und ich finde Erfüllung darin. Letzteres betrifft eigentlich alles, was ich als Sub mache und erlebe. Aber eben nur als Sub, nur in Zusammenhang mit Dominanz und Unterwerfung, nur unter dem Einfluss seiner Macht/des Machtgefälles.

      (Ich muss den Text leider nochmals teilen, weil er sonst zu lang ist.)
      ...und nun der Rest:


      Ich glaube, ich habe zwei verschiedene Arten von Devotion in mir. Die, die ich gerade erläutert habe und nur unter den beschriebenen Voraussetzungen Feuer fängt - und die, die ich ganz zu Anfang erwähnt habe: Devotion rein aus Liebe. Die braucht keine Dominanz und keine Macht. Sie ist immer präsent - und zwar tatsächlich nur, weil er so ist, wie er ist. Und weil ich so bin, wie ich bin. Devotion, die meiner Liebe zu ihm entspringt und mich auf emotionaler Ebene und in alltäglichen Dingen dienen lässt, ohne dass es jemals eingefordert wurde. Devotion, so wie ich sie als D/s-ler verstehe, ist im Gegensatz dazu nicht bedingungslos und ganz ohne speziellen Auslöser abrufbar (Jedenfalls nicht, wenn es keine 24/7-Beziehung ist. Dann wäre es vielleicht anders, weil meine Einstellung eine ganz andere wäre. Das würde vermutlich auch zutreffen, wenn es eine Spielbeziehung wäre, die in erster Linie zum Ausleben unserer Neigung geführt wird.). Ohne D/s gibt es für mich kein BDSM - ohne Dominanz keine Devotion - ohne Führung kein Folgen - ohne Machtgefälle nicht den Wunsch nach und keinen erkennbaren Sinn in Unterwerfung. Ich fühle mich dann wie ein Vanilla, dessen Partner es nett findet, 'ein bisschen BDSM' ins Sexleben einfließen zu lassen; nicht aber als Sub, die mit ihren Bedürfnissen und Sehnsüchten erkannt und angenommen wird. Wenn es zu solchen Situationen kommt, kann das ganz schön weh tun, weil die Sub, die nun mal der Teil meiner Selbst ist, der im Rahmen solcher Handlungen unbedingt angesprochen werden will und muss (damit es funktioniert), das Gefühl hat, übersehen oder gar abgelehnt zu werden (abgelehnt insbesondere dann, wenn sie sich, ihre Unterwerfung und ihre 'Dienste' aus Sehnsucht und Verzweiflung auf unterschiedlichste Weise 'anbietet', diese aber nicht in Anspruch genommen werden und der Umgang weiterhin absolut gleichberechtigt auf Augenhöhe bleibt). Ich als 'Ganzes' habe da zwar einen rationaleren Blick, finde es aber so oder so sehr frustrierend, weil es absolut unbefriedigend für mich ist, wenn die psychische Komponente komplett ausgeklammert wird. Submissivität ist im Grunde immer in mir vorhanden. Ihr wisst schon, dieses 'Grundgefühl' gegenüber meinem Herrn, welches ich zu Anfang beschrieb. Um dieses Gefühl in Handlungen umwandeln zu können, diesem Teil von mir aktiv Raum geben zu können, brauche ich jemanden, der den passenden Gegenpart in sich trägt und diesen nicht zurückhält. Einen Gegenpart, der meine Submissivität sehen und erleben will, sie annimmt, sie braucht und sich mit ihr vereinen will. Ohne dies 'kickt' mich gar nichts. Ich habe hier schon öfter von anderen Subs Aussagen gelesen wie 'Zuerst muss mein Kopf gefickt werden, sonst macht es mir keinen Spaß / bringt es mir nichts / komme ich nicht in den Sub-Modus.'. Genau das meine ich damit.

