Probieren geht über studieren... auch in BDSM unabhängig vom Tendenz oder eben nicht?

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      Probieren geht über studieren... auch in BDSM unabhängig vom Tendenz oder eben nicht?

      Sollte man als Dom das probiert haben, was man an sub ausüben will?

      Ich habe als Dom einige Sachen vorher ausprobiert, die mir nur mäßig spaß machten eben nach dem Motto: Wie hätte ich sonst ohne empirische Forschung die Wirkung einschätzen sollen? :P

      Natürlich kann man nicht alles an sich selbst ausprobieren. Ich will den Superdom kennen lernen, der sich selbst mit einer Kinbaku- oder Shibari-Bondage verknoten und aufhängen kann. Auch den Spaßfaktor ist nicht vorhanden, wenn man eben nicht auf Spanking steht und trotzdem versohlt wird. Ebenfalls ist auch schwer für eine Frau einen Penis Ring an sich selbst auszuprobieren. Trotzdem kann man einiges doch vorher empirisch erforschen, oder sollte es man sogar?

      Ich bin gespannt, wie die Meinung zu diesem Thema hier im Forum ist.
      Alles was Spaß macht, hält jung (Curd Jürgens)
      :gruebel: Bei Schlaginstrumenten würde ich schon mal sagen, es wäre nicht gerade schlecht, wenn Tops ein Gefühl dafür haben :yes: Bei Fesselungen ist das ja schon schwieriger, mal ist jemand gelenkiger, mal nicht, mal hat man körperliche Einschränkungen, mal nicht :pardon:

      Ansonsten muss man wohl leider zusammen vorsichtig rumexperimentieren. Wie soll z.B. eine Mann nachvollziehen, wie es sich als Frau anfühlt, zwischen die Beine gehauen zu werden?

      Auch ansonsten ist das Empfinden ja sehr individuell. Es gibts Leute, die gehen bei Nippelklemmn sofort in die Knie und welche, die schleudern dann no damit rum :D :pardon:
      Seitdem ich perfekt bin, hält sich meine Arroganz in Grenzen!
      Probieren im Sinne von das neue Schlagwerkzeug an Arm/Bein oder auf nem Kissen testen, neue Fesseln aus bisher unbekanntem Material mal kurz anlegen finde ich sehr sinnvoll einfach damit der dominante Part besser einschätzen kann was auf beide zukommt.
      Probieren im Sinne von Rollentausch für mich persönlich definitiv nie wieder. Einmal gemacht und für derart schrecklich empfunden... Geht von meiner Seite aus echt gar nicht. Ich habe mich einfach nur noch unwohl gefühlt und die Situation als falsch, falsch und nochmal falsch empfunden.
      In der Theorie finde ich es gut wenn Dom richtig testet was Sub erlebt aber in der Praxis ist mein Fazit, dass man das auch erstmal aushalten können muss.
      Daher: gerne wie bereits erwähnt kurzer Selbsttest zur Einschätzung und dann langsam und behutsam einsetzen und bei was heftigerem gerne über einen längeren Zeitraum kennen lernen. Muss ja nix sofort voll ausgeschöpft werden :pardon:
      "Probieren im Sinne von Rollentausch für mich persönlich definitiv nie wieder."

      nein, es war nicht im Sinne von Rollentausch gemeint, sondern eben im Sinne von Instrumenten und ähnliches (wie z.B. bei hot cremes, Ingwerknollen u.s.w.)

      Für einen erfolgreichen Rollentausch braucht man eben Lust und Laune an switchen, das hat für mich nichts mit probieren. Wer nicht devot ist, wird keinen Spaß an einem Rollentausch mit dem Sub haben.
      Alles was Spaß macht, hält jung (Curd Jürgens)

      lifsa schrieb:

      Ebenfalls ist auch schwer für eine Frau einen Penis Ring an sich selbst auszuprobieren
      da sind eben klare Grenzen gesetzt.

      Ich finde probieren im Sinne von wie verhält sich das Schlaginstument...oder welche Auswirkungen gibt es schon ok- eben mehr auf der Sicherheitsebene ansonsten muss Dom das meiner Meinung nach nicht ausprobieren.
      An den Kreuzungen des Lebens stehen leider keine Wegweiser.
      Ich finde nicht, dass Dom alles ausprobieren muss, das ist meiner Ansicht nach einer dieser gern zitierten, aber grundfalschen Mythen.

      Wie bereits zuvor gesagt, einiges geht ja schon anatomisch nicht, aber selbst dann kann man schlecht an sich selbst ausprobieren, wie es der/die andere empfinden wird, physisch schon schlecht (man nehme nur das doch sehr individuelle Empfinden von Schärfe beim Essen) und psychisch erst recht nicht, da ist jeder einfach zu verschieden.

      Da das hier ja auch schon angesprochen wurde: das bezog sich jetzt in erster Linie auf reine Selbstversuche, d.h. ohne Partner. Mit seinem Partner zu switchen, um etwas "auszuprobieren", halte ich - sofern nicht beiderseits da eine entsprechende Neigung dafür da ist - für sinnlos bis kontraproduktiv, wie hier ja bereits angeklungen.
      Trust me, I know what I'm doing!
      Das Thema kommt ja immer mal wieder auf....

      Ich bin Maso und bin heilfroh, dass mein Mann die Schlagwerkzeuge nicht an sich selbst ausprobiert oder probieren lässt. Der würde mich ja nie wieder schlagen... :icon_lol:

      Zur Wirkungsweise: bei neuen Sachen tasten wir uns langsam heran und ich erkläre ihm, wie es sich für mich anfühlt, welche Art Schmerz es verursacht, wo es für mich angenehm ist und wo es unangenehm ist, wie intensiv der Schmerz ist, etc.

      Dabei ist absolute Ehrlichkeit selbstverständlich.

      Was er dann daraus macht ist seine Sache.
      Sei Optimist - wenigsten solange man keine Tiere paarweise nach Cape Kennedy treibt.

      - Tennessee Williams -
      Als Switcher hat man oft einen recht entspannten Umgang mit dem eingangs geschilderten Dilemma des fehlenden Spaßfaktors - da haben es die einseitig orientierten BDSMler ausnahmsweise mal schwerer, könnte man meinen.

      Allerdings ist die Gretchenfrage nach dem Nutzen der angeblich obligatorischen Selbsttests m. E. ganz gut zu beantworten, wenn man ein bisschen gesunden Menschenverstand auf die Fakten anwendet:



      Die komplexe Empfindungen des passiven mit entsprechender Neigung während des Spiels sind in keinster Weise vergleichbar mit dem eher rein technischen nachvollziehen einer reinen Schmerzwirkung im Selbsttest.

      Was rein anatomisch nicht möglich ist, ist einfach nicht möglich - hier sind die Homosexuellen klar im Vorteil.

      Die Belastbarkeit ist abhängig von Person, Erregungszustand und Tagesform ggf. extrem unterschiedlich.

      Auch die Empfindlichkeit für Art des Schmerzes (Hell, Dumpf etc.) ist individuell.

      Einzelne Körperzonen können im Vergleich zum Rest ungewöhnlich sensibel oder belastbar sein.

      Individuelle psychiche Faktoren können das empfinden stark beeinflussen (ich sag nur Nadelphobie....).


      Das führt zunächst zu der Erkenntnis, dass der Nutzen von Selbsttests stark beschränkt ist, insbesondere sollte man nicht voreilig vom Ergebnis bei sich selbst auf andere schließen. (womit im übrigen auch klar sein sollte, dass auch wir switcher sehr vorsichtig damit sein sollten, die Erfahrungen von der einen Seite auf die andere Seite zu übertragen). Aus sicherheitsrelevanten Überlegungen kann es manchmal Sinn machen. Auch sind manche Dinge ohne Selbsttest in ihrer Wirkung einfach unheimlich schwer einzuschätzen, wenn man so gar keine Vorstellung die Wirkung hat oder wenn es dich um Techniken mit wenig haptischem/optischen Feedback handelt (z.B. sollte man sich mit einem TENS-Gerät sicher ein wenig selbst auseinandersetzen, um zu wissen, welcher Schalter welche Wirkunhg hat). Das sind meines Erachtens aber ganz wenige Dinge, die auch meines Erachten weniger im absoluten Anfängerbereich angesiedelt sind. Ansonsten ist Geduld und Kommunikationsfähigkeit beim Einspielen (und das auf BEIDEN Seiten!) viel elementarer als das dusselige Selbstgeteste.

      Dr. Gaius Baltar schrieb:

      wenn man ein bisschen gesunden Menschenverstand auf die Fakten anwendet
      Vielleicht bin ich viel zu sarkastisch geworden aber bei dem Satz denke ich automatisch: common sense is the least common of all senses.

      Gemäß Wörterbuch, bedeutet der Ausdruck gesunder Menschenverstand "den einfachen, erfahrungsbezogenen und allgemein geteilten Verstand des Menschen bzw. dessen natürliches Urteilsvermögen" und an manchen Tagen nichts erscheint mir so unnatürlich wie vernünftige Urteilsvermögen und dass ohne sexuelle Erregung in die Mischung einzubringen.
      Alles was Spaß macht, hält jung (Curd Jürgens)

      DerekReign schrieb:

      Mit seinem Partner zu switchen, um etwas "auszuprobieren", halte ich - ... - für sinnlos
      Das sehe ich anders. "Ausprobieren" muss ja nicht gleich switchen sein. Ich habe oft schon zu Subbie gesagt: Mach das mal mit mir, damit ich weiß, wie sich das anfühlt. Und das ist ein Befehl! Subbie macht es, weil ich es will.

      Klar, bei manchen Praktiken geht es einfach technisch nicht. Aber wenn Dom etwas ausprobieren kann, dann sollte er/sie es auch tun. Dann kann er/sie besser entscheiden, was wo und wie wirkt.

      ramira schrieb:

      .Aber wenn Dom etwas ausprobieren kann, dann sollte er/sie es auch tun. Dann kann er/sie besser entscheiden, was wo und wie wirkt.
      Aber was bringt es Dom, wenn er weiß, wie es sich bei ihm anfühlt. Dann weiß er doch noch lange nicht, wie es sich bei mir anfühlt, was ich dabei empfinde.
      Sei Optimist - wenigsten solange man keine Tiere paarweise nach Cape Kennedy treibt.

      - Tennessee Williams -

      ramira schrieb:

      DerekReign schrieb:

      Mit seinem Partner zu switchen, um etwas "auszuprobieren", halte ich - ... - für sinnlos
      Das sehe ich anders. "Ausprobieren" muss ja nicht gleich switchen sein. Ich habe oft schon zu Subbie gesagt: Mach das mal mit mir, damit ich weiß, wie sich das anfühlt. Und das ist ein Befehl! Subbie macht es, weil ich es will.
      Ohne den Mittelteil ist das Zitat so etwas sinnentstellt.

      Zum Weiteren: Im Ernst?
      Trust me, I know what I'm doing!
      Moin,

      ich frage mich immer wieder, wenn das Thema auftaucht, was mir das bringen soll. Ich bin nicht maso, meine Holde auch nicht.
      Ich kann problemlos in 45° heißes Wasser duschen und fühle mich wohl dabei, da ich es nicht so doll wahrnehme, meiner Holden langen 27° für eine heiße Dusche.
      Ich kann die Dressurgerte auf meinem Bein durchziehen und denke, 'Jupp, zwirbelt ordentlich', meiner Holden brauche ich damit nur auf 2 Meter nahe kommen, dann jammert sie 'Jupp, zwirbelt ordentlich'.
      Jeder Mensch empfindet anders, hat ein völlig anderes Schmerzempfinden.
      Das Einzige, dass ich als sinnvoll erachte, ist das 'Ausprobieren' im Sinne von 'Wie gehe ich damit um?'.

      m2c,

      imaginary
      Die Gedanken sind frei.
      Denken muss man sich erarbeiten.
      Den Umgang mit einem neuen Spielzeug ausprobieren, ja sicher.
      Gerade bei neuen Schlagwerkzeugen möchte ich schon wissen wie ich ggf schlagen muss um wo zu treffen.

      Da ich persönlich Schmerzen eher schlecht vertrage, sondern lieber zufüge und meine Holde das komplette Gegenteil ist, würde es mir persönlich nichts bringen.
      Das es weh tut oder zwiebelt, das weiss ich auch so, dazu ist es ja auch da :)

      Von daher Umgang ausprobieren ja
      An mir selbst, nein
      Da ich switche ist es für mich kein Problem Schlagwerkzeuge auszuprobieren.

      Da ich auch eine Masoader haben, ist es auch Interessant wie sich die einzelnen anfühlen.

      Problem mit den Fesseln sehe ich auch, da man sich schlecht selbst Fesseln kann.

      Da ich die Schlagwerkzeuge auch selbst genieße, kann ich sie auch entsprechend so dosiert anwenden, dass es die Subbi aushält. Sicherlich ist es auch Tagesform abhängig, wie man wie viel verträgt. Aber ich habe ein Gefühl für die Schlagwerkzeug.

      Ob es wirklich wichtig ist, ob es dein Dom an sich ausprobieren sollte, das darf er/sie für sich selbst entscheiden.
      "Sollte man als Dom das probiert haben, was man an sub ausüben will?" - Das war die Ausgangsfrage.

      Ich sage dazu ein ganz klares: Ja! Alles, was geht, sollte man/frau probieren, um zumindest eine Ahnung davon zu haben, wie es sich anfühlt. Auch wenn das Schmerzempfinden individuell anders ist, im Prinzip sind es dieselben Reaktionen.

      Vieles passiert ja im Kopf und hat psychologische Gründe, das kann man/frau natürlich nicht 1:1 testen. Und vieles geht rein technisch nicht.

      Ich erinnere mich noch gut an ein Erlebnis vor vielen Jahren, als mir so ein schönes kleines Stöckchen in die Finger kam, so eines, das ordentlich pfeift, wenn man es durch die Luft zieht. So richtig getraut habe ich mich damals nicht, das anzuwenden. Ich habe deshalb Subbie beauftragt, es bei mir auszuprobieren.
      Ich war überrascht, wie verschieden der Schmerz sein kann. Langsam brennend und zunehmend bei leichten, schnellen Schlägen, oder stechend hart, wenn fest durchgezogen wird. Ich war auch überrascht, wie es sich hinterher anfühlt, Minuten, Stunden, ja sogar Tage danach.
      Ich war verwirrt über mich selbst. Wie konnte ich einem anderen Menschen überhaupt erlauben, mir das zuzufügen? Wie konnte ich mich freiwillig schlagen lassen?
      Ja, ich habe auch geheult und bin an meine Grenzen gegangen. Ein zweites Mal muss ich es nicht haben. Aber ich habe es kennengelernt.

      Am meisten geheult hat Subbie. Sub kann doch nicht Dom verhauen! Das war 100%ig gegen ihre Natur und gegen unser Verhältnis. Aber sie hat es getan, weil ich es befohlen hatte, nur deswegen. Es war mehr als nur ein Ausprobieren, es war ein Liebesbeweis, und zwar ein gegenseitiger.

      Überrascht hat mich auch, wieviel sich da im Kopf abspielt. Seither kann ich mir viel besser vorstellen, was sich im Kopf von Subbie abspielt und dass eben nicht nur das körperliche Empfinden wichtig ist.

      ramira schrieb:

      "Sollte man als Dom das probiert haben, was man an sub ausüben will?" - Das war die Ausgangsfrage.

      Ich sage dazu ein ganz klares: Ja! Alles, was geht, sollte man/frau probieren, um zumindest eine Ahnung davon zu haben, wie es sich anfühlt. Auch wenn das Schmerzempfinden individuell anders ist, im Prinzip sind es dieselben Reaktionen.
      ...
      Ich möchte da gerne einhaken.
      Ich persönlich bin da anderer Meinung. Nämlich: Nein, muss man nicht. Werde ich auch selber nicht.
      Wie du selbst geschrieben hast, ist das Schmerzempfinden bei jedem anders. Warum soll ich es dann ausprobieren?
      Und nein, es sind auch nicht die selben Reaktionen, wie du meinst. Auch nicht im Prinzip.
      Ich selbst kann Schmerzen sehr gut ausblenden und nehme sie dann erst wahr, wenn sie übermäßig werden.
      Desweiteren würde ich bei Schlägen gegen mich automatisch mit Abwehrhandlungen beginnen. Ist antrainiert. Und DAS möchtest du dann bestimmt nicht erleben :D
      "I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it."

      (Voltaire Biografin Evelyn Beatrice Hall, 1906)

      Ich glaube, Gefahren lauern auf diejenigen, die nicht auf das Leben reagieren"
      Michail Gorbatschow

      ramira schrieb:


      Ich war verwirrt über mich selbst. Wie konnte ich einem anderen Menschen überhaupt erlauben, mir das zuzufügen? Wie konnte ich mich freiwillig schlagen lassen?
      Ja, ich habe auch geheult und bin an meine Grenzen gegangen. Ein zweites Mal muss ich es nicht haben. Aber ich habe es kennengelernt.

      Am meisten geheult hat Subbie. Sub kann doch nicht Dom verhauen! Das war 100%ig gegen ihre Natur und gegen unser Verhältnis. Aber sie hat es getan, weil ich es befohlen hatte, nur deswegen.
      Ich stelle mir vor allem die entscheidende Frage: warum? Darauf habe ich da bisher keine Antwort herauslesen können.

      Hört sich für mich ein bisschen so an, als ob man ein brennendes Streichholz in den Benzintank wirft, weil der Motor nicht anspringt, und nach dem Knall dann feststellt "ja prima, mangelnder Sprit war's nicht, das Thema können wir immerhin abhaken". Kann man so machen, es gibt aber sicher schonendere Diagnose-Methoden...
      Trust me, I know what I'm doing!