      Ich will keinen Wunscherfüller oder Dienstleister. Seine Wünsche stehen für mich definitiv über meinen eigenen, seine Bedürfnisse haben Priorität. Grundsätzlich - das war seit Beginn unserer Beziehung nie anders, und da wusste ich noch nicht einmal, was Dom und Sub überhaupt bedeutet. Speziell in Bezug auf BDSM möchte ich selber aber auch etwas davon haben. Das gelingt eigentlich schon allein dadurch, dass er mich dazu bringt, ihm dienen, folgen und mich ihm unterwerfen zu wollen - indem er ein Machtgefälle aufbaut, in dessen Rahmen er mich dominiert, lenkt und führt, oder aber zulässt, dass ich ein Machtgefälle von unten aufbaue, um ihm den Einstieg und das Übernehmen der Führung zu erleichtern. Unter dieser Prämisse ist eine ganze Menge möglich; dann bin ich zu vielem bereit und mit Lust und Leidenschaft dabei. Ja, dann habe auch ich etwas davon und alles ist gut. Das gilt genauso für Alltagssituationen, in denen er ein Machtgefälle aufbaut, dem ich mich füge, oder wenn er an Regeln festhält, die er einst mit meiner Zustimmung aufgestellt hat - und Konsequenzen folgen lässt, wenn ich mich nicht an sie halte. Diese Dinge geben mir sehr, sehr viel! Ich fühle mich dadurch sicher und geborgen, gehalten und geliebt, habe etwas, woran ich mich orientieren kann, bekomme Struktur durch Klarheit und bin insgesamt viel ausgeglichener und irgendwie auch stärker.

      Von Selbstlosigkeit kann hier also wirklich nicht die Rede sein, @Frl. Irrlicht (zumal ich a. ohnehin nicht an völlig selbstloses Handeln glaube und b. auch nichts Erstrebenswertes darin sehe, denn dann wäre ich keine Sub mit Gefühlen, Wünschen und eigenem Willen mehr). Uneigennützigkeit war nicht mal Teil meiner Gedanken, während ich diesen Blog schrieb. Und es liegt mir fern, auf irgendeinem Thron sitzen zu wollen. Ganz im Gegenteil. Viel eher sehe ich meinen Herrn auf einem königlichen Thron sitzen, wenn er seine Macht - so wie ich es von ihm kenne - auf nachdrückliche, etwas 'egoistisch' anmutende, aber immer rücksichtsvolle und fürsorgliche Weise nutzt und mich mit Blicken, Worten oder seiner bloßen Präsenz beherrscht. Ja, dann sitzt er für mich auf seinem verdienten Thron und ich knie mich gerne daneben oder nehme zu seinen Füßen Platz. Darum ging es mir hier. Darum, dass ich Macht und Dominanz erleben will und muss, um mich meinen devoten Gefühlen hingeben und meine Neigung ausleben zu können. Durch den erlebten Wandel der vergangenen Wochen habe ich eine Menge Erkenntnisse gewonnen und die habe ich versucht, in Teilen zusammenzutragen, zu begründen und zu erklären. Zum einen, weil es mir bei der Selbstfindung im Bereich meiner Neigung hilft, zum anderen aber auch in der Hoffnung, dass sich vielleicht jemand in meinen Gedanken wiederfindet und verstanden fühlt, der seine Gefühle selber nicht so klar benennen kann.

      Ich hoffe, ich konnte hiermit verständlich(er) machen, was ich zum Ausdruck bringen wollte.

      Anmerken möchte ich an dieser Stelle nur noch, dass ich mit meinen Texten weder die dominante Seite meines Partners infrage stellen, noch deren Qualität geringschätzen möchte. Ebenso wenig möchte ich es ihm zum Vorwurf machen, dass es so ist, wie es derzeit ist. Nein, es sind bloß ein paar sehr persönliche Berichte über Erfahrungen, Gefühle und Gedanken während einer Phase, in der das Machtgefälle (hoffentlich nur vorübergehend) eingebrochen ist. Ein kleiner Einblick in das Seelenleben einer hungernden Sub, die den Dingen - ihren Gefühlen, Bedürfnissen und Sehnsüchten - auf den Grund gegangen ist. :/


      Herzlichen Dank fürs Lesen!
      Liebe @Zofe,

      auch wenn deine Blogbeiträge ein paar Monate alt sind und ich inständig hoffe, dass ihr diese Phase zu euren Gunsten überstanden habt, erkenne ich mich 1:1 darin in in unserer Situation wieder.

      Besonders in den Schilderungen der zwei Arten von Devotion. Du schilderst 1:1 das, was ich innerlich empfinde und bisher nicht in Worte kleiden konnte.
      Es hat mich, ebenso wie dich, zur Erkenntnis geleitet, dass die Sub in mir keineswegs selbstlos ist (das dachte ich bisher immer), sondern ihre Zufuhr braucht.
      Die Gewissheit gewollt zu werden/unterworfen werden zu können, welche dadurch entsteht angenommen, wertgeschätzt und auch (heraus)gefordert zu werden.
      Auch bei uns steht zur Zeit eher die rein körperliche Ebene im Vordergrund, welche durchaus auch ihren Reiz hat und mich kurz subbig fühlen lässt. Aber eben nur in dem Moment und kurz.

      Aber das grundlegende Sub Mindset ist mir irgendwie abhanden gekommen, sodass ich schon an meiner Devotion zweifelte.
      Erst durch Lesen deiner Beiträge kam ich darauf, dass es daran liegen könnte, dass es durch das Dom Mindset angetriggert werden muss, nicht in Gänze aus sich selbst heraus besteht und da der sprichwörtliche Hase im Pfeffer liegen könnte.
      Entweder ich habe in den letzten Monaten aufgrund veränderter äußerer Umstände (neuer Job mit eigener Führungskomponente, ergo mehr alltägliche Eigenverantwortung und gestärktes Selbstbewusstsein) auch in meiner Neigung Entwicklung und Veränderung erfahren (vielleicht benötige ich nun höhere, dommige Anreize???) oder es fehlt tatsächlich gänzlich der dommige Anreiz?
      Fakt ist, meine innere Sub leidet so langsam Hunger und ich weiß nicht woran es liegt und fühle in meiner Rolle starke Verunsicherung, obwohl auf der Alltagsebene (auch wir leben kein 24/7, ähnlich wie ihr) alles okay ist.

      Es wäre interessant und schön zu lesen, wie es bei Euch weitergegangen ist und wie ihr damit umgegangen seid?

      Ich nehme an dein Herr weiß/wusste über deinen Gefühlszustand und ihr habt gemeinsam nach Lösungen gesucht?

      Wenn du dazu ein paar Zeilen verfassen würdest, gern auch per PN, wäre ich dir sehr dankbar für den Erfahrungsaustausch, da wir wohl "Sub-mäßig" ein ähnlicher Typ zu sein scheinen.

      Liebe Grüße.
      “Everything has been figured out, except how to live.” (Jean-Paul Sartre)
      Liebe @Chat.Noir,

      deine Zeilen berühren mich, denn es tut so gut, verstanden zu werden! Vielen, vielen Dank für deine Gedanken.

      Tatsächlich nehme ich mir schon seit knapp 2 Wochen immer wieder vor, hier weiterzuschreiben, habe auch schon damit angefangen, es aber noch nicht zu Ende gebracht, weil mir jedes Mal die Zeit oder die Konzentration fehlte. Jetzt habe ich aber eine gute, zusätzliche Motivation, meinen Text fertigzustellen (auch dafür: danke!) und hoffe, dass ich es im Laufe des Tages schaffe.

      Liebe Grüße zurück! :)
      Das betrifft sicherlich nicht nur eine D/S-Beziehung
      So banal es erscheinen mag, so ernüchternd ist es wohl. Wenngleich, nimmt man sich eines Erklärungsversuches an, ist es vermentlich halb so schlimm.

      Glaubt man den wissenschaftlichen Studien, steigt bei der ersten Verliebtheit der Serotoninspiegel und Dopamin wird ausgeschüttet. Es sollen die gleichen Hirnregionen wie bei manchen Drogen aktiv sein.
      Im Anschluss sollen die Hormone Oxytocin und Vasopressin für Geborgenheit und dem Wunsch nach Bindung sorgen.
      Offenbar schaltet der Körper den „Drogenkonsum“ nach einer gewissen Zeit ab, damit wir wieder klar denken können. Langsam beginnt man rational über die Beziehung zu urteilen. Dinge, welche in den ersten Beziehungsphasen kaum eine Rolle spielten, erlangen zunehmend an Bedeutung und sollen mitunter geändert werden. Diskussionen, Machtkämpfe etc. sollen die Beziehung retten. Übersteht man diese Phase, fühlt man sich dem Partner tief verbunden. Vermehrte Ausschüttung von Oxytocin sollen nun zum Kinderwunsch führen. Danach schließen sich Monotonie und Zweifel an. In der Folge kommen die Auffrischungsversuche beim Sex. Sind alle Beziehungsphasen gut überstanden, macht sich endloses Vertrauen breit, ab dato man wohl von Liebe spricht.

      Gute oder schlechte Aussichten? Ich weiß es nicht. Meine Beziehungen liefen allerdings immer so ab. Endloses Vertrauen wurde nur selten erreicht, aber das ist eine ganz andere Geschichte.
      Mit dem Ziel endloses Vertrauen erreichen zu wollen, nützt offenbar auch die eigene Erkenntnis nichts. In jeder Phase müssen Weichen gestellt werden, und das geht halt nur gemeinsam.

      Blöde Einrichtung der Natur ist das Suchtpotential der Beziehungsphase I. :rolleyes